Bietigheim-Bissingen Einbrecher-Trio ist geständig

Von Bernd Winckler
Gut ein halbes Jahr und 29 Prozesstage lang wurde der Fall vor dem Heilbronner Landgericht verhandelt. Foto: dpa

Der lange Prozess neigt sich dem Ende, zu nachdem die Angeklagten Geständnisse abgelegt haben und Reue zeigen.

Nach gut einem halben Jahr Verhandlungsdauer und 29 Prozesstagen hat die 9. Große Strafkammer am Heilbronner Landgericht jetzt gegen drei mutmaßliche Mehrfach-Einbrecher eine umfangreiche Beweisaufnahme abgeschlossen (die BZ berichtete mehrfach). 28 Prozesstage lang hatte das Trio, dem die Heilbronner Staatsanwaltschaft 20 gemeinschaftliche schwere Banden-Wohnungseinbrüche vorwirft, geschwiegen und zwangen dadurch die Richter, die Beweisaufnahme über Monate hinaus auszudehnen – und letztlich sogar den Prozessplan um zehn weitere Verhandlungstermine zu ergänzen.

Geständnisse wurden erfasst und protokolliert

Davon jedoch müssen jetzt nur noch zwei Prozesstage abgearbeitet werden, ehe die Strafkammer die Urteile verkündet. Am gestrigen 29. Verhandlungstag am Landgericht wurden die Geständnisse der drei Angeklagten erfasst und protokolliert. Inzwischen haben sie zugegeben, dass sie ab Juli 2023 bis zur Festnahme im März letzten Jahres von ihrer damaligen Unterkunft in Ludwigsburg aus die Taten verübten.

Zugegeben wurde auch, dass einer von ihnen jeweils Tage vor der Tat Ausschau in der Gegend im gesamten Landkreis hielt, und man dann zu nächtlicher Stunde gemeinsam auf Tour ging. Dabei wurde in Einfamilienhäuser mehrfach in Bietigheim-Bissingen, in Tamm und einem Ludwigsburger Wohnviertel sowie Leonberg eingebrochen und Geld und Wertsachen entwendet. Allein in Bietigheim traf es laut Anklage acht Objekte.

29-Jähriger drang in die Gebäude ein

Der älteste 29-Jährige des Trios gab am gestrigen Prozesstag an, es stimme, dass er derjenige war, der den Auftrag hatte, in die Objekte einzudringen, nachdem sein jüngerer 28-jähriger Mittäter mit einem Werkzeug eine Eingangstüre aufgedrückt hatte. Der Angeklagte schränkt aber ein, dass er von der jeweiligen Beute nur einmal 1500 Euro erhalten hätte.

Den Gesamtschaden der Beute beziffert übrigens die Staatsanwaltschaft auf knapp über 300.000 Euro. Auch betonte der Angeklagte, er breche grundsätzlich nur dann in ein Haus ein, wenn er sicher sei, dass die Bewohner nicht anwesend sind. Und er sagt, er bereue die Taten.

Auch die beiden Mitangeklagten haben das Anmieten eines Fahrzeugs, die gewaltsamen Öffnungen verschiedener Fenster und Türen an den ausgesuchten Objekten in Bietigheim-Bissingen, Ludwigsburg, Leonberg und Tamm, zugegeben. Alle betonten gestern, dass die Taten wegen Geldnöten verübt wurden und sie es jetzt bereuen.

Bezüglich ihrer Herkunft machte das Trio an diesem Verhandlungstag ebenfalls erstmals Angaben. Die beiden gleichaltrigen 28-Jährigen wurden demnach in Albanien geboren, hatten dort den Schulabschluss – und sogar ein Hochschulstudium erreicht. Einer kam im Jahre 2022 nach Deutschland und wohnte bis zur Festnahme in Ludwigsburg.

Der 29-Jährige gibt an, dass er in seiner albanischen Heimat ab 18 Jahren als Leichtathletik-Profisportler Geld verdiente und Dreifacher Landesmeister wurde. Nach einer Sehnen-Verletzung habe er den Sport aufgegeben und als Schweißer gearbeitet, ehe er 2023 nach Deutschland kam. Er möchte nach der Haftentlassung wieder nach Albanien zurück.

Strafen zwischen sechs und acht Jahren stehen im Raum

Die Heilbronner Strafkammer hat nunmehr den Prozessfortgang auf den 12. September vertagt – dem Tag, an dem auch die Schlussvorträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung stattfinden und wahrscheinlich auch die Urteile gesprochen werden. Laut Vorgesprächen zwischen Gericht und Anwälten, stehen Strafobergrenzen zwischen sechs und siebendreiviertel Jahren zur Diskussion. Man wolle angesichts der Geständnisse unter zehn Jahren Haft bleiben.  Bernd Winckler

 
 
- Anzeige -