Der Bietigheim-Bissinger Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung ein neues Einzelhandelskonzept für die Stadt beschlossen (die BZ berichtete). In den kommenden Wochen stellt die BZ die Beurteilung und Perspektiven für die drei Zentren – Innenstadt, Bissingen und Buch – sowie das Bahnhofsgebiet in einer Artikelreihe vor. Den Anfang macht der zentrale Versorgungsbereich Innenstadt.
Bietigheim-Bissingen Gestaltung der Talstraße lässt zu wünschen übrig
Für die Innenstadt sieht das neue Einzelhandelskonzept vor allem im östlichen Bereich Verbesserungsmöglichkeiten.
Hier befinden sich laut Einzelhandelskonzept derzeit rund 41 Prozent der gesamtstädtischen Einzelhandelsbetriebe mit rund 25 Prozent der Verkaufsfläche und 34 Prozent des Umsatzes. Ein „vielfältiges Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot mit überwiegend kleinteiligen Strukturen“ stellen die Planer als Stärke des Gebiets heraus. Insbesondere im Bereich um den Kronenplatz seien verschiedene Magnetbetriebe vorhanden. In der Altstadt bieten darüber hinaus die Marktplatz Arkaden einen wichtigen Anziehungspunkt. In der Hauptstraße bestehe über die gesamte Länge ein durchgängiges Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot, das alle Versorgungsbereiche abdecke. Weiter wird im Einzelhandelskonzept der überwiegend gut erhaltene historische Gebäudebestand als Vorteil hervorgehoben. Die Marktplatz Arkaden seien darüber hinaus ein Beispiel für die gelungene Integration eines modernisierten Gebäudes in die historische Stadtstruktur.
Querverbindungen fehlen
Doch bei allen Stärken identifizieren die Planer auch einige Schwächen: So sei etwa das Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot in den Nebenstraßen nur teilweise vorhanden und nehme dort ab. „Querverbindungen, die die Potenziale der historischen Altstadt, wie verwinkelte Gassen mit Flair und Atmosphäre, nutzbar machen, sind kaum vorhanden“, heißt es. Im nördlichen Bereich der Innenstadt seien zudem einzelne Leerstände vorzufinden. Dieser Bereich sei wenig belebt und biete daher Entwicklungspotenzial.
Städtebaulich kritisieren die Planer vor allem die Gestaltung der Talstraße. Diese verfüge eher über einen Gewerbegebiets- als über einen Zentrumscharakter. Verschiedene Baulücken würden diesen Eindruck noch verstärken. Auf der anderen Seite stellen besagte Brachflächen auch wichtige Flächenpotenziale dar, die genutzt werden können. Davon gibt es im Bereich der Altstadt kaum welche. Sowohl die Talstraße als auch das Mühlwiesenzentrum würden sich eher an Autokunden richten, die fußläufige Anbindung sei aufgrund unattraktiver Unterführungen und schmaler Gehwege unzureichend.
Die Handlungsempfehlungen laut Einzelhandelskonzept sehen demnach wie folgt aus: In der Talstraße gelte es, Baulücken zu schließen und das Gebiet städtebaulich aufzuwerten. Möglichkeiten großflächiger Einzelhandelsangebote seien zwar beschränkt, Raum für Dienstleistungen sei jedoch gegeben. Dabei gelte es auch, belebte Erdgeschoss-Zonen entlang der Talstraße zu schaffen, um den „Hinterhof-Charakter“ zu beheben. Dazu sollen die Bereiche um das Kaufland entsprechend aufgewertet werden.
Anbindung verbessern
Mängel, wie die unzureichende Fußverkehrsinfrastruktur, die fehlende Begrünung und starke Parkierung sollen behoben und beispielsweise durch öffentliche Sitzgelegenheiten ergänzt werden. Auch eine Parkraumbewirtschaftung könnte demnach Abhilfe schaffen. Zudem wird eine Aufwertung des Haltestellenbereichs Kronenzentrum als zentraler Empfangspunkt für ÖPNV-Nutzer angeregt. Werden die Flächenpotenziale an der Talstraße genutzt, so werde auch die Verbesserung der Fuß- und Radverkehrsverbindungen zur Altstadt umso dringlicher, wie die Planer weiter feststellen.
Hierzu seien insbesondere die Unterführungen aufzuwerten und die Fuß- und Fahrradinfrastruktur in der Talstraße zu verbessern. Auch die Schaffung einer direkten Verbindung zwischen Talstraße und Mühlwiesenzentrum, etwa durch eine Überführung, wird empfohlen. Zudem soll das Mühlwiesenzentrum auch über die Enz besser an das Wohngebiet Sand, das aktuell unzureichend versorgt sei, angebunden werden.
Ladenflächen verbinden
Im Bereich der Altstadt raten die Planer von einer weiteren Ausdehnung der Innenstadt ab, es sei sogar damit zu rechnen, dass der Einzelhandel westlich des Marktplatzes weiter abnehmen wird. Stattdessen sollen räumliche Entwicklungsmöglichkeiten durch ein aktives Leerstand- und Ladenflächenmanagement aktiviert werden. Auch die Zusammenlegung von Ladenflächen sei zu unterstützen, um größere und attraktivere Flächen bereitstellen zu können.
