Bietigheim-Bissingen „Für manche ist das ihr zweites Wohnzimmer“

Von Yannik Schuster
Marianne Muck und ihr Sohn Stephan. Seit 30 Jahren betreiben sie den „Besa em Städtle“ in der Turmstraße und öffnen zwei Mal pro Jahr für jeweils acht Wochen die Tore. Foto: /Martin Kalb

Die Besenwirtschaft „Besa im Städtle“ von Stephan Muck und seiner Mutter Marianne feiert ihr 30-jähriges Bestehen.

Ein wenig fühlt sich die Besenwirtschaft „Besa em Städtle“ an wie eine Zeitkapsel. Seit der Eröffnung vor 30 Jahren hat sich zumindest optisch wenig verändert an der 200 Jahre alten mittelalterlichen Scheune in der Turmstraße. Stephan Muck war von Anfang an dabei: Schon Anfang der 1980er-Jahre half er als Kind im Weinberg mit, mit dem sein Vater sich selbstständig gemacht hatte, 1995 eröffnete dieser schließlich die Besenwirtschaft. Sein Vater sei vor drei Jahren aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden, sagt Muck, er selbst und seine Mutter Marianne hingegen sind weiterhin zweimal pro Jahr für jeweils acht Wochen damit beschäftigt, die Gäste auf den 40 Plätzen zufrieden nach Hause zu schicken.

Nicht nur optisch ist alles beim alten, auch das Angebot hat sich über die Jahrzehnte nur in einigen wenigen Aspekten verändert: Der heute „weltberühmte Kartoffelsalat“ von Marianne Muck, wie Sohn Stephan ihn bezeichnet, stand beispielsweise nicht von Anfang an auf der Karte. Erst nach fünf Jahren sei sein Vater auf die Idee gekommen, sagt er.

„Da kommt man ins Gespräch“

Den Vorteil des „Besa em Städtle“ sieht Muck neben der urigen Atmosphäre auch in der zentralen Lage mitten in der Altstadt. Viele Gäste – jung und alt – könnten so auch zu Fuß kommen. „Wenn Leute von außerhalb herziehen, gibt es im Grunde drei Wege, neue Menschen kennenzulernen: Der Beruf, Vereine oder eben im Besen. Da kommt man ins Gespräch, auch generationenübergreifend.“ War das Publikum in der Wirtschaft vor 30 Jahren noch eher jung geprägt, habe sich das inzwischen immer mehr vermischt.

Auch das Gästeverhalten habe sich über die Jahrzehnte verändert, sagt Muck. Heute würde weniger Alkohol getrunken. Zudem würden die Gäste nicht mehr bis tief in der Nacht bleiben sondern schon früher den Heimweg antreten. Trotzdem sagt Marianne Muck: „Für manche ist das ihr zweites Wohnzimmer.“

Im Gedächtnis geblieben sind ihr zwei Ereignisse: einerseits die Einführung des Rauchverbots. Da habe man zunächst Bedenken gehabt, doch rückblickend war das doch eine positive Entwicklung, sagt sie. Auch bei der Euro-Umstellung habe sie zunächst Sorgen gehabt, am Ende habe jedoch alles ohne Probleme funktioniert. Ein weiterer Einschnitt in der Geschichte des Besens war die Corona-Pandemie. Eine Zeit lang war überhaupt kein Besenbetrieb möglich, dann entschloss man sich, im Sommer statt im Frühjahr zu öffnen. „Wir haben es überstanden, brauchen das aber nicht noch einmal“, scherzt Muck.

Direktes Feedback der Gäste

Die Arbeit im Weinberg und der Natur sei zwar schön, könne aber frustrierend sein, wenn die Ernte aufgrund äußerer Einflüsse kaputt geht. Dagegen sei im Besen alles recht gleichmäßig. Er schätze die Gastronomie dafür, dass man direktes positives Feedback der Gäste erhalte. Aber auch der Weinbau habe seine Momente: „Es ist erfüllend, wenn man im Keller steht und den Wein probiert. Das ist eine Bestätigung der geleisteten Arbeit.“

Das Lieblingsgericht auf der Karte? „Maultaschen mit Kartoffelsalat, dazu ein Rotwein vom Fass“ sagt Stephan Muck. Marianna Muck bevorzugt ihrerseits die Grünkernküchle – aber natürlich ebenfalls mit Kartoffelsalat.

In den kommenden Jahren werde man Stück für Stück einige Renovierungen durchführen, am Grundgerüst des Besens soll sich jedoch nichts ändern, versichern Marianne und Stephan Muck.

Am 26. September öffnet der „Besa em Städtle“ wieder seine Tore. Am Tag zuvor findet außerdem eine gemeinsame Lesung mit dem Lieblingsbuchladen statt. Reservierungen sind ab einer Gruppengröße von vier Personen möglich.

 
 
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