Bietigheim-Bissingen Elternbeteiligung im Visier

Von Uwe Mollenkopf
Ein Tablet im Einsatz in einem Klassenzimmer. Foto: dpa/Heiko Rebsch

Die Schuldigitalisierung wird zu einer finanziellen Daueraufgabe in der Stadt. Vom Land werden weniger Mittel als bisher erwartet.

Die Digitalisierung der Schulen in Bietigheim-Bissingen schreitet weiter voran – jetzt mit verwaltungsinterner Expertise. Nachdem die Verwaltung zwei bis drei Jahre lang extern unterstützt worden sei, habe man das Know-how zurück ins Rathaus geholt, sagte der Erste Bürgermeister Michael Hanus in der jüngsten Sitzung des Schulbeirats. Nämlich in Gestalt von Willi Herzog (52), der nach 25-jähriger Tätigkeit in der freien Wirtschaft seit 1. September letzten Jahres für die Schuldigitalisierung in der Stadt zuständig ist.

Zentraler Server im Ellental

Wie vom Gemeinderat beschlossen, sollen die Schulen einen einheitlichen IT-Support durch die Firma PiraCon erhalten. Dazu wurde an den Ellentalgymnasien im Schuljahr 2025/26 ein Pilotprojekt gestartet, erläuterte Herzog im Beirat. Weitere Schulen sollen folgen, abhängig von der Serverzentralisierung und der Migration der jeweiligen Daten auf die Schulplattform IServ. Für die Zentralisierung stehe im Ellental „ein leistungshungriger Server“ bereit, sagte Herzog. Abschluss soll im Schuljahr 2026/2027 sein.

Ein weiteres Vorhaben sei die Einführung einer Schulverwaltungscloud mit „Komm.ONE“, dem IT-Dienstleister für die Kommunen in ganz Baden-Württemberg, berichtete der Digitalisierungsbeauftragte. Pilotprojekte dazu an der Sandschule und in den Ellentalgymnasien seien bereit abgeschlossen. Auch hier sollen alle weiteren Schulen im Schuljahr 2026/2027 folgen.

Hoffen auf Digitalpakt II

Bei der Finanzierung der Schuldigitalisierung hofft die Stadt nach den Worten von Hanus auf den Digitalpakt II des Bundes. Dieser sieht vor, dass bis 2030 insgesamt fünf Milliarden Euro fließen. Davon würden 655 Millionen auf das Land Baden-Württemberg entfallen, 109 Millionen pro Jahr, rechnete Ulrich Heckmann, der Abteilungsleiter Schulen in Bietigheim-Bissingen, vor. Pro Schüler und Lehrer seien das allerdings nur 67 Euro im Jahr, veranschaulichte er die Dimensionen. Hinzu komme, dass finanzielle Mittel vom Land nicht mehr so umfassend sein würden wie bisher, so Heckmann weiter.

Als eines der größten Probleme gilt die Lebensdauer der digitalen Endgeräte, die laut Hanus vier bis fünf Jahre beträgt. Nachdem die ältesten Geräte aus dem Jahr 2020 sind, müssten diese bald ausgemustert und durch neue ersetzt werden. Das sei mit erheblichen Kosten verbunden, sagte Heckmann im Beirat und folgerte daraus: „Wir werden und müssen über Elternbeteiligung reden.“

Julia Essich-Föll, die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende am Gymnasium II im Ellental, wünschte sich, dass bei den Beratungen auch die Eltern mit „ins Boot geholt“ würden. Hanus sicherte zu, man wolle darüber „ins Gespräch gehen“.

Suche nach bestem Modell

Im Moment sei die Verwaltung aber noch auf der Suche nach dem besten Modell, so der Bürgermeister. Am Ende müsse dann der Gemeinderat entscheiden. Er fügte hinzu, dass die meisten Kommunen im Land und bundesweit bereits eine Elternbeteiligung hätten. Nicole Stockmann, die Leiterin des Gymnasiums I im Ellental, sah darin aber auch eine Chance. Im Moment sei es so, dass die Schüler ihre Tablets abgeben müssen, wenn sie die Schule verlassen, was bei einer Beteiligung anders würde. Generell sei die Komplettausstattung mit Geräten, wie es sie in Bietigheim-Bissingen gebe, im Vergleich zu anderen Kommunen „der große Ausnahmefall“, hob sie lobend hervor.

 
 
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