Christel Bausenharts Liebe zu den Elfpunkteengeln der Firma Wendt und Kühn begann 1958 auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Damals war die heutige Bietigheimerin 18 Jahre alt und mit dem ersten eigenen Geld kaufte sie sich ihren ersten Engel, auf dessen grünen Flügeln jeweils elf Punkte sind. „Es war ein Geiger und er kostete 2,75 Mark, das Preisschild klebt noch heute unter dem Engel“, sagt die gebürtige Stuttgarterin. Von diesem Preis können Sammler der als „Grünhainichener Engel“ bekannten Figuren nur noch träumen. Eine der kleinen Figuren kostet, je nach Gestaltung zwischen 30 und 60 Euro. „Da kommen bei mir schon einige Tausend Euro zusammen“, so Bausenhart. Denn von da ab kaufte sie sich erst mal jedes Jahr einen Engel, dann auch mehrere. Sie hatte sich „verliebt in die kleinen Figuren“, sagt sie.
Bietigheim-Bissingen Engel mit elf Punkten auf grünen Flügeln
Christel Bausenhart sammelt seit 67 Jahren die berühmten Produkte aus der Keramikwerkstatt Wendt und Kühn in Grünhainichen.
An die 70 Elfpunkteengel
Wie viele Engel sie hat, kann sie gar nicht genau sagen, aber es seien wohl so an die 70. Alleine das „Himmelsorchester“, das auf einer eigenen Himmelsbühne steht, besteht wohl aus 40 Figuren. „Jeder einzelne der kleinen Engel erfreut mein Herz“, sagt sie. Anders kann sie ihre „Sammelsucht“ wie sie sie nennt, nicht beschreiben. Immer wenn in der „Elfpunktepost“ der Firma Wendt und Kühn, die sie zweimal im Jahr zugesandt bekommt, ein neuer Engel beschrieben wird, muss sie sich entweder zurückhalten oder ihn einfach haben. Sie kauft diese aber nicht direkt, sondern auf Weihnachtsmärkten oder in Spezialgeschäften oder aber, wenn sie im Erzgebirge war. Erst nach 1989, der Wende, kam man außer auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt auch anderswo an die Grünhainichener Engel aus dem Osten der Republik. Eigentlich will sie nur noch die limitierten Jahresgaben, die auf einem echt goldenen Sockel stehen, kaufen. „Das Orchester zusammen zu bekommen, war die Aufgabe meines Lebens“, sagt sie. Besondere Stücke, wie eine Spieluhr mit Engeln oder einen großen Engel, der auf einem Stern sitzt, bekam sie von ihrer Familie geschenkt. In der Adventszeit werden die Engel aus dem Keller geholt und als Orchester und in der Winterlandschaft oder auf dem Weihnachtsbaum platziert. „Am aufwendigsten ist das wieder Wegräumen“, so Bausenhart. Denn dann wird jeder einzelne Engel mit dem Pinsel abgestaubt und einzeln verpackt.
Firma Wendt und Kühn
Das Unternehmen wurde am 1915 Grete Wendt und Margarete Kühn in Grünhainichen gegründet. Im Jahr 1923 entwarf Grete Wendt als Weihnachtsgabe drei Engel – mit Fackel, mit Geige und mit Flöte – mit grünen Flügeln und elf weißen Punkten. Seit 1925 sind diese Engel als Grünhainichener Engel markenrechtlich geschützt. Im Jahr 1946 wurden 50 Prozent der Firma enteignet, Grete Wendt musste sie 1947 zurückkaufen. Die endgültige komplette Verstaatlichung erfolgte 1972 und die Firma war ab 1981 Teil des Kombinats Erzgebirgische Volkskunst.
Am 1. Juli 1990 startete Hans Wendt den Neubeginn der „Wendt & Kühn KG“ in Grünhainichen. Im Oktober 1997 trat sein Sohn Tobias Wendt in die Firma ein. Von 2002 bis Ende 2010 leitete er das Unternehmen. Seit dieser Zeit liegt die Firmenleitung in den Händen von Florian Wendt und Claudia Baer, geb. Wendt.
Bis heute bilden mehr als 2500 von Grete Wendt und der Gestalterin Olly Wendt überlieferte Figurenentwürfe die Grundlage des Sortiments. Die Figuren werden wie vor 100 Jahren in Handarbeit in den Werkstätten in Grünhainichen gefertigt. Jedes Jahr kommen weitere Figuren zum Sortiment. Es sind vor allem die Grünhainichener Elfpunkteengel, die die Traditionsmarke ausmachen. In fast 150 verschiedenen Varianten, meist als Musikanten, sind sie weltweit bekannt.
Es werden Spieldosen, Wanduhren, Leuchter sowie die Margaritenengel, Blumenkinder, Osterfiguren und Wandkalender mit Jahresfiguren hergestellt. Das Sortiment umfasst derzeit 400 Figuren. In den letzten Jahren ergänzten limitierte Sammeleditionen wie die Jahres-Goldeditionen das Verkaufssortiment.
