Eine achtstündige Ganztagsschule stelle eine hohe Belastung für viele Kinder dar. Die Kommunikationsfähigkeit lasse im Verlauf des Tages spürbar nach, sodass ein früheres Unterrichtsende den Bedürfnissen der Schüler besser entspreche. Zudem erleichtere das die Wahrnehmung außerschulischer Aktivitäten, etwa in Vereinen oder der Musikschule. So argumentierte die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage für ein neues pädagogisches Konzept an der Grundschule im Sand, über das der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung zu beschließen hatte.
Bietigheim-Bissingen Ganztag dauert in Zukunft nur noch sieben statt acht Stunden
Der Gemeinderat hat einem neuen pädagogischen Konzept für die Schule im Sand zugestimmt. Auch die Eltern sind mehrheitlich dafür.
Das geänderte Konzept sieht vor, die Dauer der Ganztagsschule ab dem Schuljahr 2027/28 von acht Stunden auf sieben Stunden an vier Wochentagen zu reduzieren. Das heißt, die Grundschule startet von Montag bis Donnerstag morgens um 8 Uhr und hat von 12.15 bis 13.15 Uhr Mittagspause. Nachmittags ist dann schon um 15 Uhr statt bisher um 16 Uhr Schluss. Dadurch erhöht sich der Umfang der städtischen Betreuung „Ganztag-Plus“ nach dem Unterricht von einer auf zwei Stunden (15 bis 17 Uhr). Freitags ist nur vormittags Unterricht, nachmittags gibt es Betreuung.
Das Vorhaben wurde laut Stadtverwaltung mit dem Staatlichen Schulamt Ludwigsburg vorab besprochen, es gab Anhörungen an der Schule, und eine Elternumfrage wurde durchgeführt. Bei dieser haben sich die Eltern laut Ratsvorlage mehrheitlich für die Verkürzung ausgesprochen.
Die Sandschule habe nach der Änderung den gleichen Rhythmus wie die vier anderen Grundschulen der Stadt – Hillerschule, Grundschule im Buch, Schillerschule und Waldschule –, sagte der Erste Bürgermeister Michael Hanus in der Sitzung. Alle Grundschulen bewegten sich damit „im Gleichklang“. Mit der Frühbetreuung von 7 bis 8 Uhr und der Spätbetreuung von 15 bis 17 Uhr sei die Verlässlichkeit bei der Ganztagsbetreuung gewährleistet, sagte Hanus.
Der Gemeinderat stimmte dem neuen Konzpt ohne Gegenstimmen zu. Für die CDU-Fraktion sagte der Stadtrat und frühere Leiter der Realschule im Aurain Claus Stöckle (CDU) mit Blick auf den reduzierten Ganztag, den Kindern gehe „irgendwann die Puste aus“. Auf seine Frage, ob die Stadt durch die Ausdehnung der Betreuung höhere Kosten habe, antwortete Bürgermeister Hanus, die Schulkindbetreuung arbeite „nahezu kostendeckend“.
Mit den Worten „manchmal ist weniger fast mehr“, kommentierte Markus Nutz, SPD-Stadtrat und Leiter der Bissinger Waldschule, das neue Konzept im Gremium. Wichtig sei, dass dies an allen Grundschulen gleich gehandhabt werde, damit es kein „Hopping“ zwischen den Schulen gebe.
Die Sandschule ist im Jahr 2001 im Sekundarbereich zunächst als gebundene Ganztagsschule im Schulversuch mit einem Umfang von acht Stunden an vier Wochentagen gestartet. 2012 wurde der Grundschulbereich in den Ganztag eingebunden. 2015 wurde die Ganztagsgrundschule schließlich vom Modell eines Schulversuchs in eine gesetzlich geregelte Form nach Paragraf 4 a Schulgesetz umgewandelt.
