Bietigheim-Bissingen Bilanz der städtischen Töchter: Zwei Mal Minus, ein Mal Plus:

Von Uwe Mollenkopf
Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen verzeichneten 2023 ein Defizit. Foto: /SWBB

Die Holding-Gesellschaft der Stadt hat 2023 erneut mit einem Verlust abgeschlossen. Dieses Jahr will man die Wende zum Besseren schaffen.

Für das Jahr 2022 vermeldete die Stadt Bietigheim-Bissingen erstmals rote Zahlen ihrer Holding. Rund 600.000 Euro betrug der Verlust. Im vergangenen Jahr ist es nun noch schlimmer gekommen. Wie der in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats präsentierten Bilanz zu entnehmen war, beläuft sich der Jahresfehlbetrag auf 3,1 Millionen Euro für 2023.

Polster aus der Vergangenheit

In der Holding werden die Ergebnisse der Städtischen Tochtergesellschaften Stadtwerke, Wohnbau und Omnibus Spillmann verrechnet, was steuerliche Gründe hat. Von ihnen rutschten die Stadtwerke im vergangenen Jahr mit über 2,5 Millionen Euro in die roten Zahlen, die Omnibusverkehr Spillmann GmbH fuhr 2023 einen Verlust von rund 439.000 Euro ein. Nur die Wohnbau steuerte ein Plus bei, das mit 855.300 Euro das Defizit jedoch nicht ausgleichen konnte. Die Ursache der großen Veränderung im Jahresfehlbetrag sei im Wesentlichen, dass die Wohnbau im Jahr 2022 noch ein um rund drei Millionen Euro besseres Jahresergebnis abführen konnte, wird im Prüfungsbericht zum Jahresabschluss festgestellt. Der Fehlbetrag in der Holding kann aber aus den positiven Ergebnissen der Vorjahre, die sich auf einen Gewinnvortrag von 51,5 Millionen Euro aufsummieren, ausgeglichen werden.

Energie zum Teil nicht abgesetzt

Oberbürgermeister Jürgen Kessing erklärte in der Ratssitzung, bei den Bietigheim-Bissinger Stadtwerken sei es das zweite Jahr mit einem negativen Ergebnis. Er führte den warmen Winter und Kundenverluste als Gründe an. Im Lagebericht der Stadtwerke erklären die Geschäftsführer Richard Mastenbroek und Bürgermeister Michael Hanus dazu: „Ein wesentlicher Grund für den Verlust lag im deutlich reduzierten Energieverbrauch im Jahr 2023. Die auf Termin für den Berichtszeitraum beschaffte Energie wurde teilweise nicht abgesetzt, da die Temperaturen im Jahr 2023 historisch hoch waren und die Kunden zudem noch Energie sparten.“ Die zu hohen Einkaufspreisen im Vorjahr gekaufte Energie habe zu gesunkenen Marktpreisen mit Verlust wieder verkauft werden müssen. Kessing zeigte sich aber zuversichtlich, dass in diesem Jahr die Wende zum Besseren gelinge.

Mit Blick auf Spillmann stellte der Oberbürgermeister fest, dass das Ergebnis deutlich besser als 2022 sei. Damals hatte der Verlust noch bei 1,76 Millionen Euro gelegen. Wie Geschäftsführer Bülent Menekse in seinem Lagebericht ausführte, lag das an der „kaskadenabhängigen Abrechnungsmodalität“ der Aufgabenträger für den Busverkehr. Demnach wurden die Nachzahlungen für die Jahre 2020, 2021 und 2022 erst im Jahr 2023 getätigt.

„Die Busverkehrsunternehmen haben sich im Jahr 2023 nach den in den letzten drei Jahren massiv einwirkenden äußeren Einflussfaktoren (Corona Pandemie, Ukraine-Krieg etc.) wirtschaftlich wieder leicht erholt“, so Menekse. Sein Ausblick: Das zu erwartende Ergebnis für das Jahr 2024 werde davon abhängen, ob die Nachzahlungen für 2023, die Anpassung für 2024 und der 49-Euro-Ticket-Ausgleich wie von den Aufgabenträgern zugesagt bis zum Jahresende fließen werden.

Abschlüsse einstimmig gebilligt

Die Bietigheimer Wohnbau erwirtschaftete 2023 nach Abzug der genannten 855.300 Euro Gewinnabführung noch einen Jahresüberschuss von 570.100 Euro. Im Jahr 2022 waren es noch rund 2,6 Millionen Euro bei einer Abführung von 3,9 Millionen an die Holding gewesen. Geschäftsführer Carsten Schüler weist in seinem Lagebericht auf steigende Baukosten, bedingt durch Erhöhungen bei den Materialkosten, energetische Auflagen und den Fachkräftemangel sowie Lohnerhöhungen, hin. „In diesem Umfeld, geprägt von hohen Zinsen und Preisen, ist der Neubauverkauf bundesweit nahezu zum Erliegen gekommen und wird sich kurzfristig ohne Veränderung einer dieser Parameter nicht beleben lassen“, beschreibt er die Situation. Die Wohnbau reagiert darauf, indem keine großen Bauvorhaben als Ganzes mehr gestartet und stattdessen nach und nach kleinere Baufelder entwickelt werden.

Der Gemeinderat billigte die Jahresabschlüsse einstimmig.

 
 
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