Ein halbes Jahrhundert – so lange gibt es das Berufliche Gymnasium in Bietigheim-Bissingen bereits. Um diesen Anlass gebührend zu feiern hatte Schulleiter Stefan Ranzinger zu einem kleinen Festakt inklusive Podiumsdiskussion eingeladen. Dabei hoben auch Landrat Dietmar Allgaier – nach eigener Aussage bekennender Anhänger des beruflichen Bildungssystems – , Absolventin Carolin Klöckner und Schüler Jaron Fricker die Vorteile des beruflichen Gymnasiums hervor. „Man kommt schneller im Leben an, ist näher an den Themen“, sagte Allgaier, der selbst einst ein berufliches Gymnasium besucht hat. Andreas Deuschle, seit wenigen Monaten Staatssekretär im Kultusministerium Baden-Württemberg sagte, dass die Schulform in den internen Abläufen des Ministeriums stärker als früher gewichtet werde.
Bietigheim-Bissingen Eine Schule feiert Geburtstag
Das Berufliche Gymnasium wird 50. Auf einer Podiumsdiskussion kamen aktuelle Themen aus dem Schulalltag zur Sprache.
Mehr Schulschwänzer
Seit er 2006 Schulleiter wurde habe sich viel getan, sagte derweil Stefan Ranzinger: Digitalisierung, Kriege, Klimawandel, Gefahren für die Demokratie. Ein derzeit großes Problem, sei dass immer mehr Schüler und auch Eltern den Schulbesuch nicht mehr ernst genug nehmen würden. In der Praxis führe dies zu gestiegenen Schulschwänzer-Quoten. Das Thema ziehe sich durch alle Schulformen, versicherte Andreas Deuschle. In der neuen Regierungskoalition werde man konkrete Maßnahmen erarbeiten, um den Schulleitern eine Handhabe zu geben, die Schulpflicht einzufordern, sagte er weiter.
Ein weiteres Problem, das die Schule derzeit umtreibe, sei der Umgang mit dem Smartphone, sagte Ranzinger. Von der Politik forderte er ein weitreichendes Smartphone-Verbot in den Schulen. Deuschle sagte, das man eine landeseinheitliche Regelung zu einem Smartphone-Verbot beschließen werde. Die genaue Ausgestaltung sei zwar noch offen, gehe es nach dem CDU-Politiker, gelte die Regelung jedoch vom Betreten bis zum Verlassen des Schulgeländes. Jaron Fricker, der die 12. Klasse des Technischen Gymnasiums besucht, widersprach: Tablets blieben schließlich weiter erlaubt und würden nahezu die gleichen Möglichkeiten der Ablenkung bieten. Auch erhalte man im Gegenzug keine alternativen Angebote, mit denen sich Schüler in den Pausen die Zeit vertreiben könnten. Hier schaltete sich Landrat Dietmar Allgaier ein, der kurzerhand versprach, der Schule zum 50. Geburtstag wahlweise einen Tischkicker oder eine Tischtennisplatte zu spendieren.
Sparen auch bei den Schulen
Ob Schulen angesichts defizitärer kommunaler Haushalte mit Kürzungen zu rechnen hätten, wollte Moderatorin Amber Sayah vom Landrat wissen. Dieser sagte, dass notwendige Einsparungen alle Bereiche treffen würden – auch die Schulen. Allerdings werde man den Bildungsbereich im Verhältnis zu anderen Themen geringer belasten, versprach er. Auch in Zukunft werde man darüber hinaus in die Schulen investieren.
In Sachen Demokratiebildung sprachen sich Stefan Ranzinger und Jaron Fricker für einen Ausbau des bestehenden Angebots aus. Zwei Stunden Geschichte und Gemeinschaftskunde in der Woche reichten nicht aus, um sich umfassend mit wichtigen Themen der Vergangenheit und der Gegenwart zu beschäftigen. Da reiche es auch nicht, wenn einzelne Kollegen großes Engagement zeigten, strukturell müsse dieser Bereich gestärkt werden, forderte der Schulleiter. Reuschle versprach, das Anliegen mitzunehmen.
Zum Schluss richtete Ranzinger noch einmal einen Appell an den Landkreis als Schulträger: In vielen Klassenzimmern herrschten demnach in den vergangen Wochen Temperaturen über 30 Grad Celsius. Das sei kein guter Zustand. Möglichst bald möge der Kreistag die Klimatisierung der Schulen auf die Agenda setzen. Yannik Schuster
