Es ist ein rundes Programm geworden, in dem viele Sachen beleuchtet werden“, sagt Dieter Friedrich von den Aktiven Senioren. Er bildet gemeinsam mit Kulturamtsleiterin Michaela Ruof, Aktive-Senioren-Mitglied Dr. Verena Krauel-Maichle sowie der Leiterin der Schiller-VHS, Constanze Weis, und der stellvertretenden Leiterin Charlotte Baumann das Team der Akademietage.
Bietigheim-Bissingen „Hochkarätige Referenten“ zum Akademietage-Jubiläum
Bei den 20. Akademietagen, die im November im Bietigheim-Bissinger Kronenzentrum stattfinden, geht es um Ressourcen, Verbraucher und Verantwortung.
Bei diesen wird es am 17. und 18. November im Kronenzentrum in Bietigheim-Bissingen in sechs Vorträgen um Ressourcen gehen: „Über unsere Verhältnisse. Ressourcen neu denken: Vom Verbrauch zur Verantwortung“ lautet das Thema, auf das das Team durch einen Teilnehmer der Akademietage im vergangenen Jahr gekommen ist. Er fand das Thema „Cradle to Cradle“, ein Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft, interessant und schlug es ihnen vor, erzählt die Leiterin der Schiller-VHS, Weis. Nun geht es um dieses Thema direkt im ersten Vortrag, mit dem die Akademietage nach der Begrüßung durch Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing starten. Dann referiert Prof. Dr. Michael Braungart von der Braungart Epea Internationalen Umweltforschung GmbH in Hamburg zu „Cradle to Cradle als Innovationschance“.
Was die Bürger interessiert
Bei der Ideenfindung und -ausarbeitung überlegt das Team der Akademietage, was die Gesellschaft gerade interessant finden könnte und was sie gerade kritisch hinterfragt – „nicht nur an zwei Tagen im November“, so Baumann, sondern längerfristig. Es gehe in diesem November um alle Ressourcen, die die Menschen beschäftigen: von Klimakrise über Wasser bis hin zu Lieferketten. Man achte dabei darauf, dass das Thema selbst gut zu diskutieren ist und stricke dann ein rundes Programm drumherum, das Jung und Alt interessiere, beschreibt die stellvertretende Leiterin der Schiller-VHS die Planungsphase.
Und über das diesjährige Thema könne man auch eine Woche lang Vorträge machen, zumal diese nicht nur die Forschung, sondern auch Anwendungen und Konzepte beinhalten würden, aber die Aufmerksamkeit lasse ja irgendwann nach, sagt Friedrich.
Auf den Eröffnungsvortrag folgt um 11.15 Uhr Dr. Stefan Pfahl aus Tübingen, er hat bis 2025 bei der Mercedes-Benz AG gearbeitet und spricht „Zur Zukunft und Nachhaltigkeit der Automobilindustrie in Deutschland“. Auf diesen Vortrag freut sich Friedrich von den Aktiven Senioren am meisten: „Ich habe früher Lackieranlagen für die Automobilindustrie gebaut“, dass diese Branche, die ja auch viele in der Region betreffe, und sich in einer Krise befinde, beim Thema Ressourcen vertreten ist, war ihm deshalb wichtig. Als „Geheimtipp“ bezeichnen Weis und Baumann den letzten Vortrag des ersten Akademietags. Ihn hält Dr. Franca Angela Bülow von der Leuphana Universität Lüneburg um 14.15 Uhr zum Thema „Nachhaltigkeit per Gesetz? Chancen und Grenzen der Lieferkettenpolitik“. Auch wegen Firmen wie Shein und Temu sei das interessant, und „das Thema klingt vielleicht nicht so, aber da wird mehr drinstecken“, so Baumann. Und Weis ergänzt: Referentin Bülow arbeite gerade noch an einer Forschungsarbeit zum Thema ihres Vortrags und habe schon angekündigt, auch die neuesten Erkenntnisse kurzfristig noch einfließen zu lassen.
Recherche über Referenten
Da letztes Jahr alle weiblichen Referentinnen abgesagt hatten, hat sich Weis dieses Jahr besonders bemüht, erzählt sie, und tatsächlich gibt es diesmal zwei weibliche Referentinnen. Der zweite Tag wird eröffnet von Prof. Dr. Regina Birner von der Universität Stuttgart-Hohenheim, die fragt: „Wie können wir die Welternährung nachhaltig sichern?“
Das Ziel sei bei den Referenten immer, eine gute Mischung aus Frauen und Männern sowie Theorie und Praxis zu schaffen, idealerweise haben sie auch keinen allzuweiten Anfahrtsweg, sagt Weis. Relevanter als das Geschlecht seien aber natürlich die Inhalte des Vortrags und eine gute Sprechweise, fügt Baumann hinzu. Um diese einschätzen zu können, schaut sich das Team auch Videos auf Youtube an, in denen die möglichen Referenten Vorträge halten. Sie achten außerdem darauf, dass sie auch aktuell noch aktiv in ihrem Themengebiet sind – und nicht beispielsweise ihr neuestes Buch aus den 1980ern sei. Mit der Auswahl ist das Team sehr zufrieden, es handele sich um „hochkarätige Referenten“, sagt Baumann, und mit Michael Braungart und Niko Paech seien auch zwei der Referenten erneut da, kennen das Prinzip also bereits. Und das, obwohl man während der Planung schon befürchtete, nur einen Tag füllen zu können. „Aber wir haben Durchhaltevermögen“, sagt Weis, und schließlich sind es doch die gewohnten zwei Tage geworden. Gerade wegen des 20-jährigen Jubiläums der Akademietage sei man froh über das „schöne und runde Thema“ und über die Teilnehmer, die der Veranstaltung die Treue halten, ebenso wie neue dazukämen. 84 Anmeldungen habe man bereits, die Anmeldephase läuft seit ungefähr drei Wochen. Mit Tischen, an die sich die Teilnehmer setzen können, sind es 140 mögliche Plätze im Kronenzentrum – aber wenn sich mehr anmelden, könne man diese auch weglassen, eine feste Grenze gibt es also nicht.
Schulklassen sind erwünscht, zumal das Thema Schüler noch mehr angehe, „es ist ja ihre Zukunft“, so Weis. Sie können sich auch für einzelne Vorträge anmelden. Zum Beispiel für den fünften Vortrag, den Prof. Dr. Ingo Balderjahn von der Universität Potsdam über „Weniger Konsum ist mehr – viel nachhaltige Verantwortung und reichlich Lebensglück“ hält, und auf den sich Baumann und Weis am meisten freuen. „Minimalismus war ja im Trend, aber man hört davon nicht mehr so viel“, erzählt Baumann, und Weis, die kürzlich Rucksackwandern war, berichtet: „Man stellt fest, dass man gar nicht so viel braucht.“
Den Abschluss macht Prof. Dr. Niko Paech von der Universität Siegen mit „All you need is less: Kurzer Streifzug durch die Postwachstumsökonomik“. Die Vorträge dauern je eine Stunde, dann ist eine halbe Stunde Zeit für Fragen, bevor es vor dem nächsten Vortrag eine Pause mit Zeit für Austausch gibt.
Büchertisch und Bewirtung
Es wird dieses Jahr außerdem wieder einen Büchertisch mit Veröffentlichungen der Referenten und anderen thematisch passenden Werken geben, sagt Weis. An einer Kaffeebewirtung für die Pausen sei man gerade noch dran. Für das Mittagessen sind wieder Plätze in den Kronenstuben reserviert, allerdings reichen diese erfahrungsgemäß nicht für alle Teilnehmer aus, sodass beispielsweise in die Lama Bar und andere fußläufige Lokale ausgewichen werden soll.
Der Kostenbeitrag hat sich von 70 auf 75 Euro, ermäßigt von 50 auf 53 Euro leicht erhöht – es sei aber immer noch ein „charmanter Beitrag“, sagt Weis.
