Bietigheim-Bissingen Die Stara ist wie eine große Familie

Von Lisa Lorenz
Die Kinder der Schneewittchengruppe bekommen ihr Eis vom Oberbürgermeister Kessing überreicht. Foto: /Oliver Bürkle

Das Feriencamp hat begonnen. Oberbürgermeister Kessing war wieder als Eismann dabei.

Bei der Stadtranderholung (Stara) in Metterzimmern ist gerade eines der Kinder hingefallen. Gleich zwei andere eilen zur Hilfe. „Wollt ihr beide helfen? Das finde ich richtig nett von euch“, sagt die Betreuerin. Eines der helfenden Kinder fragt das hingefallene: „Willst du mit uns befreundet sein?“ Gegenseitige Hilfe gehört zur Stara dazu.

Die Stara geht von Montag, 4. August, bis Freitag, 15. August, und wird von Lea Bräunling und Samira Hilligardt geleitet. Gerade befinden sich die Kinder noch in der Kennenlernphase, auch wenn viele mit ihren Freunden in Gruppen eingeteilt wurden. Der Höhepunkt des Tages ist der Besuch des Oberbürgermeisters Jürgen Kessing – oder vielleicht auch eher die Tatsache, dass er Eis mitgebracht hat. Vorher wird aber noch der Tischspruch aufgesagt, den alle Kinder schon auswendig können. Bei dem Wort „Eis“ bekommen die Kinder, die gerade alle in der Sporthalle sitzen, auf einmal große Augen. Dann werden sie gruppenweise aufgerufen, um sich ihren Becher abzuholen.

Die zehnjährige Daria ist schon zum vierten Mal bei der Stara dabei und freut sich diesmal besonders auf das Bauen der Basislager: Diese werden auf der Wiese aus Stöcken, Decken und Ähnlichem gebaut. Sie kennt die meisten aus ihrer Gruppe, der Froschköniggruppe, bereits. In ein paar Jahren will sie auch Betreuerin sein.

Betreute werden zu Betreuern

Dass die Kinder, die in die Stara gegangen sind, zu Betreuern werden, ist oft so. Bis sie elf oder zwölf sind dürfen sie noch als teilnehmende Kinder kommen, ab 14 dann als Hilfsbetreuer. So war es auch bei der Leiterin Lea Bräunling. Nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin hat sie Soziale Arbeit studiert und arbeitet jetzt als Sozialarbeiterin bei der Bietigheimer Realschule. Aber für ihr Ehrenamt hat sie sich immer die Zeit genommen: „Stara ist für mich der pure Stress, aber auch die pure Ausgeglichenheit. Der Gedanke, die Stara einmal nicht mehr zu machen, ist schlimm.“ Die zwei Wochen seien sowohl für sie als auch für die Kinder wie ein richtiger Urlaub.

Das zweiwöchige Programm steht jedes Jahr unter einem anderen Thema. Diesmal: Märchen. Die Gruppen haben sich deshalb nach unterschiedlichen Märchen benannt, im Lied, das gemeinsam gesungen wird, geht es ums Märchenland, und eine Märchenerzählerin kommt zu Besuch. Die Planung der Stara beginnt manchmal schon im Februar. Alle machen ehrenamtlich mit, auch wenn es eine Aufwandsentschädigung gibt.

Ein weiteres Highlight ist die Hüpfburg. Sie wurde von einer Mutter spendiert, deren Kind an der Stara teilnimmt. Auch die Tradition der Stara-Post wird fortgeführt: In der Sporthalle steht ein Briefkasten, in den die Kinder jeden Tag kleine Nachrichten werfen können, die dann am Abend gemeinsam gelesen werden. Neben Liebesbriefen und Kinder-Gerüchten über Liebeleien zwischen den Betreuern finden sich auch Nachrichten wie „Die Dornröschen sind cool“ darin, was den Gruppenzusammenhalt stärkt.

Betreuer werden meistens händeringend gesucht: Dieses Jahr sind es gerade noch ausreichend viele. Meistens sind es die gleichen, die jedes Jahr wiederkommen – dadurch sind sie mittlerweile wie eine kleine Familie, bestehend aus einem „sehr alten und sehr vertrauten Team“, so Bräunling.

Ihr persönliches „Baby“ ist der Blaulichttag. Hier kommen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, aber nach Möglichkeit auch andere Berufe zur Stara. Dann können die Kinder ein echtes Feuer löschen oder eine Puppe wiederbeleben. Dieses Jahr auch mit dabei: die Firma Wiesbauer mit einem Kran zum Bestaunen. Lisa Lorenz

 
 
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