Bietigheim-Bissingen Gotteshäuser: Am Anfang stand die Peterskirche

Von Uwe Mollenkopf
Die Peterskirche in Bietigheim ist heute Friedhofskirche. Sie wird bereits im 9. Jahrhundert erwähnt. Foto: Oliver Bürkle

Vor 50 Jahren wurde die katholische Kirche St. Johannes fertiggestellt. Zahlreiche weitere Gotteshäuser unterschiedlichen Alters prägen die Stadt. Am Anfang stand die Peterskirche.

Vor 50 Jahren wurde im Wohngebiet Buch die katholische Kirche „St. Johannes“ fertig. Als Material kam in dem am 13. Oktober 1974 vom Bischof geweihten Gotteshaus unter anderem der damals typische Sichtbeton zum Einsatz. Das neue Domizil der Katholiken reihte sich ein in eine ganze Reihe von Kirchen in der ein Jahr später (1975) entstandenen Gesamtstadt Bietigheim-Bissingen, von denen die ältesten bereits im Mittelalter entstanden. Aber auch in jüngster Zeit kamen neue hinzu – ein Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Zurück in die Frühzeit der Stadt, als sich auf deren Gebiet noch eine Ansammlung kleinerer, heute teilweise verschwundener Siedlungen befand, reicht die Geschichte der Peterskirche. Sie wurde wahrscheinlich vom Kloster Weißenburg als Missionskirche erbaut und wird im 9. Jahrhundert erstmals erwähnt, stellt Erwin Mickler in „Bietigheim 789 – 1989“ fest. Laut Hermann Römer („Geschichte der Stadt Bietigheim“) gehörten zu ihrem Pfarrbezirk neben Bietigheim auch Bissingen, Metterzimmern, Sachsenheim und das damalige Remmigheim. Im 14. Jahrhundert wurde sie als Bietigheimer Pfarrkirche modernisiert und erhielt einen gotischen Chor mit Malereien. Im 15. Jahrhundert gab es noch eine Erweiterung. Zu dieser Zeit begann allerdings die neu erbaute Stadtkirche der Peterskirche den Rang abzulaufen.

Stadtkirche löste Peterskirche als Pfarrkirche ab

Die Stadtkirche wurde um 1400 im Bereich der bisherigen Burgkapelle errichtet, nachdem zuvor die Bietigheimer Burg zerstört worden war. Als Grund gilt, dass die Peterskirche weit außerhalb des 1364 zur Stadt erhobenen Bietigheim lag. Der nördlich angrenzende Bergfried der Burg diente zunächst als Glockenturm. 1496 löste die Stadtkirche die Peterskirche dann als Pfarrkirche ab. Letztere ist bis heute Friedhofskirche.

Die Stadtkirche wiederum wurde im Jahr 1542 durch einen Einsturz des Burgturms teilweise zerstört. Das Kirchenschiff wurde danach erweitert, der Turm 1544/47 neu gebaut.

Zu den historischen Kirchen aus dem Mittelalter zählt auch die spätgotische Bissinger Kilianskirche. Laut Kirchengemeinde wurde sie von 1517 bis 1533 in vorreformatorischer Zeit durch das Markgröninger Heilig-Geist-Spital auf den Fundamenten älterer Vorgängerbauten errichtet. Vermutet wird, dass sie von Anfang an als evangelische Kirche genutzt wurde, weil im Jahr 1534 die Reformation in Württemberg Einzug hielt. Abgesehen von einer Turmerhöhung blieb das Gotteshaus unverändert erhalten. Eine Besonderheit stellt die Ausmalung in den Jahren 1677 und 1691 dar.

Sehr viel jüngeren Datums ist das Gotteshaus von Metterzimmern. Die dortige Michaelskirche wurde von dem Architekten Heinrich Dolmetsch erbaut und am 6. Dezember 1906 geweiht. Natürlich hatte der Ort auch schon vorher eine Kirche, diese war jedoch durch einen Blitzschlag so stark beschädigt worden, dass der Neubau nötig wurde.

Wie alt der Vorgängerbau war, ist unsicher, fest steht, dass dieser 1379 erstmals urkundlich erwähnt worden war, so Andreas Walter in seinem Buch über Metterzimmern.

Die erste katholische Kirche in Bietigheim entstand im 19. Jahrhundert. Die St. Laurentiuskirche wurde 1885 erbaut und nach dem Heiligen Laurentius geweiht, weil in ihrer Nähe bis zum Jahre 1547 eine Laurentiuskapelle gestanden hatte. Nach den Informationen der katholischen Kirchengemeinde wurde 1955 die alte, zu klein gewordene Kirche abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt, der im März 1958 durch den Rottenburger Bischof Carl Joseph Leiprecht geweiht wurde.

Zwei orthodoxe Kirchen in der Stadt

Kurze Zeit später wurden weitere katholische Kirchen in Bissingen (Zum Guten Hirten im Jahr 1969) und im Wohngebiet Buch (Johanneskirche 1974) eingeweiht. Die neuen Kirchen waren vor dem Hintergrund des Zustroms von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den Ostgebieten und des Wachstums der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg notwendig geworden. Auch neue evangelische Gotteshäuser entstanden damals: Schon im Jahr 1956 wurde die Friedenskirche im Wohngebiet Sand eingeweiht, 1968 die Pauluskirche im Buch, und 1965 die Martin-Luther-Kirche in Bissingen.

Neben den großen Kirchen gab es in Bietigheim bereits seit dem 19. Jahrhundert weitere religiöse Gemeinschaften. So weihte die evangelisch-methodistische Kirche Bietigheim bereits 1866 eine Kapelle auf der Lug ein. Ab 1957 ersetzte dann die Christuskirche in der Rathenaustraße die zu klein gewordene Kapelle. Die neuapostolische Gemeinde errichtete 1929 in Bietigheim eine Kirche, 1963 entstand ein eigenes Gotteshaus in Metterzimmern, 1978 in Bissingen. Wie jüngst beschlossen wurde, soll letzteres aufgrund der 2015 erfolgten Fusion mit Bietigheim nun abgerissen werden und Mehrfamilienhäusern weichen.

Dafür kam als jüngstes Kapitel des Kirchenbaus in Bietigheim-Bissingen im September 2019 die syrisch-orthodoxe Kirche Mor Petrus & Paulus in den Bissinger Hopfengärten hinzu. Mit der schon etwas länger bestehenden griechisch-orthodoxen Kirche in der Besigheimer Straße gibt es damit bereits zwei orthodoxe Kirchen in Bietigheim-Bissingen.

 
 
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