Bietigheim-Bissingen Ehepaar reist 30.000 Kilometer durch 16 Länder mit einem Van

Von Walter Christ
Laila und Jürgen Klein direkt am Reise-Wendepunkt an der iranischen Grenze in Armenien, 4000 Kilometer Luftlinie von zuhause entfernt. Foto: /Familie Klein

Laila und Jürgen Klein aus Metterzimmern erlebten eine siebenmonatige Auszeit per Camper in 16 Ländern. Beide sind begeistert von der Gastfreundschaft, Natur und Kultur.

Eintauchen in eine andere Welt, neugierig auf andere Menschen, deren Kulturen, Sprachen, Fauna und Flora: Das motivierte Laila und Jürgen Klein zu einer außergewöhnlichen Erlebnisreise bis hin an die Grenze zum Iran, die von März bis November 2025 unvergessliche Eindrücke bescherte. Rund 30.000 unfallfreie Kilometer im zum Camper-Van umgebauten Mercedes „Vito“ („Die Wilde 13“) durch insgesamt 16 Länder wurden gemeistert. Gut 7000 professionelle Fotos und ein ebenso ansprechend verfasster, sehr umfangreicher Reisebericht sind dabei entstanden.

Arbeitgeber zeigen Verständnis

Die Voraussetzungen für derlei Auszeiten sind heutzutage selbstredend nicht mehr unproblematisch – für die 52-jährige Erzieherin in Ingersheim und den 55-jährigen IT-Sicherheits-Experten schon: Beide Arbeitgeber zeigten viel Verständnis, wofür das Ehepaar aus Metterzimmern auch „sehr, sehr dankbar“ ist.

Nach einer „kleinen, dreimonatigen Balkan-Erkundigungstour“ 2019 und einer aktuellen Tollwutimpfung wegen den zu erwartenden streunenden Hunden ging es im März los. Das Fahrzeug war dazu speziell angepasst worden, beispielsweise indem es höher gelegt wurde, mit besonderem Unterbodenschutz. Mit dabei hatten der Vorsitzende des Kanu-Clubs Bietigheim und dessen Pressesprecherin neben einem Notfall-Medikamenten-Paket drei Paddel-Boote und aus Platzgründen „leider nur ein Fahrrad“.

Die Route führte über Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Italien beziehungsweise Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Moldawien, die Türkei, Georgien und Nordgriechenland bis nach Armenien an die unmittelbare Grenze zum Iran und zurück. Ohne gravierende Komplikationen. Sieht man von einem Federbruch und insbesondere von einem Zwischenfall in Albanien einmal ab.

Malheur in Albanien

Das Malheur in Albanien hatte es freilich in sich. Die Kleins mussten trotz sehr großzügiger Hilfe einer Werkstatt in Tirana schon nach 14 Tagen umkehren. In Rosenheim konnte ihnen geholfen werden, sodass, nun auf einer anderen Strecke über Ungarn gen Osten, wieder neu gestartet werden konnte. Ursache für die Aktion sind die in Westeuropa vorgeschriebenen Abgassysteme, die laut Jürgen Klein leider nicht mit den Kraftstoffen und Höhen der bereisten Länder im Osten kompatibel sind. Einzige Möglichkeit: Ein Zusatzgerät, mit dessen Hilfe die Reisenden das Auto auslesen, manuelle Aktionen durchführen und die Fahrt somit fortsetzen konnten.

Beispielsweise nach Rumänien, das den beiden Kosmopoliten überaus gefiel. „Ich war sofort in das Land Rumänien verliebt“, schwärmt die Mutter dreier erwachsener Söhne zusammen mit ihrem Mann von ausgesprochen gastfreundlichen Menschen und wunderbarer Ruhe, insbesondere aber von der Pflanzen- und Tierwelt an den Karpatenpässen und deren Umfeld: „Sechs Wochen sind wir allein hier geblieben, um all die fantastische Artenvielfalt mit hunderten von Schmetterlingen, Seeadlern, Geiern, Pelikanen und Störchen zu erleben. In Rumänien gibt es 6000 Bären, und, und, und“, sprudelte es auch aus Jürgen Klein nur so heraus.

Wölfe in Georgien

Georgien toppte demnach allerdings diesbezügliche Glücksgefühle noch. Dank des subtropischen Klimas nahe des Kaukasus mit Wüsten gibt es auch hier nicht nur eine herrliche Pflanzen-Welt, sondern Wölfe, Schlangen und etliche andere Wildtiere.

Vom osttürkischen Anatolien berichten die Metterzimmerer: „Überall wurden wir von unfassbar freundlichen und hilfsbereiten Menschen zum Çay und Essen eingeladen, durften nicht bezahlen, bekamen Fische und anderes mehr geschenkt, Parkplätze zur Verfügung gestellt und Hilfsangebote für Notfälle, sodass die täglich drei Kontrollen mittels Kameras, Notebooks und Panzern schnell vergessen wurden.“

Schneebedeckte Berge

Derlei positive Eindrücke sammelte das schwäbische Ehepaar bei seinen Fahrten, Wanderungen, Paddeltouren, beim „Schwimmen in allen möglichen Gewässern“, in Höhlen oder etwa auf bis zu 4000 Meter hohen, schneebedeckten Bergspitzen, auch in Armenien, Georgien und den anderen Gastgeber-Ländern.

Was ihnen am besten gefallen hat? Eine schwere Frage offensichtlich, hält man sich Siebenbürgen, die bulgarische Schwarzmeerküste, das ostanatolische Kackar-Gebirge, die rumänischen Karpaten, den georgischen Kaukasus samt dem Vashlovani-Nationalpark (östlichster Punkt der Reise), den armenischen Sevansee und vieles andere mehr vor Augen.

Nur so viel dazu von der begeisterten Laila Klein: „Ich wollte in der Türkei unbedingt auch Kappadokien sehen – und dort war es viel, viel schöner, als ich es geglaubt hatte.“

Gibt es bereits weitere Visionen? „Marokko“, kam es wie aus der Pistole geschossen aus dem Mund der Weltenbummlerin. Inspirationen für die nächste Traumreise gibt es dafür demnach wohl schon – „aber jetzt müssen wir erst mal wieder ein paar Jahre arbeiten“, sagt Laila Klein. Ohne Seufzer. Auch ihr Mann grinst.

 
 
- Anzeige -