Jedes ist seines Glückes Schmied!?’ – Eigenverantwortung, Solidarität, Sozialstaat“ lautet das Motto des diesjährigen Bietigheimer Tags, dem Gesprächsformat der Evangelischen Kirchengemeinde und der SPD. Bewusst habe man ein positiv besetztes Thema ausgewählt, sagt Thomas Reusch-Frey von der SPD im Vorgespräch mit der Bietigheimer Zeitung, schließlich wolle jeder glücklich sein.
Bietigheim-Bissingen Ein Dreiklang als Formel des Glücks
Beim diesjährigen Bietigheimer Tag geht es um Eigenverantwortung, Solidarität und den Sozialstaat im Kontext des Glücks.
Man dürfe die Suche nach dem eigenen Glück dabei aber nicht nur individuell sehen, sagt Reusch-Frey. Pfarrer Bernhard Ritter sagt: „Man kann nicht glücklich sein, wenn es anderen nicht gut geht.“ So jedenfalls die Theorie. In der Praxis seien dennoch viele Bürger sich selbst am nächsten. „Wenn man das eigene Glück mit Mauern absichern muss, dann ist man darin auch nicht glücklich“, ist Ritter überzeugt.
Mit dem Gesprächsformat wolle man auch ein Stück weit die Mär vom selbst geschaffenen Glück entmythologisieren. Anstrengung alleine reiche nicht, weiß Ritter. Viele Menschen hätten schließlich gar nicht erst die Möglichkeiten dazu. Und: Andere Menschen glücklich zu machen, gebiete die christliche Nächstenliebe.
Aktuelle Debatte
Beim Bietigheimer Tag sieht man die Formel des Glücks in einem Dreiklang: Eigenverantwortung, Solidarität und Sozialstaat. Brandaktuell sei die politische Debatte über eine Abwägung der Eigenverantwortung gegenüber dem Sozialstaat, sagt Reusch-Frey. Da entstehe ein Spannungsverhältnis, ergänzt Ritter, wofür es keine einfache Lösung gebe. Die Kirche könne zwar eine Werteorientierung geben, die Entscheidung liege aber bei der Politik, so Reusch-Frey, der sich gegen ein grundsätzliches Schlechtreden des Sozialstaats ausspricht. „Wir brauchen einen Prozess, keinen Papierkorb, in den mal alles hineinwirft.“
Mit dem Bietigheimer Tag wollen die beiden Organisatoren einen Beitrag zur Differenzierung leisten und zur Sachdiskussion beitragen. Als Gäste sind in diesem Jahr einerseits Katja Mast, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, sowie Prof. Dr. Georg Hämmlin, Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover.
Bereits am Vortag, Samstag, 18. April, ist eine Exkursion zu zwei sozialen Projekten in Bissingen geplant. Um 14 Uhr besuchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Tafelladen in der Flößerstraße 21 und informieren sich über die aktuelle Situation vor Ort. Im Anschluss geht es in die Blumenstraße zur Besichtigung eines sozialen Wohnbauprojektes der Neuapostolischen Kirche. Hier entstehen zwölf Mietwohnungen in zwei Mehrfamilienhäusern mit sozial gebundenem Wohnraum (die BZ berichtete).
Verschiedene Perspektiven
Am Sonntag, 19. April, laden die Veranstalter zunächst um 10 Uhr für einen Gottesdienst in die Bietigheimer Stadtkirche. Georg Lämmlin wird eine Gastpredigt zum Thema Gerechtigkeit und Frieden halten. Ab etwa 11.15 Uhr folgt nach einem Grußwort des Baubürgermeisters Michael Wolf ein Vortrag von Katja Mast. Nach einer kurzen Mittagspause findet schließlich die traditionelle Podiumsdiskussion statt.
Neben Mast und Lämmlin werden Susanne Wakim, Fachbereichsleitung Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung beim Kreisdiakonieverband Ludwigsburg, Dr. Hein-Werner Schulte, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Ludwigsburg und Thomas Stöhr, Leiter des Jobcenters Landkreis Ludwigsburg erwartet.
