Bietigheim-Bissingen Der Eingang zur Altstadt im Wandel

Von Yannik Schuster
Während den Bauarbeiten im Jahr 1976 lag das Untere Tor weitgehend frei. Die neu entstanden Gebäude haben bis heute Bestand. Foto: BZ-Archiv/ad

Vor 50 Jahren wurde mit dem Sanierungsgebiet „Unteres Tor“ ein wichtiger Meilenstein im Zuge der Altstadtsanierung erreicht.

Innerhalb von nur eine Stunde wurden am 6. Dezember 1975 die Gebäude Metterstraße 4, 6, 8 und 8a abgebrochen. Es war der Startschuss für das Sanierungsgebiet Unteres Tor – eine der großen Maßnahmen im Rahmen der damaligen Altstadtsanierung. Bereits seit rund 23 Jahren hatte die Stadt zu diesem Zeitpunkt versucht eine Sanierung zu realisieren, doch gegen Ende 1975 musste plötzlich alles ganz schnell gehen. Als „dringendes kommunalpolitisches Anliegen“ beschrieb Oberbürgermeister Manfred List, der damals erst seit einigen Monaten im Amt war, das Vorhaben. Der Grund dafür? Die Förderkulisse. Denn Bund und Land hatten zugesagt, sich mit je einem Drittel an den Gesamtkosten von rund 5,3 Millionen Mark zu beteiligen.

Auf dem Areal zwischen Haupt-, Holzgarten-, und Metterstraße sollten demnach Einzelhandelsgeschäfte, Dienstleistungen sowie auch Wohnungen angesiedelt werden. Und auch die Stadtbücherei fand in dem geplanten Kommunikationszentrum ein neues Zuhause. Unter dem Areal sollten zudem in einer Tiefgarage ausreichend Stellplätze geschaffen werden.

Bürgerinitiative beteiligt

Doch der Weg bis zum Baubeschluss war steinig. Früh schaltete sich die Bürgerinitiative für eine humane Stadt mit ihrem Sprecher Günter Bentele in die Planung ein. Dieser kritisierte etwa, das Bauwerk Unteres Tor werde zu sehr freigelegt, zudem stellten die umliegend geplanten Flachdachbauten eine Verfremdung der Altstadt dar. Einige Monate später, nach erneuten Gesprächen mit dem zuständigen Architekten, zeigte man sich schon deutlich versöhnlicher, so waren die Flachdächer in den neuesten Entwürfen verschwunden, die Anbindung des Komplexes an das Untere Tor damit organischer. Und auch die bauliche Lücke im Komplex von der Fräuleinstraße aus betrachtet wurde im weiteren Verlauf der Planung nach Wunsch der BI geschlossen. Die Entscheidung dazu viel im Gemeinderat zwar einstimmig, jedoch nicht ohne Skepsis.

Für Überraschungen sorgten schließlich auch die Bauarbeiten selbst. Dabei wurde nämlich ein rund 300 Jahre alter Turm, der einst Teil der Stadtmauer war, freigelegt. Bekannt war dieser dem Denkmalamt zwar bereits, doch prompt wurden Stimmen laut, die den „dringenden Erhalt“ des Gemäuers forderten. Der Haken: 15 Stellplätze in der geplanten Tiefgarage hätten dem Turm geopfert werden müssen, zudem wären Mehrkosten von rund 50.000 Mark entstanden – ohne Hoffnung auf eine Kostenbeteiligung des Denkmal- oder Landratsamtes. Schnell kristallisierte sich heraus, dass der Turm nicht zu erhalten sei. Zu schlecht sei die bauliche Substanz des Mauerwerks.

Rascher Baufortschritt

Bereits nach sieben Monaten Bauzeit konnte Richtfest gefeiert werden. „Dieses Sanierungsvorhaben hat einen langen und dornenreichen Weg hinter sich“, sagte OB List. Der Architekt habe es geschafft, den Neubau harmonisch in die Altstadt zu integrieren und gleichzeitig „die Kleinmaßstäblichkeit“ der Innenstadt erhalten, lobte der OB. Für den Architekten stellte das Projekt gar eine der bedeutendsten Stadtsanierungen im Großraum Stuttgart dar. Und Finanzminister Robert Gleichauf sollte die Sanierung bei einem späteren Besuch als „eine beispielhafte Lösung“ bezeichnen.

 
 
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