Die Diakoniestation Bietigheim-Bissingen hat 2024 zum ersten Mal einen Fehlbetrag von 150.000 Euro erwirtschaftet, wie die BZ aus einer anonymen Quelle erfahren hat. Das Defizit konnte der Verein aus eigenen Rücklagen ausgleichen, die Stiftung für die Diakoniestation Bietigheim-Bissingen hat sich an dem Ausgleich dieser Summe nicht beteiligt. Die BZ hat bei der Station nach den Gründen für den Fehlbetrag gefragt und bei der Stiftung nach deren Förderprinzipien.
Bietigheim-Bissingen „Es war für uns ein Weckruf“
Die Diakoniestation Bietigheim-Bissingen hat 2024 ein Defizit erwirtschaftet. Was die Gründe dafür waren und welche Rolle die Stiftung dabei spielt.
„Wir arbeiten nicht chronisch defizitär“, sagt der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Diakoniestation, Joachim Kölz. „Unser Anspruch ist eine schwarze Null“, ergänzt der neue geschäftsführende Vorstand Ralf Pohl. Doch wie kam es 2024 zu dem Defizit? Den Grund dafür sieht der Verein vor allem in den Personalkosten. Das diakonische Profil der Einrichtung führe im Vergleich zu anderen Einrichtungen zu höheren Ausgaben – zum Beispiel, wenn der Verein bei erkrankten Mitarbeitern die Differenz zwischen Krankengeld und Gehalt zahlt. Der Ausfall durch langzeitkranke Mitarbeiter hätte zudem über Personal von Zeitarbeitsfirmen aufgefangen werden müssen „und Zeitarbeit ist teuer“, sagt er. Auch die Tarifsteigerung der Mitarbeiterlöhne werde nicht vollständig von den Pflege- und Krankenkassen ersetzt.
Den Fehlbetrag von 2024 habe die Diakoniestation aus eigenen Rücklagen gedeckt, die Station sei weit entfernt von einer Insolvenz, „aber es war ein Weckruf“, sagt Kölz. Mit dem neuen geschäftsführenden Vorstand Pohl, der seit 1. August im Amt ist, nehme die Station Aufgaben zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung etwa bei der Wundversorgung in Angriff, sagt Elmar Schwager, der übergangsweise als geschäftsführender Vorstand tätig war. Der Abschluss der betriebswirtschaftlichen Auswertung steht noch aus, aber Joachim Kölz geht davon aus, dass der Verein in 2025 nur noch mit einem Fehlbetrag von rund 25.000 Euro abschließen wird. Mit der Stiftung sei die Station in Gesprächen, sagt er.
Förderung durch Zuschüsse
Warum hat sich die Stiftung für die Diakoniestation, deren Zweck es laut Satzung ist, den Verein Diakoniestation bei seinen satzungsmäßigen Aufgaben „laufend ideell und durch Zuschüsse“ zu fördern, nicht am Ausgleich des Defizits beteiligt? Und warum floss 2025 mehr Geld von der Sozialstation an die Stiftung als umgekehrt? Der BZ liegen Informationen vor, dass der Verein Diakoniestation rund 93.700 Euro an die Stiftung zahlte – für Mieten in der Gartenstraße 40, Mieten für Garagen und Wallboxen sowie Nebenkosten. Im gleichen Zeitraum zahlte die Stiftung an die Station rund 17.900 Euro für eine Kaffeemaschine, ein Beet, die Beklebung eines Autos sowie Mieterstattungen. Nach den Zahlen der Stiftung für die Diakoniestation waren es hingegen rund 55.900 Euro an Zuwendungen für die Station im Jahr 2025.
Als „Infamie“ bezeichnet Rudolf Bayer, erster Vorsitzender der Stiftung der Diakoniestation, den Vorwurf, die Stiftung würde mehr Geld erhalten als der Diakoniestation zukommen lassen. „Der Erhalt der Diakoniestation ist unser einziger Zweck“, betont er. Der Galerist, der selbst mehr als 20 Jahre lang Vorsitzender der Diakoniestation war, erklärt, die Stiftung sei 2003 gegründet worden, um die Einrichtung für die Zukunft abzusichern.
Die Stiftung sei eine „Erfolgsgeschichte“, über die Jahre sei das Stiftungskapital immer weiter gewachsen. Inzwischen verzeichne man mehr als 1000 Zustiftungen pro Jahr in einer Größenordnung von 20 bis 300 Euro. Aus den Erträgen des Stiftungskapitals seien bisher mehr als 283.700 Euro an die Diakoniestation geflossen, rechnet Stiftungsverwalter Rolf Schnee vor.
Das Stiftungskapital wird laut Rudolf Bayer vor allem in Immobilien angelegt, wobei das Haus in der Gartenstraße 40 im Wohngebiet Buch im Fokus steht. So habe die Stiftung die Räume im Erdgeschoss des Gebäudes, in denen sich die Diakoniestation befindet, erworben, um dieser dauerhaft eine feste Bleibe zu sichern. Es wurden weitere Wohnungen im Erdgeschoss gekauft, in denen eine Tagespflege eingerichtet wurde, ebenso die frei werdenden Räume des Hospizes nach dessen Auszug und Wohnungen, die vergünstigt an Pflegekräfte der RKH Kliniken vermietet werden. Auch eine aus der Ukraine geflohene Frau wohnt darin.
Probleme in der Kommunikation
Perspektivisch sei es die Absicht der Stiftung, das gesamte Haus zu erwerben, sagt Bayer, um aus den Erträgen den dauerhaften Fortbestand der Stiftung zu gewährleisten. Die Miete, die die Diakoniestation zahlen muss, sei ortsüblich, würde jedoch durch Rückerstattungen reduziert. Wäre die Stiftung nicht Vermieter, müsse die Einrichtung mit einer viel höheren Miete rechnen. Bei einer Notlage der Diakoniestation würde die Stiftung einspringen, betont Bayer, einen solchen Ruf habe es aber bisher nicht gegeben. Dagegen sei man nicht dazu da, ein Fehlverhalten mitzutragen.
Es habe in der Vergangenheit Kommunikationsprobleme zwischen Diakoniestation und Stiftung gegeben, räumt Bayer ein. Nach den Gesprächen, die es mit der neuen Leitung der Station gegeben habe, sei er aber zuversichtlich, dass das Ganze wieder ins Lot komme.
