Bietigheim-Bissingen Die „Grüne Mitte“ will gepflegt werden

Von Yannik Schuster
Blick von oben auf den Bürgergarten an der Enz. Die Pflege wird für die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei in Zeiten zunehmender Trockenheit immer schwieriger. Foto: /Martin Kalb

Mit Beginn der sommerlichen Temperaturen, beginnt für die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei das regelmäßige Gießen. Die Pflege der Flora wird dabei nicht einfacher.

Wer vergangene Woche durch den Bürgergarten im Herzen Bietigheim-Bissingens spaziert ist, wird festgestellt haben, dass die Sprinkler der Stadtgärtnerei angelaufen sind. Sobald die Kübelpflanzen aufgestellt sind, muss gegossen werden, erklärt Roswitha Ott, die die Abteilung Unterhaltung, Pflege und Bau im Grünflächen- und Tiefbauamt der Stadt leitet. Das sei auch dann nötig, wenn es nicht so heiß ist.

Normalerweise genüge dabei ein Tag, um den kompletten Bürgergarten zu gießen, doch weil auf der angrenzenden Baustelle an der B 27 und der Auwiesenbrücke ebenfalls Wasser von der gleichen Leitung benötigt werde, wodurch der zur Verfügung stehende Wasserdruck sinke, brauche man stattdessen zwei Tage, erklärt Ott. Eine Beregnungsanlage existiere immerhin für den Gräsergarten unterhalb der Auwiesenbrücke. Diese wurde nachträglich unter der Brücke angebracht, um auch die Bereiche, die vom Regen unberührt bleiben, mit Wasser zu versorgen. Während diese Anlage am frühen Morgen aktiv ist, wird im restlichen Bürgergarten regelmäßig ganztägig gesprengt. Verantwortlich dafür ist ein Team aus vier Mitarbeitern der Stadtgärtnerei, das neben dem Bürgergarten etwa auch den Japangarten betreut. Wie viel Wasser dafür verbraucht wird, könne man nicht so einfach sagen, weil die Brunnen aus der selben Leitung gespeist würden.

Einfacher wird die Arbeit für die Stadtgärtnerei dabei nicht: „Es wird von Jahr zu Jahr schwerer, weil die niederschlagsarmen Jahre zunehmen“, weiß Roswitha Ott. An eine vergleichbare Woche im Mai, wie zuletzt, könne sie sich beispielsweise nicht erinnern.

Neupflanzungen müssen mit der Trockenheit klarkommen

Bei der Auswahl der Pflanzen bedeutet das, dass verstärkt Rücksicht darauf genommen werden muss, welche Pflanzen auch mit trockenen Bedingungen zurechtkommen. „Bei Neupflanzungen haben wir das immer im Hinterkopf.“ So habe man in den vergangenen Jahren zum Beispiel Bäume gepflanzt, die man in diesen Breiten frühere nicht gesehen hätte, etwa den Amur-Korkbaum am Wegesrand zwischen der Auwiesenbrücke und dem Enzpavillon. „Das Spektrum der Bäume, wie wir es kennen, wird sich verschieben“, sagt Ott.

Jährlich abgeräumt und neu bepflanzt werden derweil die Beete im Bürgergarten, dabei probiere man auch immer wieder neue Sorten aus. Der Sommerflor wird in der Regel Anfang Mai eingesetzt. Dann folgt jedoch eine heikle Phase, denn im Falle eines erneuten Frostes könnten die Pflanzen kaputt gehen.

Beim Gang durch den Bürgergarten weist Ott immer wieder auf klimaresistente Pflanzen hin, etwa eine Yuccapalme am Wegesrand. Grundsätzlich gelte, dass Pflanzen mit dicken, haarigen oder bläulichen Blättern besser für Trockenperioden gerüstet seien, erklärt Ott dabei. Auch die Staudenbeete, die von Anfang an im Bürgergarten vorhanden waren, habe man im Laufe der Zeit neu bepflanzen müssen.

Manche Pflanzen seit der Landesgartenschau

Doch nicht alles im Bürgergarten ist neu: Überall verteilt finden Spaziergänger Rosen, die bereits seit der Landesgartenschau die Landschaft schmücken. Und auch verschiedene Arten von Pfingstrosen gibt es seit den Anfängen, „ergänzt mit Sorten, die man sonst nicht überall sieht.“ Der gesamte Bürgergarten sei so angelegt, dass immer etwa blühe, sagt Roswitha Ott. Die Hochgräser, die bislang noch nicht gemäht wurden, lasse man bewusst länger stehen, erklärt Ott. Dort fühlen sich nämlich die Insekten wohl.

In den kommenden Wochen müssen die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei nicht nur gießen, sondern auch das Unkraut im Auge behalten, das sonst manche der Pflanzen verdrängen könnte. Ott sagt: „Es ist ein nicht enden wollender Kampf gegen Unkraut und Trockenheit. Aber dafür sieht es auch schön aus.“

 
 
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