Organisiert von den Freien Wählern Bietigheim-Bissingen und durchgeführt vom Bietigheimer Steillagenweingut Stephan Muck wurde am Mittwoch zu einem Abend rund um das Thema Weinanbau und die unbedingt erhaltenswürdigen Steillagen geladen.
Bietigheim-Bissingen Ein Abend in den Weinbergen
Bei einem Rundgang durch die Steillagen informierte Stephan Muck über aktuelle Themen des Weinbaus und dessen Erhalt.
Ausgangspunkt für den informativen Abend war die Besenwirtschaft „Besa em Städtle“ des Weinguts Muck in der Bietigheimer Innenstadt. Ein kleiner illustrer Kreis versammelte sich um Stephan Muck, der jedem ein Gläsle Spätburgunder reichte als erste kleine Verkostung.
Historische Entwicklungen
Im Anschluss ging es durch die Altstadt den Bergweg hinauf und Stephan Muck erinnerte sich beim Backhäusle, dass seine Oma hier noch einmal die Woche zum Brotbacken hinging und er erklärte, warum vor der Alten Weinstube schräg gegenüber öfter einmal teure Luxusautos parken: „Das ist die Stammkneipe unserer zwei berühmtesten Rapper Bausa und Rin“. Beim nächsten Halt an der Urbanstaffel wies Stephan Muck auf historische Gegebenheiten hin: „Das ganze Gebiet hier, die ganze Lug, das waren alles Weinberge früher“, erklärte er und führte weiter aus, dass Bietigheims Reichtum vom Weinbau und vom Weinhandel stammte: „Früher hatten wir annähernd so viel Weinbaufläche wie Besigheim, aber jetzt sind es nur noch 15 Hektar“, und in diesen Worten lag Wehmut. Wehmut auch darüber, dass der Erhalt der Steillagen wohl keine allzu große Priorität im Gemeinderat der Stadt besitzt. Immerhin setzen sich die Freien Wähler sehr für diese uralte Kulturlandschaft ein: „Der Wein in den Steillagen ist einfach nicht wegzudenken und was passiert, wenn die brach liegen, man kann es sich nicht vorstellen“, äußerte die Vorsitzende des Ortsverbands Petra Kühlthau und verwies des Weiteren auf das große Problem der eingeschleppten Schädlinge.
Brombeerbüsche verhindern
Dicht an dicht stehen die Reben die Steillage entlang, aber immer wieder finden sich auch Stellen, an denen sich Brombeerbüsche ausbreiten, was es aber unbedingt zu verhindern gilt. Sie können die Reben nicht nur überwuchern, sondern in ihrem dichten Geflecht können sich Schädlinge rasch ausbreiten. Und Schädlinge im Weinbau gibt es so einige, wie zum Beispiel den gefürchteten Mehltau, einem schwer zu bekämpfenden Pilz, weil er direkt ins Weinblatt eindringt. Ganz offensiv sprach Stephan Muck in diesem Zusammenhang auch das Thema Glyphosateinsatz im Weinbau an: „Im normalen Weinbau, wo man mit dem Traktor fahren kann, braucht man das eigentlich nicht“, stellte er klar, aber in den schwer zugänglichen Steillagen, in denen die Handarbeit vorherrscht und der Erlös aus dem Verkauf einer Flasche Wein von Jahr zu Jahr sinkt, ist es ohne Herbizideinsatz nicht zu stemmen: „Ich dosiere das entsprechend, weil ich laufe da auch noch mit der Motorsense durch oder mit der Heckenschere und rasiere dann noch mal ein paar Sachen ab“, verdeutlichte er seine Vorgehensweise. Außerdem unterstützt seit vier Jahren auch moderne Technik die Bietigheimer Wengerter.
Damit sich alle Anwesenden selbst einen Eindruck machen konnten, stieg die Weinberg-Drohne mit einem kräftigen Surren hinauf in den Himmel und flog Stück für Stück die Rebstöcke ab. Im normalen Betrieb kann sie pro Flug kleinflächig 30 Liter Spritzmittel verteilen und durch Verwirbelung der Rotoren auch die Weinblattunterseiten erreichen - eine große Hilfe für die Bietigheimer Wengerter, denn anstatt zehn Stunden sind es durch den Drohneneinsatz nur zwei Stunden Arbeit.
Muck für Direktvermarktung
Für Stephan Muck soll ein guter Wein mehr sein als nur roter Saft im Glas: Es soll eine Entdeckungsreise der Sinne und Geschmacksrichtungen sein und die konnten alle beim Abschluss des informativen Wein-Rundgangs erleben. Bei einem modernen und so gar nicht typischen Trollinger, leckerem Käse, Oliven, Würsten und Brotscheiben kamen alle ins Gespräch und waren sich einig, dass es die Steillagen mit ihrem einzigartigen Wein auch in Zukunft geben muss: „Wir bemühen uns halt, hier Konzepte und Lösungen zu entwickeln“, konstatierte Stephan Muck und verwies darauf, dass eine Direktvermarktung über eine Weinkanzel gut wäre, denn bisher greifen auch die Bietigheimer selbst im Geschäft nicht oft genug zu ihrem regionalen Steillagenwein.
