Bietigheim-Bissingen Enztown-Festival: Zeichen für Demokratie

Von Dietmar Bastian
Zum Abschluss des Festivals spielte „Spicy Roots“ in Bissingen druckvollen, bläserbetonten Ska. Foto: /Martin Kalb

Beim zweiten Enztown-Festival verbinden fünf Bands, Redebeiträge und Mitmachangebote Musik mit gesellschaftlichem Engagement. 

Auf der Bühne werden letzte Vorbereitungen getroffen, unter großen Sonnenschirmen stehen Bierbänke bereit. Foodtrucks bieten internationale Speisen an, dazu gibt es Getränke, Kaffee und Kuchen. Kinder versuchen sich im Jonglieren und Balancieren, während immer mehr Besucher auf das Wiesengelände strömen. Es ist eine entspannte, fast familiäre Atmosphäre, mit der am Samstagnachmittag das zweite Enztown-Festival in Bissingen beginnt. Doch die Veranstaltung will mehr sein als ein sommerliches Musikfest. „Bi-Bi bleibt stabil“ lautet das Motto. Dahinter steht ein Bekenntnis zu Demokratie, Vielfalt und Solidarität – und gegen Ausländerhass und gesellschaftliche Ausgrenzung.

Das Kollektiv hinter Enztown

Ein junges Paar aus Bissingen ist mit seinen drei Kindern zwischen sieben und 13 Jahren gekommen. Die Familie will ein Zeichen setzen, Freunde treffen, gute Musik hören und den Kindern ein paar schöne Stunden ermöglichen. Eine Antwort, die ziemlich genau beschreibt, worauf die Veranstalter abzielen. „Dieses Festival ist nicht einfach eine Konzertveranstaltung“, sagt Daniel Behrens, einer der Initiatoren. Es solle ein Ort der Begegnung sein.

Hinter Enztown steht ein Kollektiv von mehreren Dutzend politisch und gesellschaftlich engagierten Menschen. Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr wurde die Kulturinitiative Enztown Bietigheim-Bissingen und Umgebung gegründet. Mehr als 40 Mitglieder zählt der gemeinnützige Verein mittlerweile, über 65 Helferinnen und Helfer sind beim Festival im Einsatz. Mitglieder der Initiative, des Jugendhauses, des DLRG und weiterer Vereine sorgen dafür, dass der Betrieb funktioniert. Auch an den Informations- und Verpflegungsständen, bei den Kinderangeboten und hinter den Kulissen wird ehrenamtlich gearbeitet. Enztown soll ausdrücklich kein Festival nur für eine bestimmte politische Szene sein. Die Veranstalter wollen Familien und Jugendliche ebenso erreichen wie Kulturinteressierte, Nachbarn und politisch Andersdenkende. Der Austausch über unterschiedliche Ansichten hinweg gehöre zu einer lebendigen Demokratie.

„Rock gegen Rechts“

Die Wurzeln des Projekts reichen zu den selbstorganisierten Festivals und Konzertreihen der 1990er- und 2000er-Jahre zurück. Viele der heute Beteiligten engagierten sich bereits damals bei Veranstaltungen wie „Rock gegen Rechts“ in Ludwigsburg und Bietigheim. Mit Enztown ist daraus ein neues, breiter angelegtes Format entstanden. Das schöne Sommerwetter trägt seinen Teil zur friedlichen Atmosphäre bei. Junge Familien, ältere Besucher und Jugendliche verteilen sich auf dem Gelände. Die einen sitzen an den Bierbänken, andere bleiben vor der professionell ausgestatteten Bühne stehen, Kinder nutzen die Mitmachangebote oder den nahe gelegenen Spielplatz.

Fünf Bands sorgen bis zum späten Abend für Musik. Auf Newcomer „Rêverie“ folgen der melodische Punkrock von „Der Ganze Rest“, „Limanjas“ Mix aus Rock, Funk und orientalischen Klängen sowie der Indie-Sound von „Kabinett“. Den Abschluss bildet „Spicy Roots“ mit druckvollem, bläserbetontem Ska.

Zwischen den Konzerten gehören Redebeiträge zum Konzept. Daniel Behrens erinnert daran, dass viele Menschen derzeit Verunsicherung erlebten. Sorgen um Arbeitsplätze, steigende Kosten und die Zukunft könnten das Gefühl hervorrufen, nicht mehr gehört zu werden. Gefährlich werde es, wenn solche Stimmungen genutzt würden, um Schuldige zu präsentieren und Menschen gegeneinander auszuspielen.

Kultur kann verbinden

Nicht Vielfalt sei das Problem, auch nicht die Herkunft von Menschen. Eine demokratische Gesellschaft müsse vielmehr darauf achten, dass niemand zurückgelassen werde. Damit schlägt Daniel Behrens den Bogen zum Festival, das für Kultur, Solidarität, Demokratie, Frieden und Menschlichkeit stehen solle. Kultur könne Menschen verbinden und zeigen, dass Zusammenhalt kein leeres Wort sei. Auf dem Bissinger Wiesengelände wird dieser Gedanke für einige Stunden lebendig. Politische Botschaften werden nicht mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, sondern sind Teil eines Festes, das vor allem von Begegnung lebt.

Das Festival ist zugleich nur ein Teil dessen, was die junge Kulturinitiative organisiert. Seit ihrer Gründung hat sie neben dem Newcomer-Contest auch Fahrradtouren, Vorträge, Lesungen und politische Bildungsveranstaltungen auf die Beine gestellt. Nach der Premiere 2025 ist das zweite Enztown-Festival ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Entscheidend ist dabei weniger die Größe als die Erfahrung, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, gemeinsam Musik hören und erleben, wie unkompliziert gesellschaftliche Vielfalt sein kann. „Bi-Bi bleibt stabil.“

 
 
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