Einmal im Monat lädt der Freundeskreis Hornmoldhaus zu einer Veranstaltung in dem historischen Gebäude in der Altstadt direkt neben dem Rathaus ein. Am Mittwochabend war es ein geplanter Rundgang mit dem Bietigheimer Architekt Hans Noller, der für die Sanierung des Renaissancebaus von 1977 bis 1979 verantwortlich war. Kurzerhand wurde aus dem Rundgang ein kleiner Vortrag im Kommunikationsraum des Hinterhauses, zu dem etwa 20 interessierte Besucherinnen und Besucher kamen.
Bietigheim-Bissingen Ein „Renaissance-Wunderwerk“
Der Freundeskreis Hornmoldhaus initiierte einen Vortrag von Sanierungsarchitekt Hans Noller. Dieser nahm die Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit.
Der 88-jährige Architekt berichtete über die Zeit im und nach dem Zweiten Weltkrieg, dem das Hornmoldhaus „wie durch ein Wunder“ nicht zum Opfer gefallen sei. Auch bei einem Bombardement am 16. Dezember 1944 sei das Gebäude nicht tangiert gewesen, da ein starker Wind die entstandenen Feuer an den Stadtrand Richtung Ingersheim getrieben und die Altstadt so verschont habe, erinnerte sich Noller. Das sei einer von zahlreichen Bränden gewesen, dem das Gebäude entronnen sei.
Erinnerungen werden wach
Die Einbettung des Hornmoldhauses in seinen geschichtlichen Abriss unterlegte Noller mit Zeitungsausschnitten und persönlichen Bildern, die herumgereicht wurden und bei vielen Besuchern eigene Erinnerungen wach werden ließen. So wurde beispielsweise die Sprengung des Viadukts durch die Nazis am 8. April 1945 mittels Zeitungsbericht ins Gedächtnis gerufen. Die entstandene 75 Meter lange Lücke überbrückten amerikanische Pioniere damals dann mit einer Stahlgerüst-Konstruktion.
Während noch bis in die 70er-Jahre eine „große Lösung“ mit Neubauten anstelle der historischen Gebäude für die Altstadt von Bürgermeister Karl Mai (1948-1975) propagiert worden seien, habe sich dem die 1971 gegründete „Bürgerinitiative für eine humane Stadt“ – unter anderem mit dem damaligen Gemeinderat Günther Bentele und ihm selbst – entgegengestellt, sagte Noller. Bentele habe die Stimmung bei den kommunalen Volksvertretern mit den Worten „Des Glomb muss weg“ zusammengefasst. Aber es kam anders: Nachdem Bentele auffällige Farbverläufe an den Decken festgestellt hatte, wurden Malereien unter den Putzschichten des Hornmoldhauses, damals „Bürgerhaus“ und für elf Gastarbeiterfamilien genutzt, vermutet.
Sanierungsidee setzt sich durch
Ab 1976 sei dann nach und nach deutlich geworden, was sich hinter abgehängten Decken, Tapeten und unter grauem Putz an Kunstwerken aus der Renaissance verbarg. Zunächst noch gegen Widerstände aus Politik und Bevölkerung – nicht zuletzt wegen der hohen prognostizierten Kosten von 1,2 Millionen D-Mark, hätten sich die Instandsetzungsideen aber schließlich durchgesetzt. Der Gemeinderat stimmte im März 1977 der Sanierung nach den Plänen von Hans Noller zu. Nach der akribischen Freilegung von Bauteilen und einer Vielzahl von Sanierungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen sowie durch die Begleitung von Restaurator Norbert Malek konnte das Hornmoldhaus am 18. Juli 1979 als Stadtmuseum eingeweiht werden. Noller durfte dem damaligen Oberbürgermeister Manfred List symbolisch den Schlüssel überreichen. Später saniert wurden die zugehörige Scheuer mit neuem Quergiebel und das dadurch verbundene Hinterhaus.
Das „Renaissance-Wunderwerk“, wie es Noller nannte, sei ein Sanierungsvorbild für Renaissancebauten in ganz Süddeutschland. Im August 1981 erhielt die Gestaltung des Hornmoldhauses eine Auszeichnung beim Internationalen Farb-Design-Preis, verliehen an Noller und Malek, und 2006 den Holzbaupreis Baden-Württemberg.
