Bereits 2022 hat der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat ein Hochwasserschutzkonzept beschlossen, bei dem die Städte Bietigheim-Bissingen und Tamm eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, durch verschiedene bauliche Maßnahmen den Saubach und das Seitengewässer Gänslesbach so in Zaum zu halten, dass die Bissinger vor Überschwemmungen geschützt werden. Inzwischen hat sich das Ganze konkretisiert, und der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung der Vergabe der Planungen für drei Baumaßnahmen einstimmig seine Zustimmung erteilt.
Bietigheim-Bissingen Der Saubach soll im Zaum gehalten werden
Der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat hat der Planung von Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz zugestimmt. Diese betreffen auch die Gemarkung Tamm.
Stauvolumen wird vergrößert
Zum einen soll durch Hochwasserrückhaltebecken dafür gesorgt werden, dass bei starken Unwettern weniger Wasser in den Saubach gelangt. Geplant ist dazu zum einen die Vergrößerung und Sanierung des Hochwasserrückhaltebeckens (HRB) „Schreiberin“ auf der Tammer Gemarkung. Es soll zu einem gesteuerten Hochwasserrückhaltebecken umgebaut werden, das durch eine Dammerhöhung ein Stauvolumen von 62.500 Kubikmetern für den Fall eines 100-jährigen Hochwassers erhalten soll (bisher: 25 500 Kubikmeter).
Die maximale Abgabe von Wasser aus dem Becken soll auf 3,4 Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt werden, um so die Ortslage von Bissingen sowie die nachfolgenden Bahndurchlässe und Straßen maßgeblich zu entlasten. Das HRB „Schreiberin“ war ursprünglich zur Kompensation der Versiegelung durch das Neubaugebiet Hohenstange in Tamm errichtet worden und soll durch die Vergrößerung und Reduzierung der Wasserabgabe künftig eine neue Funktion für den Hochwasserschutz der Stadt Bietigheim-Bissingen erhalten.
Für 100-jähriges Hochwasser
Zum anderen soll ein weiteres Hochwasserrückhaltebecken neu gebaut werden: Das HRB „Neuwengert“ soll dem Schutz der bestehenden Bebauung vor dem Gänslesbach dienen und im Anschluss an das dortige Feuchtbiotop oberhalb der Landesstraße L 1110 errichtet werden. Es soll ein Stauvolumen von 3700 Kubikmetern aufweisen und ebenfalls maximal 3,4 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abgeben. Damit ist es ebenfalls auf ein 100-jähriges Hochwasser ausgelegt.
Maßnahme Nummer drei betrifft den teilweise verdolten Saubach selbst: Zur Steigerung der Betriebssicherheit und der hydraulischen Leistungsfähigkeit soll der bestehende Verdolungseinlauf baulich optimiert. werden. Dazu sind die Errichtung einer umlaufenden Umfassungsmauer sowie die Vorschaltung eines Grobrechens, um beispielsweise Treibgut abzuhalten, geplant.
Die Planungen übernimmt gemäß dem Gemeinderatsbeschluss das Büro Lindschulte Ingenieurgesellschaft aus Baden-Baden für Planungskosten von 110.650 Euro. Im Falle der Umsetzung des Konzepts sollen diese Kosten über eine Förderpauschale aber größtenteils gedeckt werden.
Kosten von über fünf Millionen
Richtig teuer werden dann die Baukosten. Die Stadt geht von geschätzten Gesamtkosten von circa 5,12 Millionen Euro inklusive Grunderwerb aus. Am kostspieligsten werden dabei die Baumaßnahmen am HRB „Schreiberin“ mit 2,55 Millionen Euro Baukosten und 98.900 Euro Honorarkosten. Angestrebt wird, dass Bietigheim-Bissingen und Tamm die Kosten je zur Hälfte übernehmen. Das HRB „Neuwengert“ (1,26 Millionen Euro Baukosten, über 52.100 Euro Honorarkosten) sowie die Maßnahmen am Verdolungseinlauf des Saubachs (90.000 Euro Baukosten, 9000 Euro Honorarkosten) würde Bietigheim-Bissingen allein tragen.
92 Prozent weniger Schäden
Weil durch die Maßnahmen laut der Ratsvorlage der Stadtverwaltung die mittleren jährlichen Hochwasserschäden in Bissingen um 92 Prozent von fast 600.000 Euro auf 47.000 Euro verringert werden sollen, gilt das Kosten-Nutzen-Verhältnis aber als hervorragend, sodass Fördergelder winken. Für die förderfähigen Kosten wird mit einem Fördersatz von 60 bis 70 Prozent gerechnet, wobei das HRB „Neuwengert“ und der Verdolungseinlauf am Saubach komplett förderfähig sind, das HRB „Schreiberin“ zu 80 Prozent.
Wenn auch die Stadt Tamm zustimmt, soll als Nächstes eine Förderung für das Gesamtkonzept beantragt werden. Dazu muss der Förderantrag bis zum 1. Oktober dieses Jahres eingereicht werden, um im kommenden Jahr Fördermittel zu erhalten. Geplant ist, im Jahr 2027 mit den Maßnahmen am Saubach zu beginnen.
