Im klaren, noch komplett ruhigen Wasser des Schwimmbeckens spiegelten sich die großen Fenster, während sich am Eingang bereits eine kleine Schlange gebildet hatte, denn einer der für die Anmeldung eingesetzten Computer funktionierte leider nicht wie gewünscht. Schneller Ersatz musste gefunden werden.
Bietigheim-Bissingen Es wird wieder gekrault und gepaddelt
Bereits zum 38. Mal fand an diesem Wochenende das 24-Stunden Schwimmen des Schwimmvereins Bietigheim statt. Wie in jedem Jahr war auch dieses mal der Andrang groß.
Startschuss fällt pünktlich
Trotzdem gab Michael Bertet, der 1. Vorsitzende des Schwimmvereins, pünktlich um 14 Uhr den Startschuss für das diesjährige 24-Stunden Schwimmen: „Dann dürft ihr ab jetzt los – viel Spaß“, rief er den wartenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu – unter ihnen die fünfzehnjährige Klara aus Ingersheim: „Ich habe mir vorgenommen zehn Stunden zu schwimmen“, erklärte sie und wollte damit ihr eigenes Ergebnis vom letzten Jahr überbieten. Mindestens 50 Meter ohne Hilfsmittel schwimmen zu können, gehörte ebenso zu den Teilnahmebedingungen wie das Erwerben einer Startkarte an der Kasse. Dort waren inzwischen fünf Computer im Einsatz und immer mehr Wasserratten baten geduldig um Einlass.
Nachdem sie im letzten Jahr Premiere gefeiert hatten, wurden auch diesmal wieder die nützlichen Transponder verteilt. Durch sie konnten die geschwommenen Runden unkompliziert gezählt werden. Es brauchte keine Menschen mehr zum punktgenauen Mitzählen und so standen den ungefähr 400 erwarteten Schwimmerinnen und Schwimmern insgesamt 128 Helferinnen und Helfer aus dem Schwimmverein zur Seite. Routiniert und gleichmäßig wurde auf Bahn 1 gekrault, was hier als einziger Schwimmstil erlaubt war. Bahn 4 wiederum stand ruhigen Schwimmerinnen und Schwimmern zur Verfügung, während nebenan auf Bahn 5 Kinderköpfe über das Wasser hüpften. Auf dieser Außenbahn waren Kraul, Brust- und Rückenschwimmen erlaubt und immer mehr stellten ihre Wasserflaschen an den Beckenrand, um sich ebenfalls ins beliebte nasse Element zu begeben.
Bei dieser Breitensportveranstaltung ging es nicht darum, 24 Stunden am Stück zu schwimmen, sondern es konnten innerhalb dieser Zeit beliebig lange Strecken zurückgelegt werden. Unterbrechungen waren immer möglich und erlaubt.
Urkunde für die Teilnahme
Jeder Teilnehmende erhielt eine Urkunde und für 1050 Meter beziehungsweise 42 geschwommene Bahnen gab es eine Bronzemedaille. Für die Silbermedaille galt es 2050 Meter, die 80 Bahnen entsprechen, zu erschwimmen und ab 122 Bahnen (3050 Meter) erhielt man eine Goldmedaille. Geehrt wurden außerdem der jüngste sowie der älteste Teilnehmer. Während es für den Erstgenannten Süßigkeiten gab, erhielt der älteste Schwimmer eine Flasche Wein. Mit seinen 72 Jahren wurde Hubertus Tzitschke im letzten Jahr der Rebensaft überreicht und er schwamm auch diesmal wieder mit: „Das tut mir einfach gut und man fühlt sich danach wie neugeboren“, erzählte er vergnügt und erinnerte sich gleichzeitig daran, dass er im Jahr 1999 mit 47 Kilometern die längste Strecke zurückgelegt hatte. „So viel muss das heute nicht mehr sein“, schmunzelte er und ergänzte: „30 Kilometer möchte ich aber schon schaffen.“
Einen konzentrierten Blick aufs große Schwimmbecken richtete Bernhard Kaiser, der für die DLRG im Einsatz war. Denn anders als in Filmen und Serien dargestellt, winken und rufen Menschen nicht, wenn sie zu ertrinken drohen. Im Gegenteil, man ertrinkt leise und daher achtete der erfahrene Rettungsschwimmer auf Leute, die sich immer weniger im Wasser bewegten. „Wenn zum Beispiel die Haare wild im Gesicht kleben und nicht weggewischt werden, weiß man, dass derjenige erschöpft ist“, informierte er.
„Mit Musik geht es immer besser“
Problematisch kann es auch werden, wenn man seine eigenen Fähigkeiten überschätzt, aber alle im Wasserbecken waren munter wie die Fische – vielleicht auch beflügelt durch die Musik, die eingespielt wurde. „Mit Musik geht es immer besser“, freute sich Michael Bertet über die rege Beteiligung, blickte aber gleichzeitig auch sorgenvoll in die Zukunft. Die beiden Stadtbäder Bietigheim-Bissingens sind sanierungsbedürftig.
„Hier bei uns im Schwimmbad ist das Filtersystem in die Jahre gekommen, Fliesen lösen sich und es gibt undichte Stellen“, seufzte Bertet. Sowohl für eine Sanierung als auch für einen Neubau fehlt das Geld, wenn aber in den nächsten Jahren gar nichts geschieht, dann gibt es irgendwann kein funktionierendes Schwimmbad mehr und damit wäre leider auch der Schwimmverein Bietigheim Geschichte. Daher soll das 24-Stunden Schwimmen auch das Augenmerk auf die Wichtigkeit von Schwimmunterricht lenken.
