Noch laden die letzten warmen Tage zum gemütlichen Verweilen im Garten ein, aber der Winter steht bereits vor der Tür. Im Herbst sollte die eigene grüne Oase auf die kalte Jahreszeit vorbereitet werden und auch mit Blick auf den Klimawandel kann man einiges tun, damit es auch künftig im Sommer schöner grünt und blüht.
Bietigheim-Bissingen Den Garten fit für die Zukunft machen
Wie sollen naturnahe Gärten zu Zeiten des Klimawandels gepflegt werden? Die BZ hat bei Johannes Sigg und Ulrike Preuß-Ruf nachgefragt.
Laut Meteorologen war dieser Sommer einer der heißesten und nicht nur wir Menschen haben viel geschwitzt, vor allem die Tierwelt und die Natur haben unter der Trockenheit gelitten: „Der Garten ist tatsächlich im Wandel“, bestätigt Johannes Sigg, Schriftführer im Siedler- und Kleingärtner-Verein Buch.
Kräuter- statt Zierrasen
Und so empfiehlt er statt auf Zier- auf Kräuterrasen zu setzen: „Er muss nicht so oft gewässert und nicht jede Woche gemäht werden. Er trocknet auch nicht so schnell aus“. Diese Blühwiesen bieten gleichzeitig viel Nahrung für Insekten, wohingegen Rasenflächen zu den Monokulturen gehören, die viel Pflege und vor allem Wasser benötigen.
Wer aber nicht auf seinen Zierrasen verzichten möchte, kann trotzdem dafür sorgen, dass er besser Feuchtigkeit speichern kann, und zwar durch selteneres Mähen. Mit Wasser gut zu haushalten werde immer wichtiger, denn auf intensive Trockenphasen im Sommer müssen sich Gartenbesitzer einstellen und so gilt es, das eigene Stückchen Grünland widerstandsfähiger zu machen. Wichtig ist auch das richtige Gießen, denn oft werde zwar häufig, aber nur oberflächlich bewässert, wodurch die Pflanzen nur flach wurzeln und dadurch auf ständige Wassergaben angewiesen sind. Besitzt die Pflanze dagegen lange Wurzeln, so entwickelt sie eine gewisse Toleranz gegenüber trockenen Phasen. Daher sollte seltener, aber dafür ausgiebiger gegossen werden.
Verdunstung minimieren
Um die Verdunstung zu minimieren, empfiehlt es sich zusätzlich offene Erde, zum Beispiel unter Bäumen und Sträuchern, mit einer Schicht aus Rindenmulch zu bedecken. Auch ein Garten mit Pflanzen in unterschiedlicher Höhe schützt vor Austrocknung, denn während die Bodendecker die Feuchtigkeit halten, spenden die oberen Schichten Schatten.
Den Garten winterfest zu machen – so lautete lange Zeit die goldene Regel für den Herbst, aber das ist inzwischen gar nicht mehr zeitgemäß. So ist zum Beispiel das viel gepriesene Umgraben eher schädlich als sinnvoll: „Da gibt es ja ganz viele Lebewesen in der Erde, die quasi ein eingespieltes Team sind und wenn man das umgräbt, dann bringt man die ganzen Schichten durcheinander. Alles, was sich da Wertvolles gesammelt hat im Laufe der Jahre, das bringt man durcheinander“, erklärt Ulrike Preuß-Ruf, Gruppensprecherin der NABU-Ortsgruppe Markgröningen. Inzwischen wird daher nicht mehr rabiat umgegraben, sondern die einzelnen Schichten werden nur mit einer Grabegabel aufgelockert. So bleiben die vielfältigen Bodenstrukturen intakt und die in ihnen enthaltenen Kleinstlebewesen können weiterhin für den Abbau von Abfällen sowie die Umwandlung in guten Humus sorgen. Und je höher der Anteil an Humus ist, desto mehr Wasser kann vom Boden wiederum gespeichert werden.
Auch das, für den Wintermodus klassisch vorgesehene komplette Entfernen jeglicher abgestorbener Pflanzenteile schadet in dem Falle den Insekten, die in solch abgeblühten Stängeln nisten: „Das ist eine Überwinterungshilfe für Insekten in ihren verschiedenen Stadien, denn da legen die ihre Eier ab. Da sind die Larven drin und auch manchmal die ausgewachsenen Insekten“, weiß die Hobbygärtnerin und ergänzt, dass sauber aussehen kein Kriterium für einen naturnahen und dadurch widerstandsfähigen Garten sei. „Manchmal ist weniger mehr, also dass man wilde Ecken stehen lässt und wirklich mal die Natur, Natur sein lässt“. Dazu gehört auch eine Totholz- und Laubecke, über die sich Igel, Salamander und Kröten als Überwinterungsplatz freuen.
Die Zeit der Kaltkeimer
Jetzt im Herbst kommt die Zeit der Kaltkeimer. Sie brauchen die Kälte, damit die Wurzeln gedeihen, wie zum Beispiel die Felsenbirne und die Pfingstrose: „Für Frühblüher ist jetzt auch die Zeit, die Zwiebeln zu stecken“, erklärt Ulrike Preuß-Ruf und führt weiter aus, dass man bei Neubepflanzungen auf einheimische Arten achten sollte: „Und auch möglichst die Wildform von Arten wählen, denn die sind pflegeleichter“. Außerdem sind sie perfekt auf das lokale Klima zugeschnitten und ein heimisches Gehölz, das sowohl Frost als auch Hitze toleriert, ist zum Beispiel die Kornelkirsche: „Die ist klimaresistent, nützlich für Insekten und Vögel als Nahrungsquelle sowie als Unterschlupf und für uns Menschen sind auch noch die Wildfrüchte genießbar“, schwärmt Preuß-Ruf und nennt zusätzlich noch Weißdorn und Holunder als perfekte Gartenbepflanzung. Von Natur aus an trockenes, mediterranes Klima gut angepasst ist auch der Echte Lavendel und eignet sich daher ebenfalls gut für den gegen Hitze gewappneten Garten von morgen.
Seit 30 Jahren pflegt Ulrike Preuß-Ruf ihren naturnahen Garten, und ein Tabu ist ihr ganz wichtig: „Keine Pestizide und Herbizide verwenden. Das ist eigentlich selbstverständlich, aber ich sehe, dass manche Hobbygärtner noch zu brutalen Giften greifen. Das ist ein Naturgarten-Tabu“, und bei großer Artenvielfalt im Garten auch nicht nötig, denn die Natur weiß sich oft selbst zu helfen, wenn man sie nur lässt.
