Mehr schlechte als gute Nachrichten hatte Dr. Simon Boden, Fachbereichsleiter Wald im Landratsamt Ludwigsburg, in den Ausschuss für Verwaltung und Finanzen in Bietigheim-Bissingen mitgebracht, der am Dienstagabend über den Forstbetriebsplan für 2026 zu entscheiden hatte. Der Zustand der Bäume verschlechtert sich weiter, finanziell wird ein leichtes Minus erwartet, und dann droht mittelfristig auch noch eine unnötige Bürokratie-Vorgabe der EU. Immerhin: Bei der Holzvermarktung sieht es gut aus.
Bietigheim-Bissingen Der Wald wirft keinen Gewinn ab
Im Forstbetriebsplan für das kommende Jahr sind die Aufwendungen höher als die Erlöse. Ein Problem ist angesichts kranker Bäume die Sicherung der Verkehrswege.
Doch der Reihe nach. Mit der Wasserversorgung der Waldbäume im Stadtwald Bietigheim-Bissingen ist Boden nach wie vor nicht zufrieden. „2025 war wieder ein Dürrejahr“, stellte er mit Blick auf den Wald fest, wo der Feuchtigkeitsgehalt in zwei Metern Bodentiefe entscheidend ist. Vor allem sei das Frühjahr 2025 „eines der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen“ gewesen. Im Mai und Juni war es mit vielen Hitzewellen außergewöhnlich warm, der Juli habe die Situation mit häufigen Schauern dann etwas ausgeglichen. „Dennoch waren und sind im Vergleich zum Vorjahr Dürrezustände im Oberboden vorhanden“, so der Forstexperte. Der Trend in der klimatischen Wasserbilanz sei in der langfristigen Betrachtung negativ.
Hoffen, dass noch Eschen übrig bleiben
Boden verdeutlichte seine Aussagen und die Folgen des Wassermangels durch Fotos geschädigter Bäume. Selbst Eichen, die aufgrund einer tiefen Wurzel noch am besten mit der Situation zurechtkämen, seien nicht vor Schäden gefeit. Fichten, so der Fachbereichsleiter, gehörten ohnehin nicht hierher, sondern auf den Feldberg. Traurig sei das Eschensterben aufgrund einer Pilzkrankheit, er hoffe, dass wenigstens einzelne Eschen überlebten. Aber auch der Ahorn leide, nämlich unter der Rußrindenkrankheit.
Eine Folge sei ein steigender Anteil von zufälligem Nutzholz, das aufgrund von Schäden eingeschlagen werden müsse. Habe dieser Anteil früher bei unter fünf Prozent gelegen, sei man inzwischen bei 70 und mehr Prozent. Damit einher gingen auch zunehmende Probleme mit der Verkehrssicherung, wenn kranke Bäume entfernt werden müssen, bevor sie auf Straßen und Wege fallen. Es würden zwar regelmäßig Kontrollen gemacht, mitunter gehe es aber bei den Baumschäden rasant, so Boden. Und: Nichts sei gefährlicher als die Beseitigung kranker Bäume.
Einschlag von 1360 Festmetern Holz im kommenden Jahr
Der Forstbetriebsplan, der vom Ausschuss einstimmig beschlossen wurde, sieht im kommenden Jahr für den Stadtwald in Bietigheim-Bissingen einen Einschlag von 1360 Festmetern Holz vor. Boden rechnet dafür mit Einnahmen in Höhe von knapp 90.000 Euro. Für die neue Saison zeichneten sich stabile und gute Vermarktungsmöglichkeiten ab, insbesondere gute Holzqualitäten seien weiterhin gut absetzbar. Hinzu kommen Fördermittel aus dem Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ des Bundes von mehr als 30.000 Euro. Doch stehen den Einnahmen Kosten für den Einschlag, für die Pflege und Pflanzung junger Bestände sowie die Forstverwaltung entgegen, die sich auf 146.000 Euro aufsummieren. Mit dem Ergebnis, dass sich unter dem Strich ein Minus von 16.000 Euro ergibt, sagte Boden.
Im Ausschuss gab es darüber allerdings keine Diskussionen. „Wenn wir eine Waldgemeinde wären, wären wir bei einem Minus in Sorge“, kommentierte SPD-Sprecher Thomas Reusch-Frey. Das sei aber nicht der Fall, der Wald diene in der Stadt vor allem als Erholungsraum. Auf Nachfrage von Reusch-Frey erklärte Simon Boden dazu, dass der in der Coronazeit entstandene „Freizeitdruck“ durch Besucher im Wald gefühlt immer noch anhalte.
Dr. Boden: Jäger müssen Hausaufgaben machen
Kopfzerbrechen bereitet Boden nach wie vor der Verbiss durch Rehe. Diese würden vor allem die klimastabilsten Bäume anknabbern, weshalb man die Reh-Bestände eindämmen müsse. „Die Jäger müssen auch ihre Hausaufgaben machen“, forderte er. Die Zukunft des Waldes sieht der Forstmann weniger in der Aufforstung, wie sie die Stadt im Gebiet Betzenloch betreibt, sondern mehr in der Verjüngung der Bestände. Die Pflanzen im Betzenloch entwickelten sich, sagte er in Antwort auf eine Frage von Claus Stöckle (CDU), aber es brauche Zeit, weil der Boden dort verdichtet sei.
Nicht traurig ist Boden darüber, dass die europäische Waldschutz-Verordnung EUDR auf Ende 2026 verschoben werden soll. Diese schreibe eine Dokumentation vor, um zu verhindern, dass Holz aus Kahlschlag stammt, erläuterte er auf Nachfrage von Traute Theurer (GAL). Das sei aber hierzulande gar kein Thema, anders wie vielleicht in Rumänien. Doch die EU behandle hier alle Länder gleich, womit bei einer Umsetzung viel bürokratischer Aufwand auf die Forstverwaltung zukommen könnte.
