Seit der Landesgartenschau 1989 zwitschert und gurrt es exotisch im Bürgergarten neben dem Restaurant Storchen. Viele Menschen machen bei den vier Gehegen Halt und schauen sich die bunten Vögel aus Afrika, Asien, Südamerika und Australien an. Die quirligen Tiere fliegen umher, schaukeln, sitzen auf Stangen beieinander, picken nach Körnern. Am Gitter sind zoologische Infoschilder angebracht, auf denen man etwas über Art, Herkunft und Lebensweise der Vögel erfährt. Seit Kurzem informiert ein Aushang die Besucher, dass die Artenschutzvereinigung für Vogelliebhaber Bietigheim-Bissingen die Pflege der Volieren nach 36 Jahren aufgibt.
Bietigheim-Bissingen Den Volieren droht das Aus
Altersbedingt geben die bisherigen Pfleger der exotischen Vögel im Bürgergarten nach fast 40 Jahren Ende November auf. Die Stadt sucht Nachfolger.
„Wir haben unsere Aufsicht der Volieren für Ende November bei der Stadt gekündigt“, sagt der Vorsitzende des Vogelliebhabervereins, Heinz Schrempf. Der Grund sei hauptsächlich altersbedingt. „Die meisten Engagierten sind weit über 70 Jahre alt“, so Schrempf, der den Verein einst gegründet hatte. Seit er 14 Jahre alt ist, hält der Bietigheimer exotische Vögel.
Betreuung weiter sicherstellen
Nun sucht die Stadt, Eigentümerin der Volieren, nach Nachfolgern für die Pflege der Gehege. „Die Volieren sind ein schönes Angebot und werden gerne von Spaziergängern, Familien mit Kindern, Touristen besucht“, sagt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen. „Wir versuchen deshalb die Betreuung der Volieren weiterhin sicherzustellen.“
Heinz Schrempf erhält viele Reaktionen von Menschen, die auf eine Fortsetzung der Volieren hoffen. „Mit so viel Zuspruch habe ich nicht gerechnet“, ist der 72-Jährige gerührt. Viele Kindergartengruppen würden die Vögel besuchen und Fans täglich vorbeischauen. Einige Leute seien empört, dass das Aus der Volieren droht.
„Ein Teil unseres Vereinslebens nähert sich nach so vielen Jahren dem Ende“ sagt Schrempf, „das tut uns allen weh.“ Er sei dankbar für die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, insbesondere dem Bauhof und den vielen treuen Besuchern.
Seit Beginn der Volieren betreuen rund 35 Vereinsaktive ehrenamtlich und viel Leidenschaft die gefiederten Lebewesen. Ein Mitglied, Claus-Dieter Eisenbeiß, hat die Aufgabe jahrelang auf Basis eines Minijobs übernommen, nahezu jeden Tag, auch feiertags. Aus gesundheitlichen Gründen gab der 77-Jährige die Arbeit nun auf.
Schwierige Suche nach Pflegern
Momentan wechseln sich drei Mitglieder mit der Volierenpflege ab: Heinz Schrempf, der neue zweite Vorsitzende Marius Strauch und Wolfgang Kuntzsch.
„Wir bekommen ab und zu neue Mitglieder, auch viele von auswärts. Aber es wird immer schwerer, geeignete Leute für die Volieren zu gewinnen,“ erklärt Schrempf das Problem. Es brauche für die tägliche Arbeit fachkundige Personen aus dem sehr nahen Umkreis, also aus Bietigheim-Bissingen. Denn immerhin rund eineinhalb Stunden dauere vormittags das Füttern der Tiere und das Reinigen der Gehege. Für die Arbeit sei auch ein wirkliches Interesse für die Vögel wichtig. Gerade ist das Team dabei, jeden Schritt für die erhofften Nachfolger aufzuschreiben, „eine Art Leitplan für die Volierenpflege“.
Anette Hochmuth von der Stadtverwaltung ist guter Hoffnung, dass sich Nachfolger finden. Aber dafür brauche es mehrere Personen. Und es sei viel Arbeit, sieben Tage die Woche. Die Suche sei nicht leicht. „Wir sind in Gesprächen, aber es ist noch nichts spruchreif.“ Die Stadt zahlt jährlich über 9000 Euro an den Verein der Vogelliebhaber für die Pflege der Volieren. Doch die würden größtenteils für die Bezahlung des Mini-Jobbers verwendet. Rund 2000 Euro jährlich investiert der Verein zusätzlich in die Instandhaltung der Käfige und Futter. Die finanziellen Mehrkosten seien auch ein Grund, warum der Verein der Vogelliebhaber die Arbeit an den Volieren beendet. „Die Unterhaltskosten für den Betrieb der Anlage steigern sich von Jahr zu Jahr, das können wir Ehrenamtlichen aus der Vereinskasse kaum noch stemmen,“ so Schrempf.
Neues Zuhause für die Uhus
Gerne lerne er und sein Team die zukünftigen neuen Pfleger in die Arbeit ein, sagt Schrempf. Der 72-Jährige kann sich vorstellen, dass die Aufgabe die Stadtgärtner gut übernehmen könnten, die täglich im Bürgergarten arbeiten.
Hin und wieder wechselt der Vogelsatz in den Gehegen im Bürgergarten. Doch die zwei turkmenischen Uhu-Weibchen waren als einzige Tiere seit Beginn der Volieren, 36 Jahre lang, konstante Bewohnerinnen der Bietigheimer Volieren.
Seit Mitte August sind die beiden schon über 40-jährigen Eulendamen nicht mehr da. Viele Besucher fragen nach dem Verbleib der großen Greifvögel, erzählt Schrempf. Die Zukunft der Bietigheimer Volieren sei ungewiss, und so habe er sich auf die Suche „in alle Richtungen gemacht“ nach einem fachgerechten neuen Zuhause für die zwei Vögel. ,„Es ist sehr schwierig, Uhus bedürfnisgerecht unterzubringen – sie brauchen Ruhe und ein großes Gehege,“ so Schrempf. Da habe er die einmalige Chance ergriffen und die Eulen an einen vertrauenswürdigen Tierpark bei Karlsruhe übergeben. Anstelle der Eulen wohnen sich in dem ruhigen Gehege hinten rechts nun die „zweiten großen Stars unserer Volieren“ ein: das Pärchen der australischen Eisvogelart Lachender Hans, das seit April im Bürgergarten lebt.
