Die Hitze drückte über dem Forchenweg, während zwei Kinder staunend vor einer alten Feuerwehruniform in der Ausstellung im kühlen Keller standen. Über 35 Grad zeigte das Thermometer an diesem Samstag an – und das merkte man dem Fest der Abteilung Bissingen durchaus an: Der große Ansturm blieb zwar aus, doch die Besucher ließen es sich gut gehen. Unter den Schirmen und in der Fahrzeughalle saßen Familien, einige Gäste schauten sich die Technik und die Einsatzfahrzeuge an und die Kinder tummelten sich an den Spielstationen. Dort löschten sie mit dem Schlauch an einer kleinen Hausattrappe ein Feuer, das gar keines war – mit vollem Einsatz und sichtlich stolz, wenn der Wasserstrahl traf.
Bietigheim-Bissingen Feuerwehr zum Anfassen beim Tag der offenen Tür
Die Abteilung Bissingen lud zu dem dreitägigen Fest mit Einsatzfahrzeugen, Mitmachaktionen und einem Programm für Kinder ein.
Akzeptanz in der Nachbarschaft
Drei Tage lang hatte die Freiwillige Feuerwehr Bietigheim-Bissingen zum Tag der offenen Tür eingeladen, in diesem Jahr bei der Abteilung Bissingen. „Wir wechseln uns in der Regel mit der Abteilung Bietigheim ab“, erklärte Sascha Stangl, stellvertretender Kommandant und Abteilungskommandant Bissingen. „Ein Jahr die, ein Jahr wir.“
Oliver Sinn, stellvertretender Abteilungskommandant, führte über das Gelände – vom Hauptgebäude mit der Einsatzzentrale bis zum kleinen Museum im Keller, das Kameraden der Alterswehr pflegen. Stolz zeigte er auch die Krangondel für das Wechselladerfahrzeug. „Diese Krangondel ist fast einzigartig in Baden-Württemberg, auf alle Fälle im Landkreis Ludwigsburg“, sagte Sinn. Die meisten Feuerwehren hätten Drehleitern mit Körben vorne – diese seien schnell und stabil, aber auch begrenzter. Mit bis zu 60 Metern Seil komme die Mannschaft an Stellen, die andere nicht erreichen könnten.
„Wir machen das für die Bevölkerung, um zu zeigen, was wir alles können. Wir brauchen ihre Unterstützung“, sagte Sinn über den Zweck des Fests, während er die verschiedenen Einsatzfahrzeuge vorstellte. Für die Akzeptanz in der Nachbarschaft sei das wichtig – schließlich sehe man die Feuerwehr sonst meist nur im Einsatz.
An einer Station erzählte Jessy Wärtel, Maschinistin und eine der inzwischen sieben Frauen in der Abteilung: „Es ist toll hier und macht viel Spaß. Ich wurde super aufgenommen, und die Abteilung ist wie eine Familie für mich.“ Sinn ergänzte: „Wir behandeln alle gleich, aber wir verlangen auch von allen das Gleiche.“
72 Mitglieder zählt die Abteilung inzwischen. Die Stimmung sei sehr gut, so Stangl – nötig sei das auch, denn allein die Organisation des Fests verlange viele Hände. Im Alltag fehlen tagsüber zwar weiterhin Kräfte, im Vergleich zu früher habe sich die Situation aber verändert. „Was uns heute in die Karten spielt, ist das Homeoffice“, sagte Sinn, der seit 39 Jahren dabei ist. Viele Kameraden seien dadurch tagsüber wieder erreichbar.
30 bis 40 Jugendliche im Einsatz
Rund 350 bis 400 Alarmierungen verzeichnet das Stadtgebiet im Jahr, ein Drittel davon entfällt auf Bissingen. Aktuell standen 106 Einsätze auf dem Zähler – von der Ölspur bis zum Großbrand wie zuletzt in Oberriexingen. Beim Wettlauf gegen die Zeit zähle jede Minute. „Wenn wir gut sind, fahren wir nach vier Minuten los“, so Stangl.
Vor der Fahrzeughalle tobte die Jugendfeuerwehr durch das Kinderprogramm: Schlauchkegeln, Spritzspiele, Feuerwehrauto fahren – wer alle Stationen geschafft hatte, bekam eine Urkunde. 30 bis 40 Jugendliche waren im Einsatz. „Erst vorhin war hier ein Aspirant aus der Straße nebenan und hat gefragt, ob er mal mitmachen kann. Den laden wir jetzt mal abends zu einer Übung ein“, erzählte Stangl. Genau solche Begegnungen seien der Sinn des Fests.
Was am Ende bleiben soll? „Schön wäre, wenn die Besucher sehen, dass bei uns alles gut funktioniert und wir ganz normale Menschen sind“, sagte Stangl lachend. Der Standort mitten im Wohngebiet bedeute eben auch Blaulicht und Martinshorn, manchmal mitten in der Nacht. „Wenn die Besucher ein bisschen Verständnis mitnehmen, etwas essen und trinken und zufrieden nach Hause gehen, dann haben wir alles richtig gemacht.“
