Einige Gäste des Festumzugs sollten, auch wenn es nicht regnen sollte, doch noch ein klein wenig nass werden – denn diese hatten keine Möglichkeit, dem Wasserstrahl der Freiwilligen Feuerwehr auszuweichen. Dies tat der hervorragenden Stimmung beim Pferdemarktumzug allerdings keinen Abbruch, und so zog der muntere Lindwurm mit seinen 59 Gruppen, Pferdekutschen und Motivwagen in anderthalb Stunden durch die Straße und Gassen der Innenstadt.
Bietigheim-Bissingen Bunt, fröhlich und sehr schwäbisch
59 Fußgruppen, Pferdekutschen und Motivwagen sind beim 89. Festumzug auf dem Pferdemarkt mit von der Partie und sorgen entlang der Straßen für beste Laune.
Gunter Dlabal, Vorsitzender des Trachtenvereins Bietigheim, führte gewohnt charmant und mit vielen Anmerkungen und so manchen Anekdoten durch das Programm des Umzugs, der nicht nur ein Spiegelbild der Gesellschaft damals und heute darstellte, sondern auch die Historie der Stadt an Enz und Metter durch die Jahrhunderte hinweg abbildete. Und dies auf unterhaltsam-augenzwinkernde Art und Weise, getragen von einem bestens gelaunten Publikum und durch Teilnehmer, denen man anmerkte, dass sie g Spaß daran haben, mitzulaufen oder mitzufahren.
Wengerter geben einen aus
Da durfte auch das von zu Hause mitgebrachte Getränk oder so manches von den Wengertern ausgeschenkte Schlückchen Wein nicht fehlen. Der erste Montag im September, das ist ein ungeschriebenes Gesetz, gehört diesem Festumzug, „dass er heuer auch noch auf den Ersten fällt, ist natürlich eine schöne Sache“, so Dlabal.
Dass dieser spezielle Tag auch immer ein Stück weit für einen Ausnahmezustand in der Stadt sorgt, nahm Daniel Moreira staunend zur Kenntnis: „Eigentlich wollte ich in Bietigheim nur umsteigen, aber weil mein Zug ausfiel und ich nicht so lange auf dem Bahnhof warten wollte, bin ich in Richtung Innenstadt gelaufen“. Der 24-jährige Student freute sich an der bunten und vielfältigen Szenerie: „Da ist ganz schön Temperament dabei, ich finde es toll, dass es solche Veranstaltungen gibt. Auch die Stadt finde ich sehr schön mit den vielen alten Fachwerkhäusern“, lobte er.
Gina und Lea aus Bietigheim sowie Larissa aus Löchgau sind, was den Umzug anbelangt, schon lange als Besucherinnen dabei, „das gehört einfach dazu, bevor es dann später ins Festzelt zum Feiern geht“, sagt Lea, die, wie die beiden anderen, im kommenden Jahr ihr Abitur bauen wird.
„Ich finde es immer wieder beeindruckend“, so Moderator Dlabal, „wie viele Kinder und Jugendliche am Umzug teilnehmen. Ich finde das Engagement unserer Vereine einfach toll, das zeugt von einer ganz hervorragenden Jugendarbeit.“ Ob nun einige teilweise mit viel Liebe zum Detail gefertigte Motivwagen wie jener des städtischen Bauhofs mit dem Enzviadukt, der „Enzpavillon“ von den „Aktiven Senioren“ oder die Wengerter und Weingenossenschaften aus Hessigheim, dem Bottwartal oder die Weingärtner Stromberg-Zabergäu oder aber Jupiter, die höchste Gottheit der Römer, verkörpert von Rolf Willy aus Hausen an der Zaber – alle boten ein stimmiges, gute Laune stiftendes Bild.
Da passten auch die vielen Vereine dazu, von denen beispielsweise der Großsachsenheimer Kleintierzuchtverein mit einem übergroßen, aus einem Heuballen gefertigten Hasen die Blicke auf sich zog. Fanfarenspielende und Flaggen schwenkende Landsknechte in ihren prächtigen Uniformen, Gruppen mit wunderschönen Trachten aus der hiesigen Gegend, aber auch aus dem Schwarzwald und aus Siebenbürgen – Dlabal: „Manche Gürtel, Schürzen und Hüte sind schon über 100 Jahre alt“ – hielten mit Stolz ihre Traditionen hoch. Sportlich ambitionierte Menschen in allen Altersklassen hatte der TSV als an Mitgliedern stärkster Verein dabei, ebenso die „Steelers“ samt Nachwuchs, was Gunter Dlabal zu der Bemerkung verleitete, dass „die meisten der Kleinen schon Schlittschuh laufen können, bevor sie überhaupt Mama und Papa sagen können.“ Gelebte Inklusion bewies die Karnevalsgesellschaft „Buchfinken“, bei denen die Bewohner aus der Wohnstätte der Lebenshilfe in ihren Reihen mitliefen, und der Verein „Königin Olga und der Hochadel 1860 von Württemberg“ ließ zwar die namensgebende Regentin vermissen, bot dafür allerhand edle Leute vom Hofe dar, „mit selbst geschneiderten Kostümen“, wie Dlabal verriet.
Bei den„ Wefzga“ wird es laut
Lauter wurde es dann immer wieder einmal zwischendrin, wenn der eine oder andere „Lanz“-Bulldog bollernd Gas gab, oder aber, als die Guggemusiker „D’ Wefzga“ bewiesen, dass laute Musik schön schräg und dabei doch bemerkenswert gut klingen kann. Die Floriansjünger sorgten, wie anfangs erwähnt, nicht nur für eine kleine Erfrischung, sondern zeigten gleich zwei wunderschöne Lkw-Oldtimer aus dem eigenen Fuhrpark – einen Mercedes Benz L 322 aus dem Jahr 1961 und einen Opel Blitz aus den ersten Nachkriegsjahren.
Thematisch eng verwandt, bot das „Heiligs Blechle Team“ einen herrlichen Cadillac-Straßenkreuzer auf sowie einen VW-„Samba“-Bus aus den frühen 1960er-Jahren und einen Benz-Bus vom Typ L 319 dar.
Nach gut anderthalb Stunden war Schluss mit dem bunten und fröhlichen Allerlei, doch der Pferdemarkt ging weiter – im Festzelt bei guter Stimmung und den beliebten „Göggele“.
