Bietigheim-Bissingen Fokus auf Automation und Holzbau

Von Heidi Falk
In der vorderen Reihe bei der Hauptversammlung 2026 der Dürr AG von links: Dietmar Heinrich, Dr. Jochen Weyrauch und Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Federer. In der zweiten Reihe mittig: Aufsichtsratsmitglied Professorin Dr. Dr. Alexandra Dürr. Foto: /Oliver Bürkle

Die Aktionäre trafen sich am Freitag zur Hauptversammlung der Dürr AG. Vorstandschef Dr. Jochen Weyrauch berichtete von verunsicherten Kunden und Zukunftsplänen.

Das Jahr 2026 ist kein Jahr nach dem Motto ‚Business as usual’“, sagte Dr. Jochen Weyrauch, der Vorstandsvorsitzende der Dürr AG, am Freitagmittag zu den Aktionären, die zahlreich in Präsenz und auch digital per Stream an der diesjährigen Hauptversammlung teilgenommen hatten. Von der Zurückhaltung des letzten Jahres war nichts mehr zu spüren. Der Dividendenvorschlag liegt bei 80 Cent je Aktie und damit 10 Cent höher als in den vergangenen drei Jahren. Zuletzt lag die Dividende im Vor-Corona-Jahr 2019 so hoch. Die Gesamtausschüttung soll um 14 Prozent auf 55,4 Millionen Euro steigen.

„Reformstau in Deutschland“

2026 sei ein komplexes, volatiles Jahr, geprägt von Kriegen, Spannungen und multiplen Krisen, so Weyrauch weiter. Nicht zu vergessen stelle der „Reformstau in Deutschland“ für Unternehmen eine große Herausforderung dar. „Transformation und Disruption sind der neue Dauerzustand“, stellte der CEO fest. Künstliche Intelligenz verändere das Tempo der Arbeitsprozesse. Voraussetzung, um mithalten zu können, sei, Potenziale zu nutzen „und nicht – wie in diesem Land üblich – die Technologieskepsis voranzustellen.“ Umbrüche dürften nicht verdrängt werden, man müsse ihnen mitten ins Auge sehen. „Unternehmen müssen sich entschlossen anpassen und Liebgewonnenes hinterfragen. Bei Dürr tun wir genau das“, so der Vorstandschef.

Um das jedoch umsetzen zu können, wünsche man sich „mehr Reformmut und Tempo von der Politik.“ Andererseits dürften Unternehmen auch nicht ständig nach dem Staat rufen, sondern müssten an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit arbeiten.

Die Dürr AG setze weiterhin auf eine Verschlankung des Konzern. Dabei lege man den Fokus auf das Kerngeschäft: Automatisierung und nachhaltige Technologien. Die Geschäftsbereiche wurden seit dem Verkauf der Umwelttechniksparte Ende Oktober 2025 von fünf auf drei verschlankt: Automotive, Industrial Automation und Woodworking. Und auch die Verwaltung soll nach und nach folgen. Ziel sei ein angemessenes Verhältnis von Verwaltungskosten und Umsatz. Dazu werden 500 Verwaltungsstellen bis Ende 2026 abgebaut, was rund 50 Millionen Euro pro Jahr einsparen soll. Der Abbau in Deutschland habe bislang ohne betriebsbedingte Kündigungen im Rahmen eines Freiwilligenprogramms funktioniert, sagt Weyrauch. Der Konzern hat insgesamt 18.000 Mitarbeiter.

2025 konnte der Maschinen- und Anlagenbauer für seine fortgeführten Geschäftsbereiche (ohne Umwelttechnik) ein EBIT-Margenplus vor Sondereffekten von 4,6 auf 5,6 Prozent verzeichnen; bei einem Umsatzrückgang von drei Prozent von 4,3 Milliarden Euro 2024 auf 4,2 Milliarden Euro 2025. Das Gesamtkonzernergebnis (inklusive Umwelttechnik) konnte Dürr verdoppeln von 102,1 Millionen Euro nach Steuern auf 206,4 Millionen Euro.

Die Auftragslage stellte sich im vergangenen Jahr nicht so rosig dar. Schuld daran war vor allem der Zollkonflikt mit den USA. Der Auftragseingang nahm von 4,7 Milliarden Euro 2024 auf 3,9 Milliarden Euro ab. „Wir haben im Schlussquartal dank Großaufträgen aufgeholt“, berichtete Weyrauch. Vor allem das Holzbaugeschäft der Homag-Gruppe spielte eine große Rolle mit der Produktionstechnik für Holzbaumodule. „Ich bin überzeugt, dass der serielle Holzbau die beste Antwort auf den Wohnraummangel ist“, so Weyrauch, der resümierte: „Unsere Bilanz kann man als typisch schwäbisch bezeichnen: stabil, solide, wetterfest.“ Der Dürr-Konzern habe sich 2025 gut geschlagen, trotz schwerer Rahmenbedingungen.

Verunsicherung der Kunden

Besonders hob Weyrauch das belastete Wirtschaftsklima durch Zölle und internationale Konflikte hervor. So habe Dürr mit zollbedingten Mehrkosten im einstelligen Millionenbereich umgehen müssen – es seien Rückerstattungen für entrichtete Zölle in Bearbeitung. Das Hauptproblem sei jedoch gewesen, dass Kunden dadurch verunsichert worden sein. Das habe zu weniger Investitionen im zweiten und dritten Quartal 2025 geführt. Der Zollkonflikt habe auch den Aktienkurs stark beeinträchtigt.

Der aktuelle Fokus sei das Automatisierungsgeschäft, das optimiert werden soll. Der Anspruch sei, Technologieführer zu sein. Deshalb habe man auch die Investitionen in Forschung und Innovation aufgestockt. 2027 wolle der Dürr-Konzern wieder „profitabel wachsen“, vor allem was den Bereich Sustainable Automation anbelange. „Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind zwei Seiten derselben Medaille“, sagte Weyrauch, auch, wenn das Stichwort Nachhaltigkeit derzeit politisch in den Hintergrund gerückt sei. „Dürr hat die Technologien, seine Kunden unabhängig von fossilen Brennstoffen und hohen Energiekosten zu machen.“

 
 
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