Bietigheim-Bissingen Familienbüro: „Krisenintervention in allen Bereichen“

Von Yannik Schuster
2024 verzeichnete das Familienbüro 65 Fälle von häuslicher Gewalt in der Stadt. 2023 waren es 60 Fälle. Foto: dpa/Fabian Sommer

Im Verwaltungs- und Finanzausschuss Bietigheim-Bissingen berichtete Christine Kamner-Krauth von der Arbeit des städtischen Familienbüros und des Pflegestützpunktes.

Das Familienbüro der Stadt und der Pflegestützpunkt sei ein Aushängeschild für Bietigheim-Bissingen, sagte der Ordnungsamtsleiter Matthias Volk in der jüngsten Sitzung des Verwaltungs- und Finanzausschusses. Man sei dankbar für die finanziellen Mittel, die der Gemeinderat über den Haushalt zur Verfügung stelle. Angesichts der Einsparungen des Landkreises bei seinem sozialmedizinischen Dienst, werden auch auf das Familienbüro und den Pflegestützpunkt zusätzliche Herausforderungen zukommen, so Volk weiter.

Vielschichtige Probleme

Christine Kamner-Krauth stellte den Ausschussmitgliedern daraufhin die Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) in den Jahren 2023 und 2024 vor, der als Anlauf- und Beratungsstelle sowie Krisenhilfe für Bürgerinnen und Bürger tätig ist. So habe man inzwischen fünf Mitarbeiter, davon eine Vollzeitkraft im Einsatz, die insbesondere Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, sich in krisenhaften sozialen oder finanziellen Notlagen wiederfinden und ältere Menschen, die von Altersarmut bedroht oder pflegebedürftig sind betreuen. Zusammengefasst: „Krisenintervention in allen Bereichen“, so Kamner-Krauth.

„Die Probleme in den Familien sind zumeist vielschichtig. Ausgangspunkte zur Hilfestellung sind häufig finanzielle Problemlagen, psychische und physische Beeinträchtigungen sowie Ausbildungsdefizite. Darüber hinaus sind vielfach unzureichende Sprachkenntnisse ein Grund für Vorsprachen im Familienbüro“, heißt es in einem Bericht, der den Ausschussmitgliedern zur Verfügung gestellt wurde. Wobei besagte unzureichende Sprachkenntnisse bei weitem nicht nur Hilfesuchende mit Flucht- oder Migrationsgeschichte betreffen würden, wie Kamner-Krauth betonte.

In der täglichen Arbeit stelle man seit Jahren einen zunehmenden Mangel an sozialen und lebenspraktischen Kompetenzen fest, heißt es in dem Bericht weiter. Offensichtlich seien die Anforderungen des täglichen Lebens, insbesondere der bürokratischen Anforderungen für viele Menschen schwieriger geworden, sodass Klientinnen und Klienten oft nicht in der Lage seien, einfache Aufgaben selbstständig zu bewältigen. Der ASD sei gefordert, die Menschen an die Hand zu nehmen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Ein großer Teil der Integrationsarbeit beim Familienbüro ist auf die Personen, die in den städtischen Notunterkünften untergebracht sind, ausgerichtet. Zum Stichtag 31. Dezember 2023 waren demnach 179 Geflüchtete in städtischen Unterkünften untergebracht, davon 160 ukrainische Staatsangehörige. Zum 31. Dezember 2024 waren es 175 Personen, davon 148 ukrainische Staatsangehörige.

Stolz sei man auf den Dolmetscher-Pool, den man sich über die Jahre aufgebaut habe und der die Kommunikation deutlich verbessert habe, sagte Kamner-Krauth. So könne man von vielen Fällen ukrainischer oder syrischer Familien berichten, die Ausbildungs- oder Arbeitsstellen gefunden haben.

Anstieg nach der Pandemie

Neben zahlreichen ASD-Fällen seien die Mitarbeiter des Familienbüros auch mit Fällen von häuslicher Gewalt konfrontiert, wie Kamner-Krauth ausführte. Opfer werden dabei nicht nur psychisch unterstützt, man gebe ihnen auch eine rechtliche Hilfestellung mit.

Nach einem Rückgang der Fälle während der Pandemie – entgegen der ursprünglichen Befürchtung vieler Experten – auf 33 im Jahr 2021, stieg die Anzahl der Fälle häuslicher Gewalt 2022 auf 87, ehe sie sich in den beiden Folgejahren auf 60, respektive 65 einpendelte. Das sei in Bietigheim-Bissingen ein üblicher Wert, berichtete Kamner-Krauth. Auch in anderen Tätigkeitsbereichen – von der Obdachlosigkeit bis zu Fällen mit Polizeibericht (etwa bei psychischen Auffälligkeiten oder Verwahrlosung) – sind die Fallzahlen über die Jahre demnach vergleichsweise stabil.

 
 
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