Beißende Kritik, Satire, wie sie besser nicht geht – wieder einmal hat Holger Paetz im Mönchsgewand mit diesen Mitteln die Büßer öffentlich verbrannt. Worte sind Paetz’ Fegefeuer und sie brennen dennoch nicht weniger als züngelnde Flammen. Im Kleinkunstkeller in Bietigheim-Bissingen hat der bayrische Kabarettist eine Lehrstunde in politischem, schlauem Kabarett gegeben, theologisch grundiert, sprachlich geschliffen, politisch nicht zimperlich. Passend zur Fastenzeit war es denn auch eine Fastenpredigt, deren Essenz am Ende war: „Fürchtet euch nicht, macht euch ehrlich, auch wenn sich nichts ändert, bekennet eure Schuld“.
Bietigheim-Bissingen Fastenpredigt wird zum Hexengericht
Im Mönchsgewand lauert Holger Paetz und überfällt die gesamte Politikerriege untermalt mit Kirchenmusik.
Paetz’ Predigt war ein Rundumschlag
Und zu bekennen gab es für einige – vor allem Politiker jeglicher -Couleur – einiges und Paetz half ihnen auf die Sprünge. Seine Predigt war ein Rundumschlag ähnlich eines Hexengerichts. Mit ansteigender Orgelmusik und drei Kirchenkerzen, die er entzündete, nordete Pater Paetz die Zuschauer im ausverkauften Kleinkunstkeller für den Rundumschlag ein: „Spendet reichlich und ehrfürchtig. Schenkt mir Euren Glauben. Denn glauben heißt nicht wissen“. An diesem Freitagabend im Kleinkunstkeller, so Paetz sei der Herrgott eine Frau, die Leiterin des Bietigheim-Bissinger Kultur- und Sportamts, Michaela Ruof, die ihm eine nur mäßige Gage spendierte. Und schon war man mitten drin im satirische Reigen. Keiner kam ohne eine große Portion spöttischem Fett weg. Am meisten bekam natürlich der bayrische Ministerpräsident ab, Markus Söder mit seinem „wilden D’Artagnan-Bart“.
Schließlich war kurz zuvor der politische Aschermittwoch der CSU in Passau gewesen – eine Fundgruppe für Kabarettisten. „Überwältigt von sich selber“ seien die CSU-Politiker gewesen auf diesem „größten Stammtisch der Republik“. Söder habe in seiner heiligen Dreisamkeit geschwärmt und alle seine Aussagen gleich dreimal wiederholt, dieser „wurstige Influencer“.
Auch US-Präsident Donald Trump, „die Dumpfbacke“, bekam sein Fett weg, „das Kind im Greisenkörper“ flute die Welt mit seinem Blödsinn. Paetz entlarvte den neuen Glauben, dem alle Politiker huldigten, auch Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche – „der Glaub ich nicht“-Glaube. Descartes-Satz „Ich denke, also bin ich“ sei nicht mehr aktuell sondern „Ich bin, also weiß ich“.
„Fritze“ Merz wurde gelobt: „Haste fein gemacht, Fritzchen“, auch wenn er mit seiner Stadtbild-Äußerung übers Ziel geschossen wäre. Rein rechnerisch gebe es in jeder der 2800 deutschen Städte 17,8 migrantische Stadtbild-Zerstörer, ob die wohl viel zerstören können?, fragte Paetz. „Von den Lippen“ tropften Merz die Worte „Blaumacher und Jammerlappen“ – „hast du fein gemacht, Fritzchen“.
Die SPD, „die alte rote Tante“, sei so beschäftigt, sich zu fragen, wo die Wähler hin sind, dass inhaltliche Fragen keinen Raum hätten. Lars Klingbeil, der SPD-Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, sei „ein Trottel, der Merz hinterher trottet“. An der AfD, der „Pöbeltruppe der Nation, mache sich deutlich, dass die deutsche Wurstigkeit beliebt sei. „Die Vergangenheit wird bei denen immer schöner“.
Nicht beleibter sondern beliebter werden
Am Ende bekamen auch die Grünen einiges ab mit ihrer „Tofu-Tümelei“. Ein leidenschaftliches und sehr satirisches Feuerwerk gegen Veganer und Vegetarier beendete die Fastenpredigt. Auch wenn Paetz darum warb, dass alle sich bemühen sollten, um die Welt positiver zu machen, gab es bei ihm „in den Fritzjahren“ keinen Hoffnungsschimmer für die in der Welt unbeliebten Deutschen. „Vielleicht sollten die Deutschen fasten, auf dass wir nicht beleibter sondern beliebter werden“.
