Bietigheim-Bissingen Doppelte Big Band-Power im Kleinkunstkeller

Von Dietmar Bastian
Die Uni Big Band Stuttgart gestaltete den ersten Teil des Abends im Bietigheimer Kleinkunstkeller, ehe die Gout Big Band übernahm. Foto: /Oliver Bürkle

Die Uni Big Band Stuttgart und die Gout Big Band setzen die Reihe „Jazz im Keller“ fort.

Big Cat Shuffle“, ein Jazzstück von Alexander Bühl, jagt über die beengte Bühne. Kräftige Riffs der Bläser und ein energiegeladener, triolischer Puls rollen wie ein musikalischer Wirbelwind durch den leider nicht voll besetzten Kleinkunstkeller. Der Swing, jenes stilprägende Merkmal des Jazz, bei dem durch eine minimale zeitliche Verschiebung von Tönen ein federndes Lebensgefühl entsteht, fährt den Besucherinnen und Besuchern unmittelbar in die Glieder.

Die Rhythmusgruppe aus E-Piano, Gitarre, Bass und Schlagzeug bildet das kraftvolle Fundament für fünf Saxofone, vier Trompeten und vier Posaunen. Ein atemloser Groove und farbenreiche Call-and-Response-Figuren, dazu waghalsige Soli von Piano und Trompete, wirken modern und zugleich fest in der Tradition der großen Big Bands verwurzelt – typisch für den Komponisten, der klassische und zeitgenössische Elemente miteinander verbindet. Die 17 Mitglieder der „Uni Big Band Stuttgart“ setzen eine enorme Energie frei.

Lange Geschichte der Big Band

Das jazzbegeisterte Publikum erlebt riffbasierte Passagen der Bläserblöcke, die sich wiederholen und dabei stetig steigern. Zugleich öffnen sich immer wieder Klangräume für aufgelockerte Passagen und reizvolle Dialoge zwischen der Saxofon- und den Brass-Sections. Die „Uni Big Band Stuttgart“ wurde bereits Anfang der 1980er-Jahre durch die Initiative einiger Studenten gegründet und entwickelte sich während der 30-jährigen Ägide ihres ersten Bandleaders, des Trompeters Frédéric Rabold, zu einer festen Größe im Jazzraum Stuttgart und darüber hinaus. Der Formation gehören heute Studierende ebenso an wie Ehemalige, Mitarbeitende und Doktorandinnen und Doktoranden der Universität. Vor inzwischen gut zehn Jahren hat der Stuttgarter Saxofonist, Komponist und Arrangeur Alexander Bühl, der unter anderem in der SWR-Big-Band spielt und 2018 den Landesjazzpreis erhielt, die Leitung dieses erstaunlich jung wirkenden Klangkörpers übernommen.

Acht Stücke brachten die Stuttgarter zu Gehör, darunter das funkige „Liberated Brother“, das soulige „Miss Fine“ von Weldon Irvine, den echten Klassiker aus dem American Songbook, „Strike Up The Band“ von George Gershwin, sowie Peter Herbolzheimers „Blues In Latin“ mit starken Saxofon-Soli, dargeboten von Alexander Bühl und einer Baritonsaxofonistin aus dem Ensemble.

Es ist kaum zu bestreiten: Die Uni Big Band macht am Dienstagabend im Rahmen der Reihe „Jazz im Keller“, veranstaltet vom Kulturamt der Stadt sowie der Gout Big Band, eine hervorragende Figur. Den „Gouts“, die die Stuttgarter eingeladen hatten und die in Bietigheim-Bissingen keiner näheren Vorstellung bedürfen, gehörte dann der zweite Teil des Abends.

Lokalmatadore überzeugen

Der musikalische Leiter und Gründer der Formation, der Saxofonist Alexander Wolpert, der die Big Band ursprünglich aus einer Schul-Jazz-AG heraus aufgebaut hat und sie seit den 1990er-Jahren leitet, witzelte nach der Pause, dem Auftritt der jungen Stuttgarter folgten nun „die Alten“ – reine Koketterie, denn weder sind die rund 20 Musikerinnen und Musiker der Gout Big Band alt, noch wirkt ihr Spiel in irgendeiner Weise altbacken oder behäbig. Ganz im Gegenteil legten die Lokalmatadoren musikalisch, rhythmisch und energetisch noch einmal eine Schippe drauf.

Immer wieder treten sie mit Arrangements von Peter Herbolzheimer in Erscheinung, den man durchaus als wichtigen Mentor der Szene bezeichnen kann. So auch am Dienstag mit dem herrlichen „Blues In My Shoes“ oder dem augenzwinkernden „Girl Talk“. Das ist kein Retro-Jazz, sondern frischer Big-Band-Sound, der sich gewaschen hat.

 
 
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