Bietigheim-Bissingen Hornmold: Im Dienst der Stadt und des Herzogs

Von Uwe Mollenkopf
Ein Bildnis Sebastian Hornmolds enthält dieses Wappenbild im Hornmoldhaus. Foto: /Martin Kalb

Stadtkirchengemeinde und Stadtmuseum erinnern 2025 an Sebastian Hornmold, der vor 525 Jahren geboren wurde. Er legte im 16. Jahrhundert eine steile Karriere hin.

Das Jahr 1519 ist für den württembergischen Herzog Ulrich kein gutes. Im Frühjahr wird er vom Schwäbischen Bund, einem Bündnis aus Fürsten, Adel und Städten, wegen einer Reihe von Übergriffen aus seinem Land vertrieben, ein Rückkehrversuch später im Jahr, bei dem er unter anderem Besigheim vergeblich belagert, scheitert. Zu seinen treuen Anhängern zählen in Bietigheim Adam Hornmold und sein Sohn Sebastian. Letzterem verspricht Ulrich 1519: „Hilft mir Gott, so hilft er dir auch.“ Doch was ist diese Aussage nach dem Abzug des Herzogs, der Adam Hornmold Verpflegungskosten von 100 Gulden schuldig bleibt, noch wert? Haben die Hornmolds aufs falsche Pferd gesetzt?

Der im Jahr 1500 geborene Sebastian Hornmold zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt, weshalb man sich auch in diesem Jahr, seinem 525. Geburtstag, wieder an ihn erinnert. Sein Geburtstag ist – neben 400 Jahre Pfarrhaus und 625 Jahre Stadtkirche – Teil des Jubiläumsjahrs der evangelischen Stadtkirchengemeinde in Bietigheim-Bissingen, und im Stadtmuseum widmet sich ein neuer Ausstellungsbereich seinem Leben und seiner Familie. Bereits früher, zu seinem 400. Todestag, hatte es in der Stadt und im Hauptstaatsarchiv Stuttgart eine Ausstellung mit dem Titel „Sebastian Hornmold und seine Zeit“ gegeben.

Der Grund, warum er einen solchen Bekanntheitsgrad erlangte, lag bei Sebastian Hornmold zu einem gewissen Grad in der Herkunft: Sein Vater Adam war Amtsbürgermeister, außerdem betätigte er sich als Weinhändler, Küfer und Wirt. Die Familie zählte zur „Ehrbarkeit“, womit die damals führende Schicht in den Städten bezeichnet wird.

Frühe Kontakte zum Herzog

Ein entscheidender Faktor für den Werdegang Sebastian Hornmolds war jedoch die frühe Förderung durch Herzog Ulrich. Dieser wurde auf die schöne Stimme des Zehnjährigen aufmerksam und nahm ihn an seine Hofkantorei in Stuttgart auf, die auch mit einer höheren Lateinschule verbunden war. So kam es, dass der junge Hornmold dort eine hervorragende Ausbildung bekam und anschließend ein Stipendium des Landesherrn für ein Studium in Tübingen, wo er 1519 immatrikuliert wurde.

Ulrichs Vertreibung bedeutete für diese vielversprechende Entwicklung aber zunächst eine harte Zäsur. Weil er wohl weiter Kontakt zu dem nun im Exil befindlichen Herzog hielt, ließ ihn die neue, habsburgische Statthalterregierung in Stuttgart von der Universität verweisen und gefangensetzen. Erst 1521 kam Hornmold wieder frei und begann nun eine Lehre als Schreiber. Als kaiserlicher Notar kehrte er 1525 nach Bietigheim zurück.

Blutvergießen verhindert

Hatte er sich bereits 1519 dafür eingesetzt, seine Stadt vor Racheakten der Reiter des Schwäbischen Bunds zu schützen, so hatte er nun seine nächste Bewährungsprobe, als aufständische Bauern plündernd in die Stadt einzogen (siehe BZ-Artikelserie zum Bauernkrieg). Hornmold trug maßgeblich dazu bei, dass ein Blutvergießen verhindert wurde und wurde zum Dank als Stadtschreiber angestellt.

In der Folge war für ihn Anpassung an die neuen Verhältnisse angesagt. Erwin Mickler („Bietigheim 789 bis 1989“) weist darauf hin, dass sich Hornmold, der nun für die Rentkammer der habsburigischen Regierung Aufgaben übernahm, loyal verhielt: „Obwohl seine Verbindung mit Herzog Ulrich fortbestanden haben dürfte, wird sie doch nirgends sichtbar.“ Gleiches gelte für seine Hinneigung zur Reformation.

Auch privat lief es gut für Hornmold: 1527 heiratete er Anna Braun aus einer angesehenen Familie aus Kirchheim am Neckar. Diese Ehe, aus der vier Söhne und zwei Töchter hervorgehen sollten, habe ebenfalls zu seinem nachfolgenden glänzenden Aufstieg beigetragen, meint Günther Bentele („Die Malereien“).

Neues Haus und neues Amt

Die Wende hin zu einem neuen Lebensabschnitt brachte für den Bietigheimer das Jahr 1534. Nach 15 Jahren im Exil gelang es Herzog Ulrich, mit hessischer Hilfe sein Fürstentum zurückzugewinnen und die Reformation einzuführen. Der Fürst erinnerte sich nun tatsächlich an sein Versprechen gegenüber Hornmold, indem er ihn zum Dank für die Verdienste um ihn 1535 zum Vogt ernannte und ihm das mit Einführung der Reformation verstaatlichte Haus der Bietigheimer Johannespfründe schenkte. Hornmold baute dieses – das heutige Hornmoldhaus – zum repräsentativen Wohnhaus aus. Der Bietigheimer machte im Dienste des Herzogs nun rasch Karriere, indem er für die wirtschaftliche und verwaltungstechnische Durchführung der Reformation, insbesondere die Auflösung der Klöster in der näheren Umgebung zuständig wurde. Er habe diese Aufgabe „akribisch und hartnäckig“ durchgeführt, lässt sich der vom Bietigheimer Stadtarchiv verfassten Hornmold-Kurzbiografie entnehmen.

Steckbrieflich verfolgt

Rückschläge blieben indes nicht aus: Der Schmalkaldische Krieg (1546/47), in dem kaiserlich-katholische Truppen in Württemberg einrückten, wurde für Hornmold laut Bentele zur entscheidenden Bewährungsprobe. Er wurde steckbrieflich verfolgt, musste fliehen, sein Haus wurde ausgeraubt und er verlor Hausrat, Kleider und große Weinvorräte. Erst 1549 wurde er vom Kaiser rehabilitiert.

Auch der 1550 zur Regierung gelangte Sohn Ulrichs, Herzog Christoph, habe Hornmold als erfahrenem Verwaltungsfachmann vertraut, so das Stadtarchiv. Der Bietigheimer wurde jetzt Direktor des herzoglichen Kirchenrats. Er wirkte in dieser Funktion maßgeblich an der „Großen Kirchenordnung“ von 1559 mit, die nicht nur kirchliche Dinge, sondern auch Fragen des Schul- und Gesundheitswesens regelte. Dabei vergaß er laut Bentele auch seine Heimatstadt nicht: Diese erhielt das Privileg zur Vermarktung von Flößerholz und wurde eine der vier Städte im Land mit Sitz eines Landarztes sowie einer Apotheke.

Hornmold starb im Jahr 1581. Eine Eingabe, die er wenige Monate davor beim Herzog gemacht hatte, zeigt, dass er zuletzt unzufrieden war. Für die im Laufe seines langen Dienstes erlittenen Schäden fühlte er sich am Ende nicht ausreichend finanziell entschädigt.

 
 
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