Bietigheim-Bissingen Bestuhlung ist original geblieben

Von Jonathan Lung
Der neue Betreiber des Kinos in Bissingen, Tufan Çenberoglu. Foto: /Andreas Essig

Der Umbau des alten Kinos in Bissingen schreitet voran. Diesen Winter soll die Auftritts- und Übungsstätte für Künstler fertig werden.

Im Obergeschoss des alten Kinos in Bissingen sitzt am vergangenen Freitagnachmittag Domenik am Computer: Der junge Musiker nimmt Metal und Chillout auf und mischt es. In dem Raum im Obergeschoss hängen E-Gitarren an der Wand – und, das ist wichtig, er ist lärmisoliert: „Zuhause kann ich nicht aufnehmen, wegen der Lautstärke“, erklärt Domenik, warum er sich den Raum mietete.

Gut also, dass sich Tufan Çenberoglu, Kristina Çenberoglu und Boris Kolman vor über zwei Jahren entschieden, aus dem geschlossenen Kino einen Ort für Künstler wie Domenik zu machen (die BZ berichtete). Nach zwei Jahren Arbeit steht man diesen Winter nun vor der Vollendung: im Obergeschoss gibt es bereits noch zwei andere Mieter in den insgesamt drei anmietbaren Räumen, einer von ihnen gibt Schlagzeugunterricht, der andere ist ebenfalls selbstständiger Künstler.

Von der Betriebsversammlung bis zum Musikkonzert

Im Erdgeschoss ist die große Bühne, der alte Hauptsaal des Kinos. Der wird jetzt als Multifunktionssaal genutzt: Im Vorraum steht eine Anrichte für Catering bereit, ebenso wie Kühlschränke für Getränke. Versammlungen für bis zu 110 Personen können im Saal stattfinden. Von Betriebsversammlungen über Kulturveranstaltungen, Lesungen, Coaching bis zu Musikkonzerten, Poetry Slam und Comedy sei hier alles möglich, erklärt Tufan Çenberoglu beim Rundgang – die Leinwand und der Beamer ermöglichen auch eine (erneute) Nutzung als Kino. Mit einer Konsole sind auch Gaming-Events möglich. Die Bestuhlung ist original geblieben, nur die Sitze an der Wand nahm man raus, sodass man von beiden Seiten in die Reihe kommt.

Die Idee, überhaupt einen Veranstaltungssaal zu realisieren, kam den dreien erst bei der Besichtigung des Kinos als mögliche Immobilie. „Wir kamen dazu, als wir hier waren. Wir sind losgelaufen mit der Idee, wir machen einen neuen Proberaum für viele Bands.“ Und nun wurde der Veranstaltungssaal das neue Herz der Immobilie. „Man wächst mit den Aufgaben“, so Çenberoglu .

„Kirche und Kino“ ist schon fest eingeplant

„Kirche und Kino“ ist in dem Saal schon fest geplant (Infokasten). Eine Kulturreihe jeden zweiten Samstag im Monat mit einem Künstler auf der Bühne ebenso, berichtet Çenberoglu. „Das Feedback bis jetzt war super“, ist er mit den bisherigen zwei Probeveranstaltungen zufrieden, eine davon war die letzte Veranstaltung von BiBi Pop. Laufend kämen Anfragen von interessierten Künstlern rein.

Im Kellergeschoss, dem alten Kleinen Saal des Kinos, ist allerdings noch einiges zu tun: Insgesamt fünf Studios für Gruppen- und Einzelproben von Musikern und Bands sollen hier entstehen, einer davon, im Kinosaal, groß genug für fünf oder sechs Bands. Momentan ist es aber noch die letzte Baustelle des Hauses. Man peilt den Februar an, um hier fertig zu werden, bestätigt Çenberoglu. Froh sei man, dass der Brandschutz in den bis jetzt fertiggestellten Gebäudeteilen durch ist, die Abnahme durch die Baubehörde steht an. Sonst sei man im anvisierten Zeitplan geblieben, bestätigt Çenberoglu , man könne sich nicht beschweren. Aber: „Hinter jeder Tür die Sie aufmachen gibt es neue Aufgaben, die entstehen“, beschreibt er die Herausforderungen beim Umbau der alten Immobilie. Zusatzkosten durch eine Lüftung kamen dazu. „Es kann sich keiner ausmalen, wie viel Arbeit das ist. Wir haben hier 70 Tonnen Material rausgeschleppt. Und das ist noch nicht das Material, das wir reingeschleppt haben.“ Räume leerräumen, Sitze rausschrauben – die Aufgaben hätten kein Ende genommen, erzählt Çenberoglu von den Arbeiten. Aber, böse Überraschungen habe es nicht gegeben: „Dafür dass das Gebälk fast 80 Jahre alt ist, war es echt noch eine gute Substanz. Es gab nirgends Schimmel oder Pilze.“

Ein „Partybunker“ werde es aber sicher nicht, betont Çenberoglu. „Dafür gibt es geeignetere Etablissements.“ Zur Fertigstellung plant er einen Tag der Offenen Tür.

 
 
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