Flammen, Explosionen und eine riesige Rauchwolke: Ende Juni sorgte der Brand eines Berliner Hochhauses für Aufsehen, bei dem zum Glück keine Verletzten zu beklagen waren. Hochhäuser gibt es auch in Bietigheim-Bissingen, etwa im Wohngebiet Buch und am Bahnhof mit dem Sky Tower. Die BZ fragte Frank Wallesch, den Kommandanten der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr, welche besonderen Herausforderungen ein Hochhausbrand an die Feuerwehr stellt und wie sie darauf vorbereitet ist.
Bietigheim-Bissingen Die größte Schwierigkeit im Brandfall ist die Einsatzstärke
Nach dem Feuer in Berlin: Feuerwehrkommandant Frank Wallesch äußert sich in der BZ zu den Herausforderungen bei Hochhausbränden.
Entscheidend ist laut dem Feuerwehrchef zunächst einmal die Logistik, das heißt, dass man die Einsatzmittel wie Schläuche oder Atemschutz an den Brandherd heranbringt. Dabei gehe die Feuerwehr so vor, dass sie ein Stockwerk oder auch zwei unterhalb des Zimmers, in dem es brenne, ein „Basiscamp“ einrichte – wie beim Bergsteigen. Von dort aus könne dann ein Angriffstrupp vollends hinaus zum Brandort gelangen, um die Flammen zu bekämpfen. Die Feuerwehr in Berlin stand dabei vor der Situation, dass das Feuer auf dem Dach ausbrach, dass sie also ganz nach oben zur Brandbekämpfung musste.
Wasser aus Steigleitung
Das Wasser, das die Feuerwehrleute dazu brauchen, erhalten sie aus der Steigleitung, die es in jedem Hochhaus gibt. Dabei handelt es sich um eine festverlegte Wasserleitung, in die die Feuerwehr unten Wasser einspeist, das dann hoch gepumpt wird, sodass es oben entnommen werden kann. Ansonsten wäre es ein Riesenproblem, eine Schlauchleitung über viele Stockwerke hinauf zu verlegen, schildert Wallesch.
Die Wohnungen in Hochhäusern seien als sogenannte F90-Einheiten ausgelegt, so der Feuerwehrkommandant. Das bedeutet, dass sichergestellt sein muss, dass sie 90 Minuten lang dem Feuer standhalten, bevor dieses auf andere Wohnungen überspringt. Das werde zum Beispiel durch entsprechende Türen gewährleistet. So lange hat die Feuerwehr dann Zeit, den Brand in den Griff zu bekommen.
Von außen, mit der Drehleiter, könne man bei einem Hochhausbrand nur bedingt Hilfe leisten, sagt Wallesch. So ist das Sky-Hochhaus am Bietigheimer Bahnhof 70 Meter hoch, die maximale Arbeitshöhe der Drehleiter liegt bei 23 Meter. Am Sky sei zudem auch gar keine Aufstellfläche für die Drehleiter vorhanden, so der Feuerwehrchef, „denn ganz nach oben kommen wir eh nicht.“
Aufzug für die Feuerwehr
Dafür habe dieses Hochhaus ein Treppenhaus mit Überdruckbelüftung. Im Ernstfall wird diese aktiviert, mit dem Effekt, dass kein Rauch ins Treppenhaus gelangt, wodurch dieses für die Bewohner zur Flucht zur Verfügung steht.
Andere Hochhäuser verfügen zu diesem Zweck über ein außenliegendes Treppenhaus. Eine weitere Besonderheit im Sky Tower ist laut Wallesch zudem ein Aufzug, der sonst ganz normal genutzt werden kann, aber im Brandfall nach unten fährt und dann nur der Feuerwehr zur Verfügung steht. Er ist bis zu drei Stunden hitzebeständig.
Schulungen und Übungen
Man sehe daran, dass im Laufe der Zeit weitere Möglichkeiten für den Brandschutz in Hochhäusern entwickelt worden seien, so Wallesch. Auch ein Feuer wie am Grenfell Tower in London, ein 24-geschossiges Wohnhochhaus, das 2017 ausbrannte, indem sich der Brand über die wärmegedämmte vorgehängte Fassade ausbreitete und 72 Todesopfer zur Folge hatte, sei in Deutschland fast ausgeschlossen. „Man macht sich da schon viele Gedanken“, meint der Experte.
Für den Ernstfall bereite sich die Feuerwehr mit Schulungen, Übungen und schriftlichen Aufzeichnungen vor, sagt Wallesch. Die größte Schwierigkeit besteht aus seiner Sicht darin, genügend Einsatzkräfte vor Ort zu haben. Dies gelte vor allem für die älteren Gebäude ohne Feuerwehraufzug.
Insgesamt gebe es in Bietigheim-Bissingen zehn bis 15 Hochhäuser, erklärt der Kommandant. Das höchste sei dasjenige in der Sucystraße mit 21 Stockwerken. An einen Brand in einem der Gebäude kann sich Wallesch in seiner 35-jährigen Zeit bei der Feuerwehr nicht erinnern – und hofft natürlich, dass es so bleibt.
