In einem Teil der Halle am Viadukt sieht es aus wie im Polizeirevier. Eine Beamtin sitzt am Einsatzleitrechner, es herrscht ein Kommen und Gehen von Uniformierten. Mittendrin Polizeiführer Volker Kehl. Die während des Pferdemarktes aufgebaute Sonderwache sei „voll strukturiert“, sagt Kehl, der sonst das Polizeirevier in Bietigheim-Bissingen leitet. Das heißt, sie arbeitet unabhängig vom Revier, in dem der reguläre Polizeidienst weitergeht, nur zur Überwachung des Pferdemarkts.
Bietigheim-Bissingen Die Polizei ist sehr präsent
Die Sonderwache beim Pferdemarkt erhielt auch Unterstützung von der Bereitschaftspolizei. Mit Stand von Montagabend war es aus Polizeisicht ein sehr friedliches Fest.
Während die Sonderwache von drei Beamten besetzt ist, sind weitere Polizisten in Trupps von drei oder vier Leuten auf dem Fest unterwegs. Allein mit Kräften aus dem örtlichen Polizeirevier sei das nicht zu schaffen, sagt Kehl, zur Verstärkung sind deshalb Bereitschaftspolizisten des Polizeipräsidiums Einsatz mit Hauptsitz in Göppingen in Bietigheim präsent. Auch die Pferdestaffel kam zum Einsatz. Es sei „ein ordentlicher Mehraufwand“, sagt Kehl zu der Polizeipräsenz auf dem Pferdemarkt, der am Dienstag zu Ende gegangen ist. Und: Bei Bedarf sei es jederzeit möglich, weitere Einsatzkräfte zusammenzuziehen.
„Ein logistischer Kraftakt“
Wie viele Kräfte vor Ort waren, will der Polizeiführer nicht verraten, nur so viel: Es seien bisher 2000 Einsatzstunden geleistet worden, so Volker Kehl mit Stand von Montagabend. Das sei jedes Jahr „ein logistischer Kraftakt“.
Das Konzept, nach dem die Polizei vorgeht, gibt es im Übrigen nicht erst seit den jüngsten Terroranschlägen. Es komme bereits seit einigen Jahren zur Anwendung und habe sich bewährt, sagt Kehl. Das sei auch beim 89. Pferdemarkt wieder so gewesen. Auch wenn es noch zu früh sei, um ein komplettes Fazit zu ziehen, so sei der bisherige Verlauf des Festes, zu dem laut Stadt mehr als 200.000 Besucher kamen, „sehr friedlich“ gewesen.
Oder, anders ausgedrückt, es ereignete sich laut Kehl „das Übliche“ eines Festes dieser Größenordnung. Das heißt, es habe einige Körperverletzungen gegeben, bei denen die Polizei auf den Plan gerufen wurde, meist im Zusammenhang mit zu viel konsumiertem Alkohol. Junge Leute, die zu viel getrunken haben und in Streit geraten, das sei „nichts Ungewöhnliches“ für die Polizei, so der Polizeiführer.
Beim Roten Kreuz, das ebenfalls in der Viadukthalle Quartier bezogen hat, sieht man es ähnlich. Es sei bislang „sehr ruhig“ gewesen, es habe „keine gravierenden Vorkommnisse“ gegeben, sagt Einsatzleiter Lukas König am Montagabend.
Das DRK sei vormittags mit fünf bis sechs Leuten im Einsatz, von 14/15 Uhr bis 19/20 Uhr mit sieben bis acht Leuten und danach bis zum Festende mit 14 bis 16 Leuten, beschreibt König das Einsatzkonzept. Auch ein Rettungswagen war vor Ort. 26 Rotkreuzler begleiteten den Festzug. 60 Prozent der Kräfte kamen vom Ortsverein Bietigheim-Bissingen selbst, 40 Prozent von befreundeten Ortsvereinen.
Weniger Kreislaufprobleme
Zwölf Personen wurden bis Montagabend vom DRK ins Krankenhaus gebracht, in den übrigen Fällen konnten die Betroffenen vor Ort versorgt werden. Das Rote Kreuz musste sich um Verletzte bei Schlägereien kümmern, um Betrunkene oder Festbesucher, die Drogen zu sich genommen hatten, um eine Person mit verstauchtem Knöchel oder Menschen mit Kreislaufproblemen. In einem Fall erlitt ein Besucher einen Schlaganfall.
Die meisten Einsätze hatte das DRK laut König Samstagnacht zwischen 0.20 und 1.40 Uhr, als allein 16 Notfälle gemeldet wurden. Dass die Rettungskräfte im Vergleich zu 2024 viel weniger gerufen wurden, führt er auf das Wetter zurück: Denn im vergangenen Jahr habe die Hitze für viele Kreislaufprobleme gesorgt. 2025 sei hingegen der Alkohol das Hauptproblem gewesen.
