Bietigheim-Bissingen Ensemble in Hochstimmung

Von Walter Christ
Zum 25-jährigen Bestehen machte sich die „Chorporation“ und den zahlreichen Gäste in der Bietigheimer Kelter mit einem mitreißenden Konzert ein schönes Geburtstagsgeschenk. Foto: /Martin Kalb

Chorporation“ besteht seit 25 Jahren und feiert dies mit einer mitreißenden Gesangsgala in der voll besetzten Kelter. 

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ie Intention der CVB-Tochter-Verantwortlichen um Alwin Friederichs, ein Vierteljahrhundert Chorporation nicht altbacken mit langen Reden, Ehrungsritualen und dergleichen zu feiern, sondern mit einer peppigen Gesangsgala, war eine gute. In der bestens besuchten Bietigheimer Kelter herrschte am Samstagabend jedenfalls Feststimmung. Zwei Stunden lang begeisterte eine Symbiose aus Tradition und Moderne auf hohem Niveau die Anwesenden.

Verstaubtes Image war gestern

Der Festabend reflektierte somit auch gleich ein wenig den Trend in Deutschlands Chor-Szenerie, wonach das verstaubte Image hinter sich gelassen werden konnte und es im Amateur-Chor-Gesang einen deutlichen Aufschwung gibt. Insbesondere im modern ausgerichteten Bereich. Weihnachtslieder in Fußball-Arenen, Kneipensingen und Hochschul-Chöre seien nur einige Beispiele für ein ermutigendes Comeback der Chormusik, sagen die Experten und Statistiken.

Bei der von René Ossenberg professionell, charmant und amüsant moderierten Veranstaltung, bei der seine zeitgeistige Retro auf die vergangenen 25 Jahre Chorporation vom „Setzling bis zum sehr, sehr stattlichen Baum“ reichte, war gespickt mit internationalen Ohrwürmern. Nach stehendem Applaus, Trampeln und Jubelrufen der Gäste war eine Zugabe selbstverständlich, ehe das von allen gemeinsam gesungene „Gute Nacht, Freunde“ das beeindruckende Finale bildete. Passend war schließlich auch das „Raindrops keep falling on my head“ – draußen goss es in Strömen.

Intoniert wurde zuvor das Festkonzert allen voran vom Jubilar Chorporation, „ein Resonanzkörper, kein bloßer Verein“, der allein schon 14 Songs der insgesamt über 20 vortrug. Die Skala reichte dabei vom wunderschön sanft gesungenen Simon & Garfunkel-Hit „The Sound of Silence“ über „Hey Jude“ und „Killing me softly“ bis hin zu einem global mit am meisten interpretierten „Hallelujah“ des kanadischen Songwriters Leonard Cohen. Eine melancholische Botschaft mit Gänsehaut-Effekt versteht sich.

So klingt der Geheimagent

Legenden wie Gerd Fröbe, Roger Moore und Daniel Craig ließen beim originell und virtuos vorgetragenen „James Bond Medley“ des Metterzimmerer Chors Bel Canto grüßen. Beste Stimmung herrschte allerdings auch beim Auftritt der Altvorderen des Traditionsvereins Chorvereinigung Bietigheim, als diese Gemeinschaft an Udo Jürgens mit „Ich war noch niemals in New York“ erinnerte oder „Oh Champs Elysées“ zu Gehör brachte. Das Publikum war erst recht begeistert, als Marie-Hélène Stiefel bei diesem Klassiker mit einem Solo auf Französisch glänzte. Eine willkommene Dreingabe, präzise synchron, war schließlich auch der Auftritt des Oktetts „EnzToneRiders“, einem Ableger des Chorporations-Baumes.

Beifall gab es für Dirigentin Natasha Lopéz – die seit sieben Jahren aus Stuttgart anreist, um den Chor zum immer homogeneren und angeseheneren Klangkörper weiter zu formen – sowie für Renate Holzknecht-Schill, die Leiterin des Chorvereinigung-Ensembles, und für die musikalischen Begleiter Stephen Brielmayer am Piano, Luc Raynoschek am Schlagzeug und Magnus Wiedemann am Bass. Dass Bel Canto seinen Auftritt ohne das Dirigat des verhinderten Klaus Breuninger meisterte, war dem Publikum ebenso viel Applaus wert.

 
 
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