Bietigheim-Bissingen Grundschule im Ellental ist vom Tisch

Von Uwe Mollenkopf
In der Schwarzwaldstraße werden nun doch keine Räume für eine Grundschule angemietet. Foto: /Martin Kalb

Der Gemeinderat votierte aufgrund zu geringer Schülerzahlen mehrheitlich für den Verzicht auf eine neue Schule. Kinder aus Kreuzäcker I sollen stattdessen in die Sandschule gehen. 

Alles schien schon beschlossene Sache: Nach den von der Firma Biregio 2019 prognostizierten ansteigenden Schülerzahlen war im Bietigheim-Bissinger Gemeinderat im Mai 2021 die Entscheidung gefallen, dass ein neuer Grundschulbezirk im Ellental zur Entlastung der bestehenden Schulbezirke der Hillerschule und der Schillerschule gebildet werden sollte. Als Standort hatte man ein Gebäude an der Schwarzwaldstraße auserkoren, das angemietet werden sollte. Nach dem Auszug der Gymnasien sollten dort voraussichtlich zum Schuljahr 2024/2025 die angemieteten Räume genutzt werden – so der Plan. Doch nun kommt alles anders.

Nur maximal 34 Schüler

Wie der Erste Bürgermeister Michael Hanus am Dienstag im Gremium ausführte, zeigen neuere, von Biregio ermittelte Zahlen, dass der Anstieg der Kinderzahlen nun doch nicht so stark ausfällt wie angenommen. Er bestätigte damit entsprechende Aussagen in der jüngsten Schulbeiratssitzung (die BZ berichtete). Für eine Grundschule im Ellental bedeute dies, dass man maximal 34 Schüler haben würde, so Hanus, sodass nur eine starke Klasse oder zwei schwache gebildet werden könnten. Dafür gebe es auch keine Unterstützung durch das Staatliche Schulamt.

Die Einrichtung einer neuen Grundschule im Ellental hätte zudem laut Stadtverwaltung auch eine Schwächung der Schulbezirke Hillerschule und Schillerschule zur Folge. Ebenso würde die Grundschule im Sand keine stabile Dreizügigkeit mehr erreichen können. Die Verwaltung empfehle deshalb, auf die Einrichtung einer neuen Grundschule im Ellental zu verzichten, sagte Hanus.

Änderung der Schulbezirke

Stattdessen sollen die Schüler aus dem Bereich Kreuzäcker I statt wie bisher der Hillerschule ab dem Schuljahr 2025/26 der Schule im Sand zugeordnet werden. Für die Kinder, die bereits heute aus dem Gebiet Ellental die Schillerschule besuchen, ändert sich hingegen nichts. Ziel ist laut Verwaltung, dass die Hillerschule in der Stammschule stabil dreizügig, die Schillerschule inklusive Außenstelle vierzügig, die Schule im Sand dreizügig, die Waldschule zweizügig und die Grundschule im Buch fünfzügig sind. Zwischen Kreuzäcker I und Sand gebe es gute Verbindungen, erklärte Hanus. Die Schüler könnten die bereits heute bestehenden umsteigefreien Fahrtmöglichkeiten ab der Haltestelle Ellentalgymnasien zur Haltestelle Bolzstraße mit der Linie 561 nutzen.

Diese verkehre von Montag bis Freitag ganztägig im 30-Minuten-Takt. Dadurch sei dieses Gebiet recht gut vom regulären Linienangebot abgedeckt. Es werde aber weitere Gespräche mit der Firma Spillmann geben, so der Bürgermeister, bei denen auch die Einführung eines Schulbusses erörtert werden soll.

Elternvertreter waren über die neuen Pläne bereits am Montag informiert worden und waren alles andere als begeistert gewesen, wie Hanus einräumte. Den geäußerten Alternativvorschlag, die Kinder statt in den Sand zur Schillerschule in Bissingen zu schicken, könne die Verwaltung aber nicht unterstützen, da sonst dort ein Anbau notwendig werde. In der Sandschule hat man diese Probleme nicht, weil die dortige Gemeinschaftsschule mit der Waldschule in Bissingen zusammengelegt werden soll und somit Platz frei wird.

Verärgerung bei Eltern

Der Verwaltungsvorschlag wurde von der Mehrheit der Stadträte unterstützt. Dagegen stimmte die GAL, für die Attila Tür, selbst Bewohner des Gebiets Kreuzäcker, von Verärgerung, Sorge und Enttäuschung bei den betroffenen Eltern sprach. Es gebe zwar eine Busverbindung in das Gebiet Sand, doch die Realität sei, dass die Kinder dann von den Eltern gefahren würden (Stichwort „Elterntaxi“). In den Kreuzäckern gebe es viele junge Familien, eine eigene Grundschule sei für die Kinder dort unabdingbar, erklärte Tür.

Bessere Busverbindung verlangt

Dagegen sagte CDU-Fraktionschef Claus Stöckle, es sei „die Kraft des Faktischen“, die für einen Verzicht auf eine Grundschule im Ellental spreche. Aufgrund der geringen Schülerzahl wäre auch die Umsetzung der verbindlichen Nachmittagsschule ab 2026 problematisch. Er empfahl, über das Thema nochmals in fünf Jahren zu reden.

Auch Thomas Reusch-Frey, der Sprecher der SPD-Fraktion, meinte, „an der Realität der Zahlen“ komme man nicht vorbei, auch wenn die Entscheidung schwerfalle. Er wisse, dass das bitter für die Eltern sei. Reusch-Frey forderte aber eine Optimierung der Busverbindung in den Sand. Im Moment müssten die Kinder sonst morgens eine Dreiviertelstunde vorher starten, um zum Unterrichtsbeginn um 8 Uhr da zu sein – inklusive 23 Minuten Wartezeit vor dem Schulstart.

Elterntaxis vermeiden

Ebenfalls für den Vorschlag der Verwaltung sprachen sich die Stadträte Petra Kühlthau (Freie Wähler) und Dr. Arno Steilner (FDP) aus. Kühlthau bezeichnete es als wichtig, Elterntaxis zu vermeiden, Steilner verlangte eine Verbesserung der Schülerbeförderung. Axel Westram (CDU), auch er in den Kreuzäckern wohnhaft, appellierte, die Situation weiter zu beobachten und die Einrichtung einer Außenstelle für eine Klasse zu prüfen. „Das wäre für alle Beteiligten ein Segen“, sagte der Stadtrat.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing empfahl, die neue Regelung einzuführen und dann zu schauen, ob es funktioniere. Die Entscheidung im Gemeinderat zum Verzicht auf eine neue Schule fiel bei sieben Gegenstimmen.

 
 
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