Insgesamt 24.000 Kilometer markierte Wanderwege, 22 Fernwege, 14.000 Wegweiser, 200.000 Markierungzeichen – so groß ist das vom Schwarzwaldverein betreute Wegenetz. Um es zu erhalten, ist der Verein auf den Einsatz der Ehrenamtlichen vor Ort angewiesen – wie etwa von Wolfgang Meier, der als Wegewart beim Schwarzwaldverein Bietigheim-Bissingen aktiv ist. Im Gespräch mit der BZ verrät er, was die Aufgaben eines Wegewarts sind und was das Vereinsleben ausmacht.
Bietigheim-Bissingen Die blaue Raute weist den Weg
Wolfgang Meier ist Wegewart beim örtlichen Schwarzwaldverein. Er kümmert sich um den Bietigheimer Weg, der bis zum Landgraben bei Mühlacker-Dürrmenz führt.
Drei Arten von Wegen
Es gebe drei Arten von Wegen im Netz des Schwarzwaldvereins, erläutert Meier. Örtliche Wege sind durch eine gelbe Raute gekennzeichnet, regionale Wege als Zugang zu den Hauptwanderwegen durch blaue Rauten und die Haupt- oder Fernwanderwege durch Rauten mit unterschiedlichen Farben, wobei Rot dominiert. So hat der Westweg als Klassiker unter den Fernwegen eine rote Raute, der Ostweg eine schwarz-rote und der Mittelweg eine rote mit senkrechtem weißen Balken. Was die Betreuung der Wege anbelangt, so gelte die Devise: „Jeder Verein hat seinen Bereich“, sagt Meier, der zusammen mit Wolfgang Wachter und Rudolf Kaufmann zum dreiköpfigen Vorstand des rund 200 Mitglieder zählenden Bietigheim-Bissinger Ortsvereins gehört.
Markierungen freischneiden
Für den hiesigen Schwarzwaldverein heißt das, dass er sich um den Bietigheimer Weg kümmern muss. Dieser ist ein Zugangsweg zum Gäurandweg und deshalb mit der blauen Raute markiert. Er führt vom Bietigheimer Bahnhof über eine Strecke von 35 Kilometern bis zum Landgraben beim Mühlacker Stadtteil Dürrmenz. Als Wegewart sei es seine Aufgabe, Wege zu markieren, zu schauen, dass Wegzeichen noch vorhanden seien und welche, die zugewachsen sind, freizuschneiden, so Meier zu seinen Aufgaben. Falls etwa ein Baum auf einen Weg falle, müsse dem Förster Bescheid gesagt werden. „Das ist aber noch nicht vorgekommen.“
Was vorkomme, sei, dass in Ortschaften – der Bietigheimer Weg führt zum Beispiel durch Vaihingen und Roßwag – andere Schilder vor den Wegmarkierungen postiert würden. Dann müssten Letztere versetzt werden. Früher, als die Schilder noch aus Emaille waren, seien auch immer wieder welche abgemacht worden, weiß Meier, heute würden hingegen Klebeschilder verwendet. Der 80-jährige Illinger wandert zur Wahrnehmung seiner Aufgaben zwei Mal im Jahr die Strecke vom Vaihinger Bahnhof bis zum Ende des Bietigheimer Weges ab – ein Mal im Frühjahr und ein Mal im Herbst.
Der Verein würde sich am Ende des Bietigheimer Wegs einen anderen Wegeverlauf wünschen, weil es dort schwierig sei, ohne Wanderkarte hinab nach Mühlacker zu finden, sagt Meier. Doch derzeit sei eine Wegeverlegung schwierig, auch weil dazu die Wanderkarten geändert werden müssten.
Zur Tour mit Bus und Bahn
Die Touren, welche die Vereinsmitglieder unternehmen, führen sie in den Schwarzwald, aber auch auf die Schwäbische Alb. Geeignet sei alles, „was man mit dem öffentlichen Personennahverkehr in einer, maximal zwei Stunden erreichen kann“, sagt der Wegewart. Mit Fahrgemeinschaften habe er hingegen schlechte Erfahrungen gemacht, oft seien am vereinbarten Treffpunkt nicht alle dagewesen. Die Länge der Touren liege meist zwischen acht und 14 Kilometern – schließlich ist das Durchschnittsalter im Verein hoch, bei 65 bis 70 Jahren.
Viele fänden auch erst im Rentenalter zum Wandern im Verein, weiß Wolfgang Meier. So, wie er selbst auch, der einige Jahre nachdem der 2006 die Ausbildung zum Wanderführer absolviert hatte, zum Verein stieß. Das Wandern im Verein bietet aus seiner Sicht mehrere Vorteile. Zum einen sei jemand da, der die Touren plane und vorausgehe. „Alle, die mitgehen, müssen sich um nichts kümmern.“ Hinzu komme der gesellige Aspekt, dass man zusammen unterwegs sei und sich austauschen könne. Ein Höhepunkt sei immer die Schlusseinkehr. Nicht zuletzt fasziniere am am Wandern die Naturerfahrung, die gerade jetzt im Frühling, wenn alles blühe, besonders intensiv sei, so der erfahrene Wanderführer.
