Bietigheim-Bissingen Für die Grabpflege sorgen die Gärtner

Von Uwe Mollenkopf
Am Dienstag wurde das neue Grabfeld auf dem Friedhof St. Peter der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Vordergrund ist eines der sechs Themenfelder zu sehen. Foto: /Martin Kalb

Auf dem Friedhof St. Peter gibt es ein neues Bestattungsangebot, bei dem die Hinterbliebenen einen Pflegevertrag abschließen.

Die Bestattungskultur befindet sich seit vielen Jahren im Wandel, weiß Thorsten Baege, der Geschäftsführer der Genossenschaft der Württembergischen Friedhofsgärtner. Nicht jeder habe heute die Möglichkeit, Gräber über Jahrzehnte zu betreuen. Die Genossenschaft hat deshalb gemeinsam mit den Kommunen nach Lösungen Ausschau gehalten, und eine solche besteht im sogenannten gärtnerbetreuten Grabfeld. Ein solches stellte Oberbürgermeister Jürgen Kessing am Donnerstag gemeinsam mit Gärtnereien und Steinmetzen auf dem Friedhof St. Peter in Bietigheim der Öffentlichkeit vor.

Rund 190 Grabstellen

Die Anlage besteht aus rund 190 Grabstellen, die alle barrierefrei erreichbar sind, wie Kessing hervorhob. Seit Januar können hier Urnenbestattungen stattfinden, bislang gab es sieben.

Das komplette Gräberfeld mit den Grabstätten wird laut Thorsten Baege dauerhaft von der ARGE Bietigheim, bestehend aus den Gärtnereien Andreas Schunk und Thabea Seitel, gepflegt. Für die Angehörigen entfällt dadurch der Pflegeaufwand. Dazu wird beim Graberwerb ein Dauerpflege-Vertrag mit der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner abgeschlossen. Die Gesamtkosten für die vereinbarte Dauergrabpflege werden beim Abschluss des Vertrags an die berufsständische Organisation mit Sitz in Kornwestheim gezahlt.

Mehrzahl in Baden

Die Genossenschaft kontrolliert laut einer Mitteilung regelmäßig die Arbeiten der Friedhofsgärtner sowie den Pflegezustand der Grabfelder. „Jeder kann sicher sein: Sein eigenes und auch das Nachbargrab werden gepflegt“, so der Geschäftsführer. Die Genossenschaft betreut in Baden-Württemberg bislang 500 solcher Grabfelder, wovon sich 150 in Württemberg, die Mehrzahl im badischen Landesteil befinden.

Die Kosten richten sich nach der Lage. Laut Thabea Seitel wurden sechs Themenfelder angelegt, die beispielsweise Bauerngarten, Toskana oder Bienenhain heißen. Jedes ist unterschiedlich gestaltet, mit jeweils verschiedenen Grabsteinen und Pflanzen. Ein Grab im Bauerngarten kostet beispielsweise 5290 Euro für die Dauer von 15 Jahren. Ein Preis, der sich aus 1490 Euro für das Grabmal und 3800 Euro für die Pflege zusammensetzt. Im Themenfeld Toskana, das unter anderem mit Zypressen ausgestattet ist, beträgt der Gesamtpreis 5900 bis 6450 Euro. Hinzu kommen die städtischen Friedhofsgebühren, die für Urnenwahlgräber im gärtnerbetreuten Grabfeld 600 Euro betragen.

Die gemeinsame Betreuung einer ganzen Anlage sei für den einzelnen günstiger als die Beauftragung eines Gärtners für ein Grab, sagt Baege. Man wolle aber nicht in Konkurrenz zur klassischen Friedhofspflege treten, sondern ein ergänzendes Angebot bieten. Charakteristisch für die Anlage in Bietigheim sei die parkähnliche Gestaltung, die sich von den traditionellen Gräbern in Reih und Glied abhebe.

Friedhofskonzeption in Arbeit

Auch Jens Dörr, der Leiter der Kämmerei in der Stadtverwaltung, ist sich sicher, dass der Trend bei den Friedhöfen in Richtung Parkanlage geht. Die Verwaltung sei derzeit dabei, eine neue Friedhofskonzeption zu erarbeiten. Um das neue Grabfeld auf dem Friedhof St. Peter herzustellen, hat die Stadt zunächst 2022 die Wege und Entwässerungsanlagen für rund 101.000 Euro hergestellt. Anschließend gestalteten die Gärtnereien die Themenfelder. Mit Zustimmung des Gemeinderats fand die neue Bestattungsform ab 1. November 2023 Eingang in die Friedhofssatzung.

Noch sind die Pflanzen im Werden, aber in ein bis zwei Jahren verspricht Gärtner Andreas Schank ein „Blütenmeer“ auf der Anlage.

 
 
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