Bietigheim-Bissingen Gefahr für Sehbehinderte durch E-Roller auf Fuß- und Radwegen

Von Corinna Müller
Baubürgermeister Michael Wolf bei dem Gespräch im Bietigheimer Enzpavillon. Foto: /Oliver Bürkle

Am Samstag fand wieder ein Austausch zwischen der Stadt und Vertretern von Behinderten statt.

Einmal jährlich findet im Bietigheimer Enzpavillon eine Gesprächsrunde zum Thema „Barrierefreie Stadt Bietigheim-Bissingen“ statt, in der vorgestellt wird, was im vergangenen Jahr zur Unterstützung der Behinderten getan werden konnte. Am Samstagnachmittag war es wieder so weit und Baubürgermeister Michael Wolf konnte unter anderem mitteilen, „dass im Zuge der B 27-Sanierung an fast allen Lichtsignalanlagen“ dieses Bereiches „Blindentaster mit Sprachausgabe installiert“ worden seien und eine weitere, behindertengerechte Fußgängersignalanlage folgen werde. Auch Querungssteine und Blindenleitsysteme seien eingebaut worden.

Haltestellen behindertengerecht

Außerdem seien einige Treppenanlagen mit Kontraststreifen beziehungsweise sogenannten GFK-Winkeln ausgestattet und „als Verbindung vom Buch zum Bahnhof ein barrierefreier Geh- und Radweg angelegt“ worden.

Wolf erklärte, dass inzwischen „die meisten Bushaltestellen im Stadtgebiet behindertengerecht ausgebaut sind“. Aufgrund topografischer Gegebenheiten sei dies jedoch nicht überall möglich. Man sei daher mit der Firma Spillmann im Gespräch, diese Haltestellen mittelfristig zu verlegen.

Neu sei, so Wolf, „die Möglichkeit, sich im Kronenzentrum eine Hörunterstützung auszuleihen“. Ebenso liege im Hornmoldhaus eine Tasche für Sehbehinderte parat, die Texte in Brailleschrift enthalte. Im Museum gäbe es zwischenzeitlich verschiedene Angebote, wissenswerte Dinge zu ertasten. Geplant seien hier Führungen, durchgeführt von einem erblindeten Praktikanten, bei denen Sehende den sehbeinträchtigen Personen zur Seite stehen. Auch würde darüber nachgedacht, ob einige Veranstaltungen des Kultur-Abos künftig nicht mehr im Kleinkunstkeller mit seiner steilen Treppe stattfinden sollten.

In Planung mithilfe der Bietigheimer Wohnbau GmbH sei der Umbau von einzelnen Wohnungen in altersgerechte beziehungsweise barrierearme Wohnungen, sofern die Voraussetzungen dafür gegeben seien sowie die Unterstützung der Mieter bei der Kostentragung.

Ralf Müller, Vorsitzender des „Blinden- und Sehbehindertenverbands Württemberg“, war verhindert, wurde jedoch von Winfried Specht vertreten. Dieser zeigte sich erfreut über die Maßnahmen, die bereits vorgenommen worden waren. Dennoch regte er an, die Busse mit Außenlautsprechern auszustatten, „damit insbesondere an Stellen, an denen viele Busse halten“, die Buslinien und die jeweiligen Fahrziele verkündet werden könnten.

Felix Wiest vom städtischen Grünflächen- und Tiefbauamt konnte dazu mitteilen, dass es schon jetzt an etwa zehn Haltestellen in Bietigheim sichtbare digitale Anzeigen gebe, die auf Knopfdruck hörbar würden. Zusätzliche dieser Sprachausgaben wären eventuell in Erwägung zu ziehen.

Keine Hilfe am Bahnhof

Als weiteren Punkt erwähnte Specht die gemeinsam genutzten Fußgänger- und Fahrradwege, die teilweise auch von E-Rollern befahren würden und eine echte Gefahr für Sehbehinderte darstellen. Hier wäre in Bereichen, in denen dies technisch möglich sei, eine Abgrenzung nicht nur durch Farbstreifen, sondern durch Noppen oder Ähnliches angebracht, meinte er. Ungeachtet dessen bat er beide Seiten um „ein freundliches und rücksichtsvolles Miteinander“, wodurch sicherlich mancher bauliche Eingriff vermieden werden könne.

Hans-Joachim Sämann vom „Verein barrierefreie Stadt“ zeigte sich enttäuscht von der Situation am Bahnhof nach dem Wegfall der Mobilitätszentrale. „Trotz der schriftlichen Zusicherung der Deutschen Bahn, über einen Anruf bei der sogenannten 3-S-Zentrale Hilfe zu erlangen, erfolgt diese Unterstützung nicht.“ Man könne zwar anrufen, aber die Hilfe beim Überwinden der Treppen, Wechseln des Bahnsteiges oder anderen Anliegen bleibe aus. „Da muss noch etwas getan werden“, forderte er eindringlich.

Aufzug für Enzpavillon

Positive Nachrichten hatte hingegen Dieter Friedrich, Vorsitzender der „Aktiven Senioren“, zu vermelden. „Es ist uns gelungen, den Enzpavillon zu einem barrierefreien Veranstaltungsort zu machen.“ Erst vor Kurzem war mit finanzieller Unterstützung der Ferry-Porsche-Stiftung ein Aufzug eingebaut worden. Corinna Müller

 
 
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