Irgendwann hielt es Matej Haspel nicht mehr im umzäunten Bereich an der Tischtennisplatte: Er machte einen großen Schritt über die Absperrung und spielte aus mehreren Metern Entfernung die Bälle, die Tien Nghia Phong auf die Platte schmetterte. Auch Kopfbälle wurden in dieser Tischtennispartie am vergangenen Sonntag gespielt, auf dem Rücken liegend gekontert – und sich dann, was die Punkte anging, aber auch nichts geschenkt.
Bietigheim-Bissingen Fest des Sports zum Jubiläum
Der Stadtverband für Sport zeigte aus Anlass seines 50-jährigen Bestehens in der Sporthalle am Viadukt die ganze Bandbreite seiner Vereine und ihres Könnens.
Das Spiel, bei dem dem Publikum auf der randvollen Tribüne der Sporthalle am Viadukt immer wieder der Mund offenstand, war der Auftakt der Sport-Gala, mit der der Stadtverband für Sport sein 50. Jubiläum beging. Es wurde ein Sportfest, bei dem die über 40 Vereine des Verbands ihr Können zeigten – zumindest die, deren Sportart hallentauglich war: Schwimmer und Kanuten waren unterrepräsentiert. Und zeigen konnten sie einiges, genießt der Bietigheimer Sport doch nationales und europaweites Ansehen. Und so standen renommierte Athleten vor dem Publikum mit über 100 Ehrengästen.
Viele sportliche Höhepunkte
„Es gab so viele erfolgreiche Aktionen, vom Kanu bis zum Tennis“, erinnerte sich Oberbürgermeister Jürgen Kessing an die sportlichen Highlights allein während seiner Amtszeit: „Das erste war der Aufstieg der Handballer.“ Eine Anzahl an sportlichen Erfolgen, die sich sehen lassen könnten für eine Stadt dieser Größe, fand der OB und unterstrich: „Die Sozialisierung im Leben muss über den Sport und den Verein erfolgen – und da leisten die Vereine eine hervorragende Arbeit.“
Für den Verbandsvorsitzenden Günter Krähling begannen die Höhepunkte seiner Amtszeit gleich 2012 mit der Eröffnung der EgeTrans-Arena – in der dann im Folgejahr die Indiaca-Weltmeisterschaft ausgerichtet wurde. Zum Jubiläum überreichte ihm Kessing Geburtstags-Luftballons und einen Scheck. „Der macht die Streichungen in der Sportförderung nicht ganz wett, aber wir arbeiten daran“, meinte Krähling.
Im Zentrum der Gala stand der Bietigheimer Sport in seiner ganzen Vielfalt: Nach einem musikalischen „Aufwärmen“ des Publikums mit „Percy and the Brass Machine“ folgte das Tischtennisturnier, aus dem schließlich Tien Nghia Phong als Gewinner hervorging. Beide Sportler haben die Spitzenklasse fest im Blick: „Ich habe hier gute Trainingsmöglichkeiten, bis ich Weltmeister bin“, meinte der Gewinner, und Matej Haspel stellte fest: „Wenn wir gut in Form sind, können wir jeden schlagen.“
Es folgten die Kleinsten der Abteilung „Turnen und Tanzen“ des TSV Bietigheim: Zu Jingle Bells hüpfte die Kinderturn- und Vorschülergruppe über die Matten, gefolgt von den Schülerturngruppen der ersten bis vierten Klasse, die in ihrem Tanz den kraftlosen Weihnachtsmann an sportliche Ertüchtigung heranführten. Die Geräteturngruppe Maxi der Altersklassen 11 bis 22 zeigte dann zu „Eye of the Tiger“ eine perfekte Choreografie ihres Könnens.
„Wir können sehr zufrieden sein wie es läuft: eine Saisonniederlage und ein gutes Klima in der Mannschaft“, fand Manuel Schmidt von den Handballern – trotz des Zittersiegs am Freitag. „Zweite Liga ist hart, Derbys schreiben ihre eigene Geschichte“, erklärte der Trainer der SG BBM.
Am Mikro erklärte er dann die Partie, gemischt aus A-, B- und C-Jugend: „Handball ist ein sehr schneller Sport“, lernte der Zuschauer, mit viel Körperkontakt. Abwehr und Angriff im Positionsspiel, der Rückzug in die Abwehr und das Tempospiel der angreifenden Mannschaft wurden gezeigt, schnelle Angriffe und spektakuläre Showwürfe riefen Jubel auf den Tribünen hervor.
Sportliche Höchstleistungen waren auch vor 50 Jahren schon erbracht worden, als das Team „Bi-Bi-ran“ 1975 bei der Sendung „Spiel ohne Grenzen“ teilnahm. Bei der Gala waren die Teilnehmer von damals nun wieder vereint, man erinnerte sich an ein „tolles Mannschaftsgefühl, jeder hat sich für den anderen eingesetzt“.
Karate, Fußball und Tanz
Markige Schreie hallten beim Karate durch die Halle, beziehungsweise beim Kumite: dem Kampf zweier Gegner. Hier, erklärte der Vorstand des Karate Dojo Uwe Careni, ist das Ziel nie der K.o., wie bei anderen Kampfsportarten, Fouls werden streng geahndet. Die ganze Bandbreite an Angriffen und Körpertreffern zeigten Felix Blahak, Le Anh-Phong Ngyuen und Cedric Careni.
Beim Fußball spielten vier gegen vier, eine Auswahlmannschaft der Vereine gegen eine der Stadt. Die Auswahl der Lateinformation des TSG Bietigheim machte sich da schon auf dem Flur warm. Ihr Showtanz war der glänzende letzte Akt vor dem großen Finale mit allen Teilnehmern. Den Bietigheimer Sport erleben, im harten Wettkampf, aber auch in der spielerischen Perfektion – das konnte man bei der Gala zum Jubiläum des Sportverbands.
