Bietigheim-Bissingen Die Rathaus-Sanierung dauert länger

Von Uwe Mollenkopf
Das Bietigheimer Rathaus ist für die Sanierungsarbeiten komplett eingerüstet. Nach jetzigem Stand muss die Baustelle drei Monate länger bestehen bleiben. Foto: /Martin Kalb

An den Balken des historischen Gebäudes von 1507 wurden mehr Schäden entdeckt als gedacht.

Steffen Speidel, der Leiter des Hochbauamts, steht auf dem Gerüst, welches das Bietigheimer Rathaus derzeit umgibt, und zeigt auf eine Stelle an der freigelegten Fassade: Dort ist morsches, ausgehöhltes Holz zu sehen. Es ist nicht die einzige Stelle, an der es so aussieht. Die beauftragte Zimmerei, die sich das Holzfachwerk angeschaut hat, habe mehr Schäden als gedacht entdeckt, erläutert Speidel den Mitgliedern des Technischen Ausschusses, die sich am Donnerstagabend mit ihm aufs Gerüst begeben haben, um sich die Sanierungsarbeiten anzuschauen.

Die Sanierung des historischen Rathauses ist eines der größeren Projekte in der Stadt, mit einem finanziellen Umfang von 1,8 Millionen Euro. Im Juni war mit dem Aufbau des Gerüstes begonnen worden, welches das Gebäude nun umgibt. Danach wurde der Putz, der laut Speidel von der Sanierung 1978/79 stammt, komplett abgeschlagen. Denn das Problem, das die Sanierung erforderlich machte, waren die vielen Risse in diesem Putz. Erst danach wurde der Umfang der Schäden des historischen Fachwerks darunter sichtbar.

Morsche Teile austauschen

Die Schäden seien tief und knifflig, sagt Architekt Klaus Lienerth vom Büro AeDis aus Ebersbach-Roßwälden. Ziel sei es gleichwohl, „möglichst viel zu erhalten“. Auch vom Denkmalamt komme die Vorgabe, dass nur das ausgetauscht werde, was stark beschädigt ist. Die Abstimmung mit der Behörde sei eng, es habe bisher vier bis fünf Besprechungstermine gegeben, sagt Speidel. Gleichwohl komme man nicht umhin, etliche morsche Holzteile zu ersetzen, darunter auch ein 150 Kilo schwerer Balken. Trotz der Schäden beruhigt Speidel aber mit Blick auf den Gesamtzustand des Gebäudes: „Das Grundgerüst ist gut.“

Reste der alten Bemalung

Beim Gang auf dem Gerüst sind auch immer wieder Ytong-Steine in der Mauer zu sehen – sie wurden bei der letzten großen Sanierung angebracht. Auch kleinere Lücken werden sichtbar, welche die Zimmerleute jetzt mit Holz geschlossen haben. Sie entstehen, weil sich Holz im Laufe der Zeit verzieht, erklären die Experten. Reste der alten Bemalung sind an einigen Stellen noch zu erkennen, auch einige Gefache aus Weiden gibt es. Das alles wird später wieder hinter dem neuen Putz verschwinden. Von den Fenstern können die meisten laut dem Chef des Hochbauamts erhalten werden. Richtig alte Fenster gibt es ohnehin nicht mehr, fast alle sind aus dem 20. Jahrhundert.

Während der alte Putz aus Zement war, wird der neue kalkbasiert sein. „Das Richtige für so ein Denkmal“, sagt Speidel. Dieser wird auch nicht mehr so eben und dick sein wie der alte, bei dem man versucht hatte, die Versätze zwischen den Stockwerken auszugleichen und so glatte Kanten zu schaffen. Dazu sei er an einzelnen Stellen bis zu 17 Zentimeter stark aufgetragen worden. Die Fassade werde künftig lebendiger wirken, sagt Lienerth. Und: Die neuen Farben, mit denen das Rathaus bemalt wird, werden laut Speidel „eine Nuance frischer“ sein.

Profilholz aus Kiefer

Die Frage, warum das Fachwerk überhaupt wieder verputzt und nicht frei sichtbar gelassen wird, wie bei den anderen historischen Gebäuden drumherum, beantwortet Speidel so: Die Oberfläche des Holzes sei mittlerweile etwas mitgenommen, zudem sei bei der Gestaltung des Rathauses in der Vergangenheit nun einmal eine andere Entscheidung getroffen worden. Etwas Holz wird aber im Gegensatz zu bisher zu sehen sein. An den Stockwerkversätzen wird die Putzfläche durch Profilholz durchbrochen. Dieses werde aus Kiefer sein, erklärt Architektin Iris Achenbach vom Büro AeDis. Ansonsten sind die historischen Balken des Hauses aus Eichenholz.

Eigentlich war geplant, den Grundputz noch dieses Jahr aufzubringen. Doch aufgrund der vielen Schäden, die zuvor von den Zimmerleuten beseitigt werden müssen, reicht dafür nun die Zeit nicht mehr. Man wolle damit auch nicht während des Sternlesmarkts beginnen, sagt Baubürgermeister Michael Wolf. Zudem müsse die Witterung beachtet werden. Putz sollte nicht bei Temperaturen unter fünf Grad Celsius trocknen.

Neuer Putz erst im Frühjahr

Stattdessen soll der neue Putz nun erst im März oder April aufgetragen werden. Dadurch werde die Baustelle drei Monate länger bleiben, erklärt Wolf. Bisher war der Abschluss der Arbeiten für August 2026 vorgesehen gewesen. Auch die Kosten werden steigen, wie stark, lasse sich derzeit aber noch nicht abschätzen, so Speidel. Sobald es belastbare Zahlen dazu gebe, werde man diese im Technischen Ausschuss präsentieren.

Holz wurde im Winter 1506/07 geschlagen

Bei der Sanierung des Rathauses wurde dieses mit dem Laserscanner erfasst, und es wurden Zeichnungen erstellt, die zur Dokumentation an den Denkmalschutz gehen. Dies sei auch eine gute Grundlage für die weitere Planung, sagt Iris Achenbach.

Eine dendrochronologische Untersuchung wurde ebenfalls gemacht: Diese ergab laut Achenbach, dass etliche, vor allem die dicken Balken noch aus der Anfangszeit des Hauses sind, das 1507 gebaut wurde. Die Eichen, aus denen die Balken sind, wurden im Winter 1506/07 geschlagen. Weitere Balken sind aus dem ersten großen Umbau im 18. Jahrhundert.

 
 
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