Bietigheim-Bissingen Freude an sprachlicher Reduktion

Von Jörg Palitzsch
Bärbel Maiberger veröffentlicht ein neues Buch. Foto: /Oliver Bürkle

Autorin Bärbel Maiberger aus Bietigheim-Bissingen schreibt in kurzen Erzählungen Lebensgeschichten.

Mit ihrem neuen Buch „So gesehen – Eine Minute Geschichten“ zeigt die Bietigheimer Autorin Bärbel Maiberger beeindruckend, wie viel emotionale Tiefe in minimaler Form möglich ist. Ihre kurzen Texte, oft kaum länger als eine halbe Seite, öffnen dem Leser kleine Fenster in die verborgene Bedeutung alltäglicher Momente. Begegnungen, Zufälle, Mutproben oder Zeiten des Verlusts und Neubeginns – all das verdichtet Maiberger zu präzisen, poetischen Miniaturen.

Zwischendurch eine Geschichte lesen

„Manche Geschichten“, so die Autorin, „haben einen wahren Kern, andere sind frei erfunden.“ Mit ihren kurzen Texten will sie auch jene ansprechen, die nicht viel Zeit haben, aber gern auch mal zwischendurch eine Geschichte lesen wollen. Etwa über eine 70-Jährige, die trotz Angst springt, über einen Arzt, der bei einer Operation mehr riskiert als er erwartet oder über ein Mädchen, dessen Heimweh sich durch eine einzige Geste hebt. Maiberger gelingt es, in ihren Geschichten über Denkmäler, über den richtigen Augenblick, über Vertrauen und Vernunft aus wenigen Zeilen ganze Lebenswelten herauszuschälen. Ihre Geschichten überraschen, berühren und laden zum Nachdenken ein, ohne je aufdringlich zu werden.

Dass sie diese Kunst beherrscht, ist kein Zufall. Maiberger, 1954 in Mühlacker geboren, bringt ein reiches biografisches Fundament mit. Ihre Arbeit als Verwaltungsbeamtin, ein Jahr in England und ihre langjährige Tätigkeit als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache haben sie mit Menschen unterschiedlichster Hintergründe zusammengebracht. Begegnungen, die auch in ihren Texten als feine, menschliche Zwischentöne spürbar werden. Ihr ehrenamtliches Engagement im Freundeskreis Asyl zeigt zusätzlich ihre Empathie, die den Blick für leise, oft übersehene Geschichten schärft. Schon in ihren früheren Publikationen – Gedichtbänden, Aphorismen, Haiku, Kurzprosa – zeigt sich ihre Freude an sprachlicher Reduktion. Dafür wurde Bärbel Maiberger ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis der Bibliothek deutschsprachiger Gedichte.

Ein Roman über Familiengeschichten

Auch ihr 2022 erschienener Band mit 100-Wörter-Geschichten ließ erkennen, wie sicher sie sich im literarischen Kurzformat bewegt. Dieses Kurzformat will die Bietigheimer Autorin jetzt aber mit einem Roman überspringen. Er trägt den Titel „Fristen“ und erzählt die Geschichte einer Familie und die unterschiedlichen Lebenssituationen der Protagonisten. Erscheinen wird das Buch im Berliner Novum Verlag.

 
 
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