Die Hitzewelle hat das Land seit geraumer Zeit fest im Griff.
Bietigheim-Bissingen Eltern fordern mehr Schutz vor Sonne und Hitze an den Schulen
In einem Brief an die Stadtverwaltung ist von dringendem Handlungsbedarf die Rede. Unter anderem werden Ventilatoren und mehr Wasserspender verlangt.
insbesondere die letzten Wochen haben uns allen deutlich vor Augen geführt, dass extreme Hitzeperioden längst keine Ausnahmeerscheinung mehr sind, sondern eine feste Realität, mit der unsere Kinder, Lehrkräfte und alle, die täglich an unseren Schulen arbeiten, konfrontiert sind“, heißt es in dem Schreiben, das von Florentine Kochanski, Lumturije Dakaj-Rrananaj und Stephanie Prachowsky unterzeichnet ist.
Kinder und Jugendliche würden einen Großteil ihres Tages in der Schule verbringen, häufig gerade in den heißesten Stunden zwischen 11 und 16 Uhr. „Klassenräume, die sich unter praller Sonneneinstrahlung auf weit über 30 Grad aufheizen, sind keine Umgebung, in der konzentriertes Lernen möglich ist“, bemängeln die Elternvertreter.
Viele Klagen aus den Schulen
Angeführt werden Kreislaufprobleme, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen und im Extremfall Hitzschlag oder Hitzeerschöpfung als mögliche Folgen für die Kinder. Aber auch für Lehrkräfte, insbesondere ältere Lehrer oder Personen mit Vorerkrankungen, stelle anhaltende Hitzebelastung am Arbeitsplatz ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Risiko dar. „Es gab – zum Glück – unseres Wissens nach keine akuten gesundheitlichen Probleme, aber viele berechtigte Klagen von Schülern, Schülerinnen und Lehrkräften über die Bedingungen an den Schulen“, teilt Florentine Kochanski auf BZ-Nachfrage mit. Auch durch Kurzbesuche an den Schulen habe man einen kleinen Eindruck von den dortigen Bedingungen gewonnen, „die uns ebenfalls zu diesem Brief veranlasst haben“, so die Elternvertreterin.
Von der Stadtverwaltung werden deshalb Gegenmaßnahmen gefordert, auch wenn man sich bewusst sei, dass eine angespannte Haushaltslage herrsche. Doch Gesundheitsschutz sei keine freiwillige Zusatzleistung, sondern „eine grundlegende Fürsorgepflicht“ gegenüber den Kindern, die den Schulen anvertraut seien, meinen die Verfasser. Wo größere Investitionen zeitlich oder finanziell nicht sofort realisierbar seien, erwarte man zumindest kurzfristige, kostengünstige Sofortmaßnahmen.
So wird in den Schulgebäuden die Bereitstellung und Nutzung von außen liegendem Sonnenschutz wie Rollläden, Jalousien oder Markisen an besonders betroffenen Fenstern verlangt. Mobile Ventilatoren und, wo möglich, mobile Klimageräte sollten für besonders belastete Klassen- und Aufenthaltsräume angeschafft werden. Auch die Stundenpläne gehören nach Meinung des Gesamtelternbeirats an heißen Tagen angepasst, „sodass anstrengende oder konzentrationsintensive Fächer in die kühleren Morgenstunden gelegt werden“.
Weitere kurzfristige Maßnahmen sollten „eine konsequente Nutzung der Nachtauskühlung durch frühmorgendliches, kurzes und intensives Lüften vor Unterrichtsbeginn“ und die Bereitstellung von ausreichend Trinkwasser, etwa durch zusätzliche Wasserspender, oder die ausdrückliche Erlaubnis, während des Unterrichts zu trinken, sein.
Nötig halten die Elternvertreter ferner verbindliche Hitzeschutz-Handlungsleitfäden für Lehrkräfte, inklusive klarer Kriterien für frühzeitigen Unterrichtsschluss oder Hitzefrei. Im Außenbereich werden von den Elternvertretern die kurzfristige Bereitstellung von Sonnensegeln oder mobilen Sonnenschirmen über Pausenhof- und Spielbereichen, die Verlagerung von Pausen- und Sportzeiten in kühlere Tageszeiten und die Ausweisung und Kennzeichnung schattiger Bereiche auf dem Schulgelände als bevorzugte Aufenthaltsorte während heißer Tage. Zudem die Anpassung oder das Aussetzen von Sportunterricht im Freien bei hohen Temperaturen verlangt. Alternativ könne der Sport auch in schattige oder klimatisierte Innenräume verlegt werden.
Beispiel Stuttgart
Handlungsbedarf herrscht laut Florentine Kochanski an allen Schulen, wobei dieser je nach Bauart, Alter oder Lage individuell herausgearbeitet werden müsse. Als beispielhaft gilt für sie die Stadt Stuttgart, die bereits in der letzten Woche einen Plan veröffentlicht habe, der sowohl Sofortmaßnahmen als auch längerfristige Maßnahmen zum Hitzeschutz an Schulen umfasse.
Für die Stadtverwaltung erklärt Sprecherin Anette Hochmuth auf Nachfrage, man sehe die Notwendigkeit von verstärkten Hitzeschutzmaßnahmen seit Längerem. „Es wurden im letzten Jahr bereits eine Hitzeschutzkommission eingesetzt und verschiedene Datenerfassungstools eingerichtet, um an diversen kritischen Plätzen, insbesondere auch Arbeitsplätzen im Bereich der Stadt und der Kitas, Messwerte zu erhalten.“
Stadt: Thema bleibt auf Agenda
Bei Schulen sei allerdings zu beachten, dass nicht nur technische Lösungen, sondern auch organisatorische Maßnahmen hilfreich sein könnten. Dafür sei die Schulleitung in Abstimmung mit der Kultusverwaltung gefragt.
Ein flächendeckender Einbau von Kühlgeräten in allen Schulräumen, wie er gefordert wird, sei „finanziell kaum verantwortbar“, so die Sprecherin weiter. Das würde zudem Folgeprobleme nach sich ziehen, erklärt Hochmuth mit Blick auf Stromversorgung oder Wartung. Daher müsse eine Vielzahl von Maßnahmen geprüft werden.
Die Stadt verschließe sich dieser Aufgabe nicht, betont die Sprecherin, könne jedoch nicht kurzfristig agieren, sowohl aus finanziellen wie praktischen Problemen. Das Thema werde daher auch in Zukunft auf der Agenda stehen und bearbeitet werden.
