Bietigheim-Bissingen Derzeit läuft die Holzernte im Forst

Von Heidi Vogelhuber
Revierförster Kim Kühn von Forst BW informiert zu den derzeitigen Baumfällarbeiten im Bietigheimer Forst.  Foto: Martin Kalb

Bei einer Waldbegehung erklärt Revierförster Kim Kühn, was derzeit im Wald zwischen Bietigheim-Bissingen und Ingersheim passiert.

Wer derzeit im Forst zwischen Bietigheim-Bissingen und Ingersheim spazieren gehen oder mit dem Hund die übliche Gassi-Runde drehen möchte, muss möglicherweise von der Standartroute abweichen. Denn seit einigen Tagen und sicherlich noch gut zwei Wochen sind Waldarbeiter dort mit Baumfällungen beschäftigt.

20 Hektar sind abgesperrt

20 Hektar des rund 250 Hektar großen Waldes sind aktuell abgesperrt. Es betrifft das Gebiet zwischen dem zweiten Waldparkplatz von Bietigheim aus gesehen und dem Waldparkplatz III sowie bis zur Krautschüssel. Wichtig ist dem zuständigen Revierförster Kim Kühn von Forst BW zu betonen: „Auch wenn der Baum bereits gefällt ist, darf das abgesperrte Gebiet nicht betreten werden. Es ist wirklich gefährlich.“ Wird ein Baum von den Forstwirten gefällt, fällt er zwar so wie geplant. Im Fall jedoch kann er Äste umstehender Bäume mitreißen, die sich in den Baumkronen verfangen und vielleicht erst später herabfallen. Daher darf die Absperrung keinesfalls ignoriert werden. Er sperre schon sehr deutlich ab, sagt Kühn. Nicht nur die Hauptwege, auch Schleichpfade hat er mit Absperrband markiert. Insgesamt werden circa 800 Festmeter Holz entnommen. Im Einsatz sind drei Forstwirte. Die Anzahl ist das Minimum, damit bei einem Unfall die Rettungskette eingehalten werden kann. Dann könnte ein Kollege beim Verletzten bleiben und der dritte könnte Hilfe rufen und diese an die Unfallstelle führen.

Bäume, die entnommen werden sollen, hat Revierförster Kühn bereits vor rund einem halben Jahr markiert. Es handle sich bei den Arbeiten um die normale Holzernte, bei der vor allem kranke Bäume und Exemplare, die schief gewachsen sind, entnommen werden. Zusätzlich werde die Verkehrssicherung entlang der Rad- und Waldwege sowie der L 1125 (Bietigheimer Straße) durchgeführt.

„Man sieht beispielsweise an den Buchen den Klimawandel“, erklärt Kühn bei der Waldbegehung mit der BZ. Die Bäume trocknen von oben her ab, da sich bei Trockenheit das Wasser ins Innere des Baums zurückzieht. Solche trockenen Bäume stellen ein Sicherheitsrisiko für Waldbesucher dar. „Den Tannen hat der Niederschlag immer noch gerade so ausgereicht. In den letzten Jahren war es aber zu wenig Regen“, so Kühn und weiter: „Am Waldparkplatz III ist der komplette Fichtenbestand komplett von Borkenkäfern zerfressen.“ Die Käfer nämlich riechen den Trockenstress der Bäume und gehen dann gezielt auf diese Exemplare. An vielen Bäumen am Waldrand oder an lichteren Stellen im Wald ist auch Sonnenbrand zu sehen, der auf die sehr heißen Tage der letzten Jahre zurückzuführen ist. Aus dem stark angegriffenen Holz ist nur noch Industrieholz zu machen. Erst kürzlich erkrankte Bäume sind aber noch als hochwertiges Sägeholz nutzbar – vorausgesetzt man erntet sie rechtzeitig.

Motorsägen und Vollernter

Derzeit sind die Forstwirte am Werk, die mit Motorsägen die Bäume sägen. Vermutlich in einer Woche rücke dann ein sogenannter Vollernter (Harvester) an. Das sperrige Gerät sägt die Bäume maschinell und schnell ab, jedoch schaffe es nicht alle Stärken. Außerdem komme es nicht so tief in den Wald hinein, daher sei die Handarbeit der Waldarbeiter weiterhin unverzichtbar. Der Harvester, der im Bietigheimer Forst zum Einsatz kommt, stammt von einem Forstunternehmen aus Backnang.

Der Vorwurf einiger, die Förster räumen den Wald nicht richtig auf nach der Holzernte, sei unberechtigt, erklärt Kühn. „Alle Äste, die schmäler als acht Zentimenter sind, sollen sogar im Wald bleiben, wegen den Nährstoffen.“ Sie nutzen jedoch auch den Vögeln und Insekten. Man habe früher die Wälder quasi ausgefegt, das sei jedoch nicht sinnvoll.  Heidi Vogelhuber

 
 
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