Bietigheim-Bissingen Bissingerin engagiert sich für Nepal-Nothilfe

Von Bigna Fink
Tanja Neubauer aus Bissingen mit Kindern von einem Happy-Bottle-Kinderheim in Kathmandu. Neben ihr ihre Patenkinder Ramsal, 15, links, und Kanchi, 12, Halbwaisen aus der Bergregion Manaslu. Foto: privat

Nach der Flutkatastrophe im Himalaya mit tausenden Opfern sammeln Tanja Neubauer und ihr Hilfsverein Spenden für eine direkte Unterstützung vor Ort und für Waisenkinder.

Dreiviertel des Bergdorfes Syabrubesi, in dem ich übernachtet habe, sind zerstört“, berichtet Tanja Neubauer, „es ist einfach furchtbar.“ Die Bietigheim-Bissingerin war im März dort im Langtang-Nationalpark zwischen Nepal und Tibet auf Trekkingtour. „Kinder, die auf der Straße gespielt haben, alte Menschen, Brücken, Straßen, das Hotel auf der Klippe, in dem wir waren, alles wurde weggeschwemmt.“ Es sei apokalyptisch, „noch schlimmer, als in den Medien berichtet.“

Dörfer und Straßen mitgerissen

Für die 57-Jährige ist die verheerende Flutkastastrophe vom 26. August noch immer unfassbar. An dem Dienstagmorgen vor einer Woche riss in dem Himalaya-Gebiet, ausgelöst durch einen Gletscher- und Felsabbruch und einen Erdrutsch eine riesige Flutwelle aus Schlamm und Geröll ganze Dörfer mit sich und überschwemmte das Trishuli-Tal in Nepal – mit bisher mehr als 1200 Toten und noch über 5000 Vermissten, die Suche nach Überlebenden dauert noch an. „Den Menschen ist oft nur das Hemd geblieben, das sie an dem Unglückstag getragen haben“, weiß Neubauer von Partnern vor Ort. Die lebenswichtige Infrastruktur sei in den betroffenen Gebieten massiv zerstört: „Es gibt kein sauberes Wasser, keinen Strom, gefährliche Krankheiten drohen auszubrechen.“

Der Verein „Menschen im Dialog“, für den sich Tanja Neubauer seit 2018 einsetzt, und der Menschen in abgelegenen Bergregionen Nepals unterstützt, hat einen Tag nach der tödlichen Sturzflut einen Spendenaufruf gestartet. „Seitdem haben uns unzählige Zeichen der Solidarität erreicht“, erklärt Neubauer, die Vorstandsmitglied im Verein ist.

„In Land und Leute verliebt“

Seit 16 Jahren arbeitet sie als Floristin in der Bissinger Blütenbar. Viele Menschen, auch viele Kunden des Blumenladens, „fragen uns, wie sie helfen können.“ Tanja Neubauer ist im Stadtteil bekannt für ihre Nepalnähe, in der Blütenbar verkauft sie unter anderem Schals aus Kaschmir und Yakwolle sowie Filz-Fingerpuppen aus Nepal. Ein Teil des Erlöses geht an Hilfsprojekte in dem Himalaya-Land. Eine Stammkundin sei nach der Katastrophe zu ihr in den Laden gekommen und habe 50 Euro gespendet, „ich hatte Tränen in den Augen.“ Seit einer Trekkingtour mit Freunden im Annapurna-Gebiet in Nepal 2018 habe sie sich in Land und Leute verliebt. 2019 gründete die Floristin die kleine Hilfsorganisation „Support Nepal“. Mit ihrem Trinkgeld aus der Blütenbar finanzierte sie etwa einen Rollstuhl für ein behindertes Mädchen in einem Dorf, das Neubauer oft besucht.

Mit Leidenschaft engagiert sich die Bissingerin im Verein Menschen im Dialog mit Sitz in Neresheim, Ostalbkreis. 37 Mitglieder hat der Verein, der sich mit langjährigen Partnern vor Ort in Bildungs- und Gesundheitsprojekten und Patenschaften mit Waisenkindern für bessere Lebensbedingungen der Menschen einsetzt.

Mindestens einmal im Jahr fliegt sie in die Himalaya-Republik, wo sie enge familiäre Freundschaften pflegt. „Ich habe in Nepal noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Es tut mir in der Seele weh, was die Menschen dort erleiden müssen.“

Es habe keinerlei Vorwarnung über die drohende Sturzflut in den betroffenen Gebieten gegeben. Die Zerstörungen betreffen die ganze Breite Nepals, so Neubauer, von der Grenzregion im Himalaya-Gebirge zwischen Tibet und Nepal bis hinunter zum Chitwan Nationalpark in Südnepal und Nordindien, wo „viele Leichen angespült wurden“. Ein Mitarbeiter des Vereins, Ridam Gurung, hatte großes Glück: Er sei an dem 26. August auf der Bergstraße oberhalb des Flusses im Stau gestanden und wurde deshalb nicht von der Flut erfasst.

Spendenbereitschaft ist groß

Durch den Spendenaufruf des Vereins „Menschen im Dialog“ sei bereits eine „schöne Spendensumme“ zusammengekommen, ist Neubauer dankbar. „Kommende Woche werden wir Spendengeld direkt an Helfer vor Ort, die wir persönlich seit vielen Jahren kennen, überweisen.“

In den vergangenen Tagen hat der Vereinsvorstand intensive Gespräche mit seinen Partnern in Nepal geführt, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen. „Wir haben gemeinsam geprüft, wie wir die uns anvertrauten Mittel möglichst wirksam einsetzen können, heißt es vom Vorstand des Vereins, der laut Neubauer großen Wert auf Transparenz legt. „Wir wollen nichts überstürzen“. Besonders bewegt haben die Ehrenamtlichen die Berichte über Kinder, die durch die Katastrophe Eltern, ihr Zuhause oder ihre gesamte Lebensgrundlage verloren haben.

15 Waisenkindern Hilfe gesichert

„Gemeinsam mit unserem langjährigen Freund und Partner Kamal Bhattarai haben wir den ersten Schwerpunkt auf die Unterstützung besonders betroffener Kinder gelegt“, so Neubauer. Bhattarai arbeitet laut des Vereins seit vielen Jahren im Bereich Kinder- und Jugendhilfe. Aktuell sei er gemeinsam mit Vertretern der Regierung und des National Child Rights Council in den besonders betroffenen Distrikten Rasuwa, Nuwakot, Dhading und Chitwan unterwegs. „Die Armee und die neue Regierung sind ganz vorne, um zu helfen, die machen einen guten Job“, hat Neubauer durch Auskünfte ihrer Bekannten in Nepal und Berichte den Eindruck.

15 Waisenkinder, die ihre Eltern bei der Flut verloren haben, konnte der Verein laut Neubauer bereits einen Betreuungsplatz im New Nepal Society Center, „einer etablierten nepalesischen Organisation mit entsprechender Erfahrung und Infrastruktur“ vermitteln. Durch die Spenden können die Schüler in dem Kinderheim mit intergierter Schule in der Nähe der Hauptstadt Kathmandu ein Jahr finanziert werden.

Über die Vereinspartner vor Ort haben auch kleinere Hilfspakete mit dringend benötigten Hygieneartikeln betroffene Familien schon erreicht.

 
 
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