Südlich von Bissingen im Rotenacker Wald findet sich nicht nur der Häckselplatz sondern ein paar Gehminuten weiter auch ein kleines Grundstück mit zwei grünen Bauwägen. Seit neun Jahren hat hier der Waldkindergarten „Naturkinder“ sein Zuhause. Der Verein, der hinter der Einrichtung steht, feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.
Bietigheim-Bissingen „Draußen in der Natur sind die Kinder wie ausgewechselt“
Der Verein Naturkinder, der im Rotenacker Wald in Bietigheim-Bissingen einen Waldkindergarten betreibt, feiert zehnjähriges Jubiläum.
Die Idee dafür hatte die Leiterin des Kindergartens, Christina Kelleni, vor mittlerweile zwölf Jahren. Die Erzieherin habe lange in Hauskindergärten mit dem Thema Natur gearbeitet, doch das habe ihr nicht gereicht. „Draußen in der Natur sind die Kinder wie ausgewechselt“, sagt sie. Geboren war ein Herzensprojekt für Kelleni und ihre damalige Mitstreiterin Melina Stahl, mit dem sie anfangs jedoch nur bedingt ernst genommen wurden. Doch für Christina Kelleni war klar, dass sie ihre Lebensenergie in das Projekt stecken möchte. Nach dem Vorbild einer Waldtagesmutter bei Nürnberg haben sie sich selbstständig gemacht und erste Kinder betreut.
Langer Prozess bis zum Kindergarten
„Am Anfang haben wir außer einem Bollerwagen gar nichts gehabt.“ Ein ehemaliger Bürgermeister der Stadt Tamm habe den Tagesmüttern zudem sein privates Grundstück zur Verfügung gestellt. Doch mit der Zeit wuchs die Nachfrage, die Vereinsgründung war die logische Konsequenz. Mit Unterstützung der Stadt Bietigheim-Bissingen, dem damaligen Bürgermeister Joachim Kölz und den Stadtwerken, die das aktuelle Grundstück kostenlos zur Verfügung stellen, habe man daraufhin den heutigen Waldkindergarten aufgebaut.
Ein langer, bürokratischer Prozess, der mehrere Jahre gedauert hat, wie Kelleni verrät. Doch mit dem Erhalt der Betriebserlaubnis sei plötzlich alles ganz schnell gegangen. Gestartet sei man mit sieben Kindern, mittlerweile sind es 15, zudem führe man eine lange Warteliste.
Was macht die Betreuung im Freien so besonders? „Die Kindheit hat sich verändert. Früher waren wir den ganzen Tag draußen und haben die Natur natürlich erfahren“, sagt Kelleni. Das bedeute auch, dass das Wetter die Aktivitäten im Waldkindergarten beeinflusst. So würden die Kinder robuster und flexibler. Klassische Spielzeuge gibt es im Waldkindergarten nicht, vielmehr wird mit Matsch, Lehm und Stöcken improvisiert, es wird gemalt, gebastelt, gesungen, Feuer gemacht. Man habe verschiede Waldplätze eingerichtet, die zu unterschiedlichen Aktivitäten animieren, manchmal erkunde man auch einen nahe gelegenen Dachsbau mit 24 Eingängen, sagt Kelleni. Zudem kooperiere man mit dem Milchhof Geiger und den Besitzern einer benachbarten Streuobstwiese.
Lehrer sind beeindruckt von Fähigkeiten der Kinder
„Es ist ein perfektes Umfeld für Kinder, sich zu entwickeln“, sagt Sandra Treptow, Mutter und Mitglied des Vorstands. So erhalte man auch immer wieder Rückmeldungen von Grundschullehrern, die sich beeindruckt von den motorischen Fähigkeiten und dem Selbstbewusstsein der Kinder zeigten, ergänzt Kelleni.
Das sich in der Region immer mehr städtische Naturkindergarten etablieren, sieht man hier positiv. „Man hat gemerkt, wie gut es den Kindern tut“, sagt Sandra Treptow. Aber auch wirtschaftlich sei das Angebot für Kommunen attraktiv, schließlich seien die Kosten deutlich geringer als bei einem Hauskindergarten.
