Bietigheim-Bissingen Dürr will 500 Stellen abbauen

Von dpa/hef/moc
Der Dürr-Konzern setzt unter anderem auch auf das Automotive-Geschäft. Foto: Dürr AG

Nach dem Verkauf der Umwelttechnik-Sparte führt der Konzern seinen Sparkurs fort und will bis Ende 2026 die Verwaltung verschlanken. Das soll ab 2027 jährlich 50 Millionen Euro sparen.

Dürr will bis Ende 2026 rund 500 Verwaltungsstellen abbauen, die Hälfte davon in Deutschland. Wie viele der rund 700 Verwaltungsstellen in Bietigheim-Bissingen betroffen sind, steht laut Vorstandsvorsitzendem Dr. Jochen Weyrauch noch nicht fest. Nicht nur der Stammsitz sei betroffen, sondern die meisten anderen Standorte auch. „Wir wollen uns insgesamt verschlanken, resilienter und effizienter werden“, sagte er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Der geplante Umbau der Verwaltung sei ein konsequenter nächster Schritt nach dem Verkauf des Umwelttechnikgeschäfts.

In Deutschland sind bei dem börsennotierten Unternehmen insgesamt rund 9000 Personen beschäftigt, am Stammsitz sind es rund 2300 Menschen. Der Stellenabbau soll Weyrauch zufolge sozialverträglich erfolgen, zum Beispiel durch ein Abfindungsprogramm. Ziel sei es, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen, sagte der Vorstandschef. Nun sollen rasch Gespräche mit der Arbeitnehmervertretung aufgenommen werden. Infolge des geplanten Stellenabbaus wird nach Angaben des Unternehmens das Ergebnis nach Sondereffekten im zweiten Halbjahr durch Rückstellungen in Höhe von 40 bis 50 Millionen Euro belastet. Dem gegenüber stehen laut der Dürr AG erwartete Einsparungen von jährlich rund 50 Millionen Euro, die ab 2027 wirksam werden sollen.

Schlechte Auftragslage

Die Dürr AG hat auf Basis vorläufiger Zahlen für das zweite Quartal 2025 ihre Jahresprognose für den Auftragseingang angepasst. Demnach erwartet im laufenden Jahr einen Auftragseingang von 3800 bis 4100 Millionen Euro anstatt der bisherigen 4300 bis 4700 Millionen Euro. Als Grund dafür gibt das Unternehmen die Auftragslage an. Im zweiten Quartal lag der Auftragseingang bei 807 Millionen Euro (H1 2025: 1887 Millionen Euro) und damit unter dem Niveau der Vorquartale. Grund für die verhaltene Entwicklung seien die globalen Zollkonflikte und Unsicherheiten, die zu einer deutlichen Investitionszurückhaltung bei Kunden geführt hätten. Der Umsatz erreichte 1001 Millionen Euro und war damit acht Prozent niedriger als im zweiten Quartal 2024 (H1 2025: 2008 Millionen Euro).

Prognose angepasst

Hauptgründe waren laut Dürr AG Rückgänge in der Division Industrial Automation, der Mitte 2024 vollzogene Verkauf der Tochtergesellschaft Agramkow und vereinzelte Projektverzögerungen bei Kunden im Automotive-Geschäft. Die Prognose für den Auftragseingang wurde nach unten angepasst. Um die Resilienz des Konzerns zu stärken seien die Fixkosten bei Homag gesenkt und das Automotive-Geschäft noch schlagkräftiger aufgestellt worden. „Zudem realisieren wir Synergien im Automatisierungsgeschäft und gehen nun die Verschlankung der Verwaltung an“, sagte Vorstandsvorsitzender Weyrauch.

Mit dem Konzernumbau konzentriere sich Dürr auf das Kerngeschäft rund um die nachhaltige Automatisierung von Produktionsprozessen und verringere die Zahl seiner Divisions von fünf auf drei. Wichtige bisherige Schritte seien der Verkauf des Umwelttechnikgeschäfts im Juni an den US-Finanzinvestor Stellex Capital für rund 250 Millionen Euro und des Befülltechnikspezialisten Agramkow sowie die Konsolidierung des Geschäfts mit der Automobilindustrie gewesen (die BZ berichtete).

Zur Dürr AG

Der Dürr-Konzern ist ein Maschinen- und Anlagenbauer, der sich vor allem auf Automatisierung, Digitalisierung und Energieeffizienz spezialisiert hat. Die Produkte, Systeme und Services ermöglichen Fertigungsprozesse vor allem in der Automobil- und holzbearbeitenden Industrie, aber auch in Branchen wie Chemie, Pharma, Medizinprodukte, Elektro und Batteriefertigung.

 
 
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