In schwierigen Zeiten der christlichen Kirchen in Deutschland gibt es zumindest temporär für die katholischen Seelsorgeeinheiten von Bietigheim-Bissingen und Freiberg/Pleidelsheim/Ingersheim eine gute Botschaft. Der angehende Priester und geweihte Diakon Benjamin Betzler wird sich hier ein Jahr lang mit um die Seelsorge von tausenden Menschen kümmern.
Bietigheim-Bissingen Eine Kirche, die Menschen zuhört
Benjamin Betzler ist der neue Diakon der katholischen Seelsorgeeinheiten. Er sähe es gerne, wenn man in Sachen Gleichstellung in der Kirche Farbe bekennen würde.
Der Enddreißiger, in Ellwangen/Jagst geboren, wuchs in Oberkochen auf, machte dort auch sein Abitur, beendete sein Studium an Hochschulen in Aalen und Freiberg/Sachsen als Maschinenbau-Ingenieur und arbeitete in diesem Beruf – um sich dann gänzlich in Richtung Theologie umzuorientieren.
Priesterseminar in Rottenburg
Im Juni 2025 schloss er sein Theologie-Studium an den Universitäten in Tübingen sowie Berlin ab und begann im September darauf im Priesterseminar in Rottenburg. Am 28. Februar 2026 wurde er zum Diakon geweiht. Jetzt ist er also für ein Jahr an Enz und Neckar tätig. Danach geht es zurück nach Rottenburg, um sich auf die Priesterweihe vorzubereiten, die im Juli 2027 vorgesehen ist. Dem folgen noch vier Jahre als Vikar, bis die Gesamtausbildung beendet ist.
Als Diakon – nicht zu verwechseln mit nebenberuflichem Ständigem Diakon – ist er Assistent von Pfarrer Jens-Uwe Schwab. Und dies nicht nur bei den Messen, sondern auch in der Gemeinde-Fürsorge beziehungsweise Gemeinde-Seelsorge. Taufen, Heilige Kommunion, Begräbnisse, Predigten, Religionsunterricht an Schulen und demnächst auch Trauungen im Pastoralgebiet gehören mit zu seinem Ausbildungsprogramm im Diakonat. Herausforderungen, in denen er bereits angenehm positives Vertrauen der Menschen, etwa bei Ministranten, spüren durfte: „Sie trauen mir was zu“, sagt er.
Seinen neuen Weg als Diakon, ausgebildeter Moraltheologe und Ethiker, also ein Gottesmann, der sich auch mit der ethischen Dimension des menschlichen Handelns im Kontext des christlichen Glaubens beschäftigt, begründet er so: „Das Leben ist so schön, dass ich das auf angemessene Weise auch mit einer Aufgabe würdigen will, die es mir ermöglicht, Menschen nahe zu sein, wie es mir auf andere Weise, in meinem früheren Beruf, in dieser Form nicht möglich wäre“, sagt er: „So habe ich mehr Zeit für Seelsorge mit liturgischer Rückbesinnung für Menschen, und Kontakt zu ihnen.“
Voraussetzungen dazu seien nicht nur der Glaube, sondern neben einer theologischen Ausbildung, viel lesen und sich mit Dingen zu beschäftigen, die in heutiger Welt möglicherweise als fad gewertet werden, auch viel Sitzfleisch, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit zur Selbstreflexion in Bezug zu den Menschen sowie die Bereitschaft, sich auf Unsicherheiten einzulassen.
Eine Kirche, die zuhört
So wohl er sich in diesem durchaus komplexen Aufgabenfeld fühlt, sieht er in den Kirchenaustrittszahlen „natürlich ein ernstes Signal, ein Zeichen für Vertrauensverlust, das nicht vorschnell abgetan werden darf“. Die Gründe dafür glaubt er in einem Konglomerat, dem man nur mit einer Kirche, die Vertrauen zurückgewinnen wolle, begegnen könne. Eine Kirche, die den Menschen zuhört, die lernt und glaubwürdig handelt, so salbungsvoll das auch klingen möge.
Frauen anerkennen
Benjamin Betzler sähe es gerne, wenn man in Sachen Gleichstellung der Frau in der Kirche Farbe bekenne, redlich diskutiere und Würde und Charismen der Frauen in der Kirche nicht nur anerkenne, sondern auch sichtbar wirksam werden ließe. Dieses weltkirchliche Thema sei freilich in einer über Jahrhunderte hinweg gewachsenen Tradition nicht mit einem Federstrich lösbar.
Apropos Kirchenaustritte. Die These eines hohen protestantischen Geistlichen vor Jahrzehnten im Landkreis Ludwigsburg, wonach eine Gesellschaft ohne Rückbesinnung auf Gott bei Auschwitz ende, wertet der hochgewachsene, sympathische Diakon als „in der Zuspitzung zu weitgehend, zu gravitätisch und zu groß aufgetragen“.
Es sei nicht so, dass nur der Glaube Menschen beziehungsweise eine Gesellschaft zum Guten befähige. Jeder Einzelne müsse sich jedoch hinterfragen, wie er mit Macht und Verantwortung umgehe und er müsse sich an historische Abgründe erinnern, die zu Wachsamkeit mahnten – und das beginne natürlich bereits im Kleinen; und in motivationaler Hinsicht durchaus im Glauben.
