Bietigheim-Bissingen Eine Gaststätte für Untermberg

Von Petra Neset-Ruppert
Sie wären bereit, das Projekt finanziell und mit Tatkraft zu unterstützen: Jutta Morich, Nathalie und Michael Hagel, Ulli Vollmer und Bernd Klein vom Verein Sympathie für Untermberg hoffen, dass die ehemalige Gaststätte „Burgblick“ wiederbelebt werden kann. Foto: /Martin Kalb

Beim Bürgergespräch gab es für Untermberg nur ein drängendes Thema: Die ehemalige Wirtschaft „Burgblick“ soll wiederbelebt werden. 

Schon zu Beginn des Bürgergesprächs bei der Untermberger Kirbe am Montagabend erklärte der Erste Bürgermeister Michael Hanus den Untermbergern: „Uns fehlen leider knapp 15 Millionen Euro im Haushalt. Wir werden in Zukunft die Ausgaben und Einnahmen in Einklang bringen müssen.“ Und machte damit deutlich: Der Stadt fehlt es überall an Geld.

Diese Vorwarnung stellte er voraus, da er auf eine Anfrage des Vorsitzenden des Vereins Sympathie für Untermberg, Bernd Klein, reagierte. Dieser hatte sich an die Stadt gewandt, da sehr kurzfristig bekannt geworden sei, dass es einen Interessenten gäbe, der die ehemalige Gaststätte Burgblick in der Bissinger Straße gerne nutzen würde. „Das ist alles wünschenswert, aber ich mache ihnen da keine Hoffnung. Ich bitte um Verständnis, wenn wir dem Wunsch nicht entsprechen können“, so Hanus.

Online-Petition gestartet

Direkt danach ergriff Bernd Klein das Wort und erklärte die Entwicklung: „Diese Gaststätte könnte den Ort beleben, wo es außer dem Kinderhaus und dem Friedhof sonst nichts gibt.“ Da der derzeitige Pächter der TSV Bietigheim Gaststätte, David Pinna, sich verkleinern möchte und zum Ende des Jahres der Pachtvertrag ausläuft, habe er ein Auge auf die Untermberger Gaststätte geworfen, die seit vielen Jahren leer steht. Das habe sich „kurzfristig“ entwickelt, sagte Klein und so habe man spontan eine Online-Petition zur Wiederbelebung der Gaststätte gestartet, die am Montagabend bereits 419 Unterschriften gesammelt hatte.

Pinnas Vater habe bereits die Gaststätte in Untermberg betrieben, die „vor 30 Jahren mal richtig berühmt“ gewesen sei, erklärte Klein. Doch stellt der Vorsitzende klar: „Wir brauchen an der Stelle die Unterstützung der Stadt. Die Finanzlage ist natürlich das Totschlagargument schlechthin.“ Aber das Geld, das in die Renovierung fließe, sei kein „verlorenes Geld“, da über die Verpachtung ja auch wieder Geld zurück in die städtische Kasse fließe. Man müsste in diesem Fall auch kreativ sein und schauen, was möglich ist, so Klein. Der Verein sei auch bereit, die Renovierungskosten mit 5000 Euro zu unterstützen, denn die Vereinsaufgabe sei „die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität der Untermberger“, was die Gaststätte als ein Ort der Begegnung definitiv mit sich bringen würde.

„Im Moment sehe ich es einfach nicht. Es wäre ein sechsstelliger Betrag, den die Stadt hier investieren müsste“, antwortete Bürgermeister Hanus. Eine konkrete Zahl konnte er nicht nennen, da dazu erst ein Fachplaner sich die Gegebenheiten ansehen müsste.

Während Hanus keine Chancen sah, stellten sich die Gemeinderäte aller Parteien hinter das Anliegen der Untermberger und machten deutlich, dass sie das Vorhaben im Gremium unterstützen werden. Auch David Pinna meldete sich zu Wort und erklärte, dass er sich bereits im Juli an das Liegenschaftsamt gewendet hatte, da er auf der Suche nach einer leer stehenden Küche sei. Doch die gesamte Gaststätte zu betreiben, könne er sich auch vorstellen. Allerdings merkte er an: „Ich brauche eine gewisse Planungssicherheit. Zwei bis drei Monate kann ich überbrücken“, aber dann müsse er auch sehen, wie es weitergehe, betonte der Bietigheimer Gastronom.

Wenig Zeit für Planungen

Hanus hatte angemerkt, dass neben den Finanzen auch der Zeitfaktor ein Problem sein könnte: „Wir werden die nächsten Wochen nutzen“, versprach er. Doch ob sich bis zur Dezembersitzung des Gemeinderats ein Fachplaner die Küche der alten Gaststätte, die sich im gleichen Gebäude wie die Turnhalle befindet, finden lasse, könne er nicht versprechen. Zudem gab er zu bedenken, dass dann für die Vereine, die die leeren Räume derzeit nutzen, ein Ersatz gefunden werden müsse.

Mitanpacken für die Gaststätte

Trotz der Unterstützung des Gemeinderats wollten die Untermberger beim Bürgergespräch nicht einfach nur abwarten und kamen mit weiteren Vorschlägen auf: Untermberger, die durch handwerkliche Eigenleistung die Kosten reduzieren oder ob man durch den Verkauf des Großen Hauses einen Teil der Summe in die Finanzierung der Gaststättenrenovierung stecken könne, die Ideen waren vielseitig und kreativ. Die Untermberger zeigten der Verwaltung, dass sie die Finanznot sähen, doch auch bereit seien für ihre Gaststätte etwas zu tun. Auch Pinna bot an, sich an den Kosten beteiligen zu können, wenn nun zügig ein konkreter Plan stünde.

„Wenn das jetzt transparent und unter Einbeziehung aller vorgeplant, und die Kosten betrachtet werden, können wir auch schauen, wo wir mit Eigenleistung unterstützen können“, so Klein. Hanus versprach sowohl den Verein Sympathie für Untermberg, als auch den potenziellen Pächter Pinna bei der Planung und miteinzubeziehen.

 
 
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