Bietigheim-Bissingen Gemeinsam die Ferienzeit gestalten

Von Corinna Müller
102 Kinder machten beim Waldheim der evangelischen Gesamtkirche Bietigheim in Metterzimmern mit. Sie bereiten sich auch auf den Pferdemarktumzug vor, bei dem sie mitlaufen werden. Foto: /Martin Kalb

102 Kinder haben am Sonntag das Waldheim der evangelischen Gesamtkirche Bietigheim in Metterzimmern mit einem gemeinsamen Gottesdienst begonnen.

In und um die Mehrzweckhalle in Metterzimmern tummeln sich Römer, Wikinger, Germanen, Ritter und Azteken freundschaftlich nebeneinander. „Wir haben die Kinder je nach Alter in Gruppen eingeteilt“, erklärt Diakon Felix Ege, der seit vier Jahren das Waldheim organisiert. „Wir sind hier offen für jeden. Die religiöse Herkunft spielt keine Bedeutung“, betont er. Im Waldheim seien auch Muslime und Konfessionslose willkommen. Dabei sei ihm selbst das christliche Leitbild durchaus wichtig, weshalb sie vor dem Essen beten würden – obwohl niemand beten müsse, der das nicht wolle.

Nach einem gemeinschaftlichen Frühstück spielen die Betreuer den Kindern Josefs Weg nach Ägypten vor und die Geschichte von Mose, der das Volk später wieder aus diesem Land herausführt.

Bereits als Kind dabei

Anschließend wird in den Gruppen gesungen, gebastelt oder gespielt. Gruppenleiter Andreas Eisenach arbeitet seit 2021 im Waldheim mit. Er kam über Freunde hierher und „macht leidenschaftlich weiter“, wie er sagt, während er Holzstücke sägt, die zu Äxten verarbeitet werden. Auch Timea Schauer ist seit vier Jahren ehrenamtlich mit dabei, „nachdem ich mich in den Sommerferien nur mal so reingesetzt hatte“.

Sie hatte zuvor, wie viele Betreuer, bereits als Kind ihre Ferien hier verbracht. In ihrer Gruppe bastelt die 14-jährige Mia Pögerl konzentriert an einem Lorbeerkranz aus grünem Papier, „weil mir das gefällt und ich es echt schön finde“. Sie wird einen römischen Zuschauer darstellen, wenn alle gemeinsam am Umzug des Pferdemarkts teilnehmen. Der 13 Jahre alte Elyakim hingegen baut sich ein Gladiatorenschwert aus Pappe, „weil mir das Schwert besser gefällt als der Lorbeerkranz“, sagt der Junge lachend.

Gut gelaunt beschreibt die zehnjährige Julia das Spiel „Rotes Sofa“, das in ihrer großen Gruppe mit rund 30 Kindern gespielt wird. Und während die Kinder mit verschiedenen Farben malen und Speere, Schwerter, Spieße oder Schilder bauen, spielt Jonas Mathies im Hintergrund „Bach“ auf dem Keyboard, sofern er nicht in der Küche benötigt wird. Hier arbeitet Sarid Klink und sorgt dafür, dass das gelieferte Essen pünktlich auf den Tisch kommt.

„Das Frühstück bereiten wir im Waldheim zu, ebenso wie die Sonderspeisen, also das Essen für Veganer oder das ohne Schweinefleisch“, schildert sie. Mühsam sei es jedoch, dass die Spülmaschine defekt ist und sie das Geschirr für 130 Personen jeden Tag von Hand spülen müssten – wobei sie hier tatkräftig von den Kindern unterstützt wird, die, wie Klink verrät, „sich ganz besonders auf den Besuch des OB Kessing freuen, der uns Eis mitbringt“.

Am Nachmittag werden acht verschiedene AGs parallel angeboten, die von den Kindern frei gewählt werden und altersunabhängig sind. Bogen schießen, Zirkus AG, eine Waldtour mit dem Förster und Gassi gehen mit dem Hund sind nur ein Teil davon. „Merida“, eine junge Hündin, steht bereits erwartungsvoll neben dem Zelt der Betreuer.

Freiraum ist wichtig

Trotz des vollen Programms sieht man überall ausgelassene Kinder auf Kettcars, mit dem Pedalo, auf der Hüpfburg oder in der Spielecke. „Es ist wichtig, dass die Kinder auch Freiraum haben, sich einfach mal den Fußball nehmen können“, ist Ege überzeugt. „Die Kinder können – im geschützten Rahmen – gut mit den eigenen Entscheidungen umgehen.“

Am Pferdemarktumzug werden alle Waldheimkinder mit ihren roten oder grünen T-Shirts dabei sein, auf denen „Echt elefantastisch“ zu lesen ist – der heiß geliebte Waldheim-Mottosong der Kinder. „Und wir werden eine große Überraschung auf dem Traktor mitführen,“ verheißt Ege schmunzelnd.

 
 
- Anzeige -